Charles Schwab-Aktie: Rekord-Neugelder von 190,4 Mrd. USD
Charles Schwab sammelt 190,4 Mrd. USD Neugeld ein. Doch mehr Trades bringen nicht entsprechend mehr Umsatz. Die Quartalszahlen zeigen den Unterschied.
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Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Zahlen zum Quartal: Charles Schwab meldete für das dritte Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 7,171 Mrd. USD, 17 % mehr als im Vorjahr.
- Hohe neue Kundengelder: Die Kernneugelder erreichten 190,4 Mrd. USD und lagen damit 38 % über dem Vorjahresquartal.
- Gewinn über Konsens: Laut StockStory übertraf das bereinigte Ergebnis je Aktie von 1,69 USD die Konsensschätzung von 1,66 USD.
Charles Schwab hat am 15. Oktober seine Zahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht: 190,4 Mrd. USD Kernneugelder, 7,171 Mrd. USD Nettoumsatz und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 1,69 USD. Die Kundengelder wachsen schneller als die Erlöse. Gleichzeitig steigen die Wertpapierkredite beinahe auf das Doppelte des Vorjahreswerts. Für Dich lohnt deshalb der Blick darauf, wie Schwab aus Kundenvermögen, Krediten und Handelsaktivität tatsächlich Einnahmen erzielt.
Dabei zeigt sich ein Unterschied: Das tägliche Handelsvolumen nahm um 44 % zu, der Handelsumsatz aber nur um 16 %. Das Zinsgeschäft lieferte wiederum fast die Hälfte des gesamten Nettoumsatzes. Wer Schwab allein als Anbieter von Wertpapiertransaktionen betrachtet, übersieht damit den größten Erlösbaustein dieses Quartals.
Der Gewinn schlägt die Erwartung, der Umsatz knapp nicht
Der Nettoumsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 17 % auf 7,171 Mrd. USD. Unter dem Strich verdiente Schwab nach den US-Rechnungslegungsregeln GAAP 2,906 Mrd. USD. Das verwässerte Ergebnis je Aktie lag bei 1,62 USD. Nach Bereinigung bestimmter Kosten erreichten der Nettogewinn 3,021 Mrd. USD und das Ergebnis je Aktie 1,69 USD. Die Einzelwerte stehen in der Quartalsmitteilung von Charles Schwab.
Zwischen dem ausgewiesenen und dem bereinigten Nettogewinn liegen damit 115 Mio. USD. Vor Steuern nahm Schwab Kosten von 151 Mio. USD aus der bereinigten Rechnung heraus. Dazu gehören Abschreibungen erworbener immaterieller Werte sowie Akquisitions- und Integrationskosten. Beim Ergebnis je Aktie beträgt der Abstand zwischen beiden Rechnungen 0,07 USD. Für Deinen Vergleich mit Analystenschätzungen ist deshalb wichtig, dieselbe Ergebnisgröße zu verwenden.
Laut StockStory stand dem bereinigten Ergebnis von 1,69 USD eine Konsensschätzung von 1,66 USD gegenüber. Schwab lag also um 0,03 USD darüber. Beim gerundeten Umsatz von 7,17 Mrd. USD hatten Analysten dagegen 7,18 Mrd. USD erwartet. Das entspricht einer knappen Verfehlung um rund 0,14 %. Der Vergleich erklärt, weshalb Umsatzwachstum und das Abschneiden gegenüber Erwartungen zwei verschiedene Fragen sind.
190,4 Milliarden Neugeld sind noch kein Unternehmensumsatz
Die Kernneugelder erreichten 190,4 Mrd. USD, 38 % mehr als im Vorjahresquartal. Schwab weist dafür eine annualisierte Wachstumsrate von 5,8 % aus. Im selben Quartal eröffnete der Broker 1,2 Mio. neue Brokerage-Konten. Das gesamte Kundenvermögen lag bei 13,33 Bio. USD und damit 15 % über dem Vorjahreswert. Die Zuflüsse und die Kontoeröffnungen zeigen zwei Seiten des Kundengeschäfts: mehr betreutes Geld und neue Konten.
