Uber greift nach Delivery Hero: Analyst bestätigt Buy und Uber erwägt höhere Offerte

Uber Technologies Inc.

Kurzüberblick

Uber treibt die Übernahmegespräche mit der Berliner Delivery-Hero-Gruppe weiter voran. Am 26. Mai 2026 bekräftigte der Analyst Tom White von DA Davidson die Einstufung „Buy“ und nannte ein Kursziel von 107 US-Dollar. Hintergrund sind Berichte über eine erneute Eskalation des Angebotsstreits: Uber hatte Delivery Hero zuletzt mit 33 Euro je Aktie anvisiert, soll anschließend aber bei einzelnen Anteilseignern höhere Preisniveaus erkundet haben.

Während die Aktie von Uber im frühen Handel nachgab, blieb das Thema Deal-Logik und mögliche regulatorische Hürden im Fokus: Der Kurs lag zuletzt bei 62,02 Euro und damit 1,79 Prozent unter dem Vortag, die Jahresentwicklung betrug minus 10,78 Prozent. Parallel sorgen Arbeits- und Technikregulierung für zusätzlichen Kontext: In Massachusetts entstand die erste Fahrer-Gewerkschaft gemeinsam für Uber- und Lyft-Fahrer, und Großbritannien eröffnete Antragsverfahren für Robotaxi-Betriebe, an denen auch Uber beteiligt ist.

Marktanalyse & Details

Strategie: Übernahmepläne bei Delivery Hero

Delivery Hero gilt als einer der wenigen großen, multinationalen Player im Online-Lieferservice, der strategisch „in play“ sein könnte. Für Uber wäre das eine Möglichkeit, seine Marktplatz-Stärke in zentralen Wachstumsmärkten auszubauen und den europäischen Wettbewerb um Skaleneffekte zu verschärfen.

  • Uber hält laut Berichten eine Direktbeteiligung von 19,5 Prozent an Delivery Hero.
  • Zusätzlich soll Uber über Derivate eine weitere Beteiligung in Höhe von 5,6 Prozent aufgebaut haben.
  • Als Einstiegspreis wurde ein Angebot von 33 Euro je Aktie genannt; ein anderes berichtetes Angebot lag bei 38 Euro je Aktie.
  • Prosus zeigt Widerstand gegen die Offerte, während mehrere Delivery-Hero-Anteilseigner einen Preis oberhalb von 40 Euro je Aktie fordern.
  • In der Marktbetrachtung wird damit gerechnet, dass Uber je nach Reaktion des Marktes und der Anteilseigner das Angebot erneut anheben könnte.

Bewertung und erwartete operative Hebel

Die Argumentation der Befürworter stützt sich vor allem auf zwei Annahmen: Erstens eine angemessene Bewertung gemessen am erwarteten Unternehmenswert im Verhältnis zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Zweitens eine verbesserte Profitabilität über Zeit, falls Uber Delivery Hero integriert und Skaleneffekte über den Marktplatz hinweg realisiert.

In Analystenrechnungen wird ein Angebot von 38 Euro mit rund 11,5-fachem erwarteten EV/EBITDA bis 2027 eingeordnet; ein Angebot von 40 Euro entspräche etwa dem 12-fachen. Parallel wird erwartet, dass Delivery Hero in den kommenden Jahren ein Umsatzwachstum im Bereich von 10 bis 11 Prozent erzielt und die EBITDA-Margen relativ zur Gesamtwertschöpfung von ungefähr 1,8 Prozent auf etwa 2,2 Prozent steigert. Für die Einordnung ist auch relevant, dass Uber für den Delivery-Bereich zuletzt eine EBIT-Marge von 3,5 Prozent ausgewiesen haben soll.

Analysten-Einordnung

Dies deutet darauf hin, dass die Kaufargumentation weniger am kurzfristigen Schlagabtausch um den Angebotspreis hängt, sondern vor allem an der Frage, ob Uber die Integration zu einer belastbaren Renditeausweitung zusammenführen kann. Das bestätigte „Buy“ und das vergleichsweise hohe Kursziel wirken dabei wie eine Unterstützung für die mittelfristige Strategie: Die Kombination aus zusätzlicher International-Scale und potenziell stabileren Margenprofilen könnte den Deal für Uber wirtschaftlich attraktiv machen.

Für Anleger bedeutet diese Entwicklung jedoch auch: Die Kursfantasie bleibt an zwei große Unsicherheiten gekoppelt. Erstens ist ein höheres Gegenangebot wahrscheinlich, wenn Anteilseigner konsequent oberhalb von 40 Euro positionieren. Zweitens könnten Wettbewerbs- und Kartellbehörden eine erhebliche Prüfung auslösen, was Timing und Deal-Struktur beeinflussen kann. Solange diese Faktoren offen sind, kann der Markt trotz positiver Analystensignale schnell zwischen „Deal-Chance“ und „Regulatorisches Risiko“ umschichten.

Arbeitsmarkt- und Regulierungsrisiken bleiben ein Stimmungstreiber

Die neue Fahrer-Gewerkschaft in Massachusetts zeigt, wie stark Uber zusätzlich zu Tech- und Dealthemen mit arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen konfrontiert wird. Für den Konzern kann das mittelfristig Auswirkungen auf Kostenstruktur, Verhandlungen mit Fahrern und die öffentliche Wahrnehmung haben.

Gleichzeitig eröffnet Großbritannien durch Antragsverfahren für Robotaxi-Dienste weiteren Spielraum für regulatorisch freigegebene Tests und spätere Skalierung. Der Praxisnutzen hängt aber davon ab, wie schnell Betreiber Genehmigungen erhalten und welche Sicherheitsauflagen gelten.

Fazit & Ausblick

Der nächste Hebel liegt bei Uber: In den kommenden Wochen wird entscheidend sein, ob das Unternehmen das Angebot nachzieht und wie Delivery-Hero-Eigentümer darauf reagieren. Parallel bleibt die Frage nach den regulatorischen Hürden zentral, weil ein Deal in der Food-Delivery-Branche erfahrungsgemäß besonders genau geprüft wird. Für Uber-Fans und Anleger gilt damit: Der strategische „Flywheel“-Gedanke kann überzeugen, aber das Timing und der finale Preis bestimmen, ob sich die Renditefantasie tatsächlich materialisiert.

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