SpaceX-IPO: Rekordbewertung von 1,8 Billionen Dollar auf dem Prüfstand – Das müssen Anleger jetzt wissen
Kurzüberblick
SpaceX (SPCX) steht vor dem größten Börsengang der Geschichte: Am Freitag, den 12. Juni 2026, soll die Aktie des Raumfahrt- und KI-Unternehmens von Elon Musk unter dem Ticker SPCX an der Nasdaq und Nasdaq Texas starten. Das Unternehmen plant, 555,6 Millionen Aktien zu einem Festpreis von 135 Dollar auszugeben und damit rund 75 Milliarden Dollar einzunehmen. Die angestrebte Bewertung von etwa 1,77 Billionen Dollar würde SpaceX zum siebtgrößten börsennotierten US-Unternehmen machen. Die Nachfrage ist enorm: Institutionelle Anleger haben bereits Orders im Volumen von über 10 Milliarden Dollar platziert, sodass die Zeichnungsfrist für diesen Kreis bereits am Mittwoch endet. Privatanleger sollen bis zu 30 Prozent der Aktien erhalten können.
Doch die Euphorie wird von Skepsis begleitet. Kritiker verweisen auf fundamentale Risiken: SpaceX erwirtschaftete 2025 einen Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar, und die Bewertung (Kurs-Umsatz-Verhältnis von 94,5) übertrifft die von Tesla (16,7) bei weitem. Zudem ruhen große Hoffnungen auf dem unerprobten KI-Geschäft mit orbitalen Rechenzentren. Analysten warnen vor einem „Musk-Premium“, das sich nach dem Börsengang als nicht nachhaltig erweisen könnte.
Marktanalyse & Details
Bewertungsdebatte und „Musk-Premium“
Die SpaceX-Bewertung spaltet die Finanzwelt. Einerseits verweisen Befürworter auf Musks überragende Erfolgsbilanz – allen voran der Aufstieg Teslas vom Nischenhersteller zum wertvollsten Automobilkonzern. Für Manager wie John Plassard (Cité Gestion) ist ein Aufschlag von 20 bis 30 Prozent auf vergleichbare Wettbewerber gerechtfertigt, solange Musk das Unternehmen führt. Andererseits mahnen Kritiker, dass die hohen Erwartungen kaum mehr Spielraum für Enttäuschungen lassen.
Analysten-Einordnung: Ed O'Gorman von River Wealth Advisors bezeichnet die Fundamentaldaten als „wirklich schwierig“ und betont, dass der Börsengang nur aufgrund der hohen Erwartungen zustande komme. Morningstar-Analyst Nicolas Owens taxiert den fairen Wert von SpaceX auf nur 780 Milliarden Dollar – weniger als die Hälfte der angestrebten Bewertung. Dies deutet darauf hin, dass Anleger langfristig mit erheblichen Bewertungskorrekturen rechnen müssen.
KI-Ambitionen – Fluch und Segen
Ein zentraler Werttreiber ist das KI-Geschäft, das auf orbitalen Rechenzentren basiert – eine Technologie, die noch in den Kinderschuhen steckt. SpaceX hat kürzlich Cloud-Verträge mit Google (920 Millionen Dollar monatlich bis 2029) und Anthropic bekannt gegeben. Dennoch bleibt die Skepsis groß.
- PitchBook-Analyst Franco Granda: „Orbitale Rechenzentren sind völlig unbewiesen. Die Physik bleibt das größte Fragezeichen – wie bewertet man etwas, das man nicht sehen, testen oder mit Vergleichswerten untermauern kann?“
- Morningstar sieht auch Musks KI-Assistenten Grok (entwickelt von xAI) hinter OpenAI und Anthropic zurückfallen. In der Bewertung von Owens hat der KI-Bereich von SpaceX keinen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtbewertung.
IPO-Dynamik und historische Warnsignale
Der Markt für Börsengänge ist 2026 stark. Der durchschnittliche Ersttagskursgewinn liegt bei 15,2 Prozent. Doch die Geschichte großer IPOs ist warnend:
- Jefferies-Strategen belegen, dass Mega-IPOs (Bewertung über 10 Milliarden) in der ersten Woche im Schnitt 26,5 Prozent steigen, aber nach einem Jahr nur noch bei 3,5 Prozent liegen.
- Cerebras Systems, das im Mai 2026 mit einem Kursplus von knapp 70 Prozent startete, notiert inzwischen 25 Prozent unter seinem ersten Handelstag.
BCA Research warnt davor, dass die Welle von Mega-IPOs (SpaceX, OpenAI, Anthropic) die Marktrenditen dämpfen und Multiples bestehender KI-Gewinner verwässern könnte.
Merger-Phantasien zwischen SpaceX und Tesla
Ein Zusammenschluss von SpaceX und Tesla bleibt ein dominierendes Thema. Analysten sehen darin einen möglichen Katalysator, der Teslas Aktie in den letzten Wochen um 10 Prozent steigen ließ. Doch selbst Optimisten rechnen nicht vor Mitte 2027 mit einer Transaktion.
Analysten-Einordnung: Wolfe Research (Peerperform) sieht Tesla in einer „tricky spot“. Während das Kerngeschäft solide läuft, stützt der Großteil der Bewertung auf langfristigen Versprechungen zu Robotaxi, Optimus und KI. Für Anleger bedeutet dies: Eine mögliche Fusion könnte als Stimmungsindikator wirken, ersetzt aber keine operativen Fortschritte. „Tesla braucht Beweise für Robotaxi und Optimus, damit die Aktie nachhaltiges Momentum findet“, so die Analysten.
Fazit & Ausblick
Der SpaceX-IPO ist ein historisches Ereignis mit enormer medialer und emotionaler Anziehungskraft. Die kurzfristigen Gewinnchancen am ersten Handelstag sind real, doch die langfristigen Risiken sollten nicht unterschätzt werden. Die Bewertung setzt jahrelanges, fehlerfreies Wachstum voraus – insbesondere im unerprobten KI-Segment. Gleichzeitig könnte der Börsengang den Weg für eine spätere Fusion mit Tesla ebnen, was beiden Unternehmen zugutekäme. Nächste wichtige Termine sind die Preisfeststellung am 11. Juni und der Handelsstart am 12. Juni 2026. Für Anleger gilt: Wer zusteigt, sollte sich der hohen Volatilität und der Möglichkeit einer deutlichen Korrektur nach der ersten Euphorie bewusst sein.
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