Die Größenordnung lässt sich mit den übrigen Quartalszahlen vergleichen: Die Kernneugelder waren rechnerisch rund 26,6-mal so hoch wie Schwabs Nettoumsatz. Das bedeutet allerdings nicht, dass dem Unternehmen diese Summe als Einnahme zufließt. Die 190,4 Mrd. USD sind Kundengelder. Für Schwabs Ertragsrechnung zählen die daraus entstehenden Gebühren und Zinserträge sowie die Erlöse aus Transaktionen.
Bei den Vermögensverwaltungs- und Verwaltungsgebühren ist dieser Zusammenhang im Quartal sichtbar. Sie stiegen um 14 % auf 1,913 Mrd. USD und machten rechnerisch rund 26,7 % des Nettoumsatzes aus. Zusammen mit dem Nettozinsertrag erreichten sie 5,389 Mrd. USD, also etwa drei Viertel aller Erlöse. Das Geschäft mit Kundenvermögen und Zinsen hat damit ein deutlich größeres Gewicht als der reine Handelsumsatz.
Fast jeder zweite Umsatz-Dollar kommt aus dem Zinsgeschäft
Der Nettozinsertrag betrug im dritten Quartal 3,476 Mrd. USD. Gemessen am gesamten Nettoumsatz sind das rechnerisch rund 48,5 %. Damit war das Zinsgeschäft größer als die Vermögensverwaltungs- und Verwaltungsgebühren und der Handelsumsatz zusammen: Diese beiden Bereiche erreichten insgesamt 3,071 Mrd. USD. Der Abstand zum Nettozinsertrag betrug 405 Mio. USD.
Auch die Nettozinsmarge verbesserte sich. Sie stieg von 2,88 % im Vorjahresquartal auf 3,04 %. Das sind 0,16 Prozentpunkte beziehungsweise 16 Basispunkte mehr. Diese Veränderung beschreibt eine andere Entwicklung als das Wachstum des Kundenvermögens: Schwab erzielt auf seiner Zinsbasis eine höhere Nettomarge. Für den Blick auf das Geschäftsmodell gehören daher sowohl das Volumen als auch die Marge in die Rechnung.
Parallel wuchs das Kreditgeschäft. Die Bankkredite lagen zum Septemberende bei 72,3 Mrd. USD, 35 % über dem Vorjahreswert. Die Pledged-Asset-Line-Salden erreichten 37,3 Mrd. USD und stiegen um 59 %. Diese Kreditlinie wuchs damit prozentual schneller als die Bankkredite insgesamt. Die Zahlen zeigen, dass sich die höhere Kundenaktivität auch im Kreditgeschäft niederschlägt und nicht auf neue Konten oder Wertpapierkäufe beschränkt bleibt.
187,9 Milliarden Wertpapierkredite: Ein Drittel entfällt auf Long/Short
Besonders stark stiegen die Margin-Kredite. Zum Quartalsende beliefen sie sich auf 187,9 Mrd. USD, 14 % mehr als im Vorquartal und 93 % mehr als ein Jahr zuvor. Laut den von StockTitan berichteten Zahlen entfielen davon 60,7 Mrd. USD auf Long/Short-Strategien. Das entspricht rechnerisch rund 32,3 % des gesamten Margin-Kreditbestands.
Zieht man diesen ausgewiesenen Anteil vom Gesamtbestand ab, verbleiben 127,2 Mrd. USD außerhalb der genannten Long/Short-Kategorie. Diese Aufteilung ist für die Einordnung nützlicher als der Gesamtwert allein. Fast ein Drittel des Bestands gehört zu einer ausdrücklich benannten Strategiegruppe. Der Anstieg um 93 % beschreibt zunächst das Wachstum der gesamten Kreditgröße, während die 60,7 Mrd. USD einen Einblick in deren Zusammensetzung geben.
Auch der Vergleich mit den Kundengeldern hilft bei der Größenordnung: Die Margin-Kredite entsprechen rechnerisch rund 1,4 % des gesamten Kundenvermögens von 13,33 Bio. USD. Gegenüber den Bankkrediten von 72,3 Mrd. USD sind sie etwa 2,6-mal so groß. Für Dich sind das unterschiedliche Blickwinkel auf dieselben Zahlen: ein stark wachsender Kreditbestand, ein erheblicher Long/Short-Anteil und zugleich ein deutlich größerer Bestand an Kundenvermögen.
Mehr Trades bringen weniger Erlös je Geschäft
Schwabs Kunden führten durchschnittlich 10,7 Mio. Transaktionen pro Tag aus, 44 % mehr als im Vorjahresquartal. Der Handelsumsatz stieg um 16 % auf 1,158 Mrd. USD. Pro Trade sank der Umsatz dagegen von 2,11 USD auf 1,69 USD. Das sind 0,42 USD weniger beziehungsweise ein rechnerischer Rückgang um rund 19,9 %. Die zusätzliche Aktivität übersetzte sich somit nur teilweise in zusätzliche Handelserlöse.
Der Zusammenhang lässt sich anhand der Wachstumsraten nachvollziehen: Ein um 44 % höheres Volumen trifft auf einen um etwa 20 % niedrigeren Erlös je Transaktion. Zusammengenommen ergibt das überschlägig einen Zuwachs von rund 15 %, nahe am gemeldeten Handelsumsatzwachstum von 16 %. Mehr Transaktionen reichen also aus, um den geringeren Durchschnittserlös zu überkompensieren. Sie führen aber nicht zu einem gleich hohen prozentualen Umsatzanstieg.
Schwab kündigte zugleich Single-Stock-Futures auf der thinkorswim-Plattform und eine Erweiterung der digitalen Vermögenswerte in Schwab Crypto an. Hinzu kommen der KI-Assistent Charley und eine Kooperation mit Anthropic für Claude für Finanzberater. Diese Ankündigungen betreffen das Angebot für Kunden und Berater. In der Quartalsrechnung bleibt der Handelsumsatz mit rechnerisch rund 16,1 % des Nettoumsatzes deutlich kleiner als das Zinsgeschäft.
Für Aktionäre gehören außerdem die Kapitalzahlen zum Quartalsbild. Schwab kaufte 4,7 Mio. eigene Aktien für 0,5 Mrd. USD zurück. Der Rückkaufbetrag entsprach rechnerisch rund 17,2 % des GAAP-Nettogewinns von 2,906 Mrd. USD. Die vorläufige konsolidierte Tier-1-Leverage-Quote betrug 8,9 %, die bereinigte Quote 7,0 %. Damit stehen neben dem Wachstum bei Kundengeldern und Krediten auch konkrete Angaben zu Rückkäufen und Kapitalausstattung, ohne dass daraus eine Kaufempfehlung folgt.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Keiner der Autoren ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren investiert.
Häufige Fragen
Wie viel hat Charles Schwab im dritten Quartal 2026 verdient?
Der GAAP-Nettogewinn betrug 2,906 Mrd. USD beziehungsweise verwässert 1,62 USD je Aktie. Bereinigt erreichte Schwab 3,021 Mrd. USD Nettogewinn und 1,69 USD je Aktie.
Welcher Bereich liefert Charles Schwab die meisten Erlöse?
Der Nettozinsertrag war mit 3,476 Mrd. USD der größte Erlösbaustein. Er entsprach rechnerisch rund 48,5 % des Nettoumsatzes von 7,171 Mrd. USD.
Wie stark sind die Margin-Kredite gestiegen?
Die Margin-Kredite erreichten zum Quartalsende 187,9 Mrd. USD. Das waren 14 % mehr als im Vorquartal und 93 % mehr als im Vorjahresquartal. Davon entfielen 60,7 Mrd. USD auf Long/Short-Strategien.
Warum wächst der Handelsumsatz langsamer als die Zahl der Trades?
Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen stieg um 44 %, während der Umsatz je Trade von 2,11 USD auf 1,69 USD sank. Der Handelsumsatz nahm deshalb nur um 16 % auf 1,158 Mrd. USD zu.