SpaceX-Aktie: Wall Street hält Kursziele bis 800 Dollar trotz hoher Bewertungsrisiken fest

SpaceX

Kurzüberblick

  • Mehrere Investmentbanken halten ambitionierte SpaceX-Kursziele zwischen 200 und 800 US-Dollar je Aktie aufrecht.
  • Citigroup sieht 200 US-Dollar bis Jahresende und langfristig mehr als 900 US-Dollar je Aktie sowie eine mögliche Marktkapitalisierung von rund 12,2 Billionen US-Dollar.
  • Die SpaceX-Aktie fiel nach dem IPO-Hoch von 225 US-Dollar im Juni bis auf 104,83 US-Dollar im Juli und wurde zuletzt mit 141,50 US-Dollar bewertet.
  • Die Banken vereinnahmten beim Börsengang rund 500 Millionen US-Dollar Gebühren, was die Debatte über mögliche Interessenkonflikte in der Aktienanalyse verschärft.

Marktanalyse & Details

Extrem hohe Kursziele trotz volatiler Aktie

SpaceX ging zu 135 US-Dollar je Aktie an die Nasdaq und nahm dabei rund 75 Milliarden US-Dollar auf. Nach dem anfänglichen Höhenflug bis auf 225 US-Dollar im Juni folgte ein scharfer Rückgang auf 104,83 US-Dollar im Juli. Zuletzt wechselten die Titel bei 141,50 US-Dollar den Besitzer, was einer Marktkapitalisierung von etwa 1,9 Billionen US-Dollar entspricht.

Auch der beobachtete EUR-Kurs zeigt ein gemischtes Bild: Am 31. August 2026 notierte die SpaceX-Aktie bei 123,04 Euro und gewann im Tagesverlauf 1,23 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt sie jedoch 12,13 Prozent im Minus. Die kurzfristige Erholung ändert damit noch nichts an der hohen Schwankungsbreite und dem Abstand zum bisherigen Hoch.

Das erwarten die Banken

  • Deutsche Bank: Kursziel von 255 US-Dollar.
  • JPMorgan: 225 US-Dollar bis Dezember 2027.
  • Citigroup: 200 US-Dollar bis Ende 2026 und langfristig mehr als 900 US-Dollar.
  • Raymond James: 800 US-Dollar je Aktie.

Das ambitionierteste Szenario stammt von Raymond James. Die Bank rechnet für 2035 mit einem Jahresumsatz von 5,2 Billionen US-Dollar und einem freien Cashflow von 2,63 Billionen US-Dollar. Aus der Abzinsung dieser Cashflows ergab sich zunächst ein Wert von 896 US-Dollar je Aktie. Nach einem Risikoabschlag von zehn Prozent wurde daraus das Kursziel von 800 US-Dollar.

Citigroups langfristige Perspektive von mehr als 900 US-Dollar je Aktie würde eine Marktkapitalisierung von ungefähr 12,2 Billionen US-Dollar bedeuten. Damit müsste SpaceX seine heutige Größenordnung nicht nur ausbauen, sondern in eine Dimension vorstoßen, die weit über die bisherigen Bewertungsmaßstäbe großer Technologieunternehmen hinausgeht.

AI-Investitionen erhöhen Umsatzchance und Kapitalrisiko

Ein zentraler Treiber der optimistischen Modelle ist der Ausbau der künstlichen Intelligenz. Morgan Stanley erwartet, dass SpaceX in diesem Jahr rund 64 Milliarden US-Dollar für KI ausgibt. Das Unternehmen geht zugleich davon aus, die Investitionen innerhalb von weniger als einem Jahr refinanzieren zu können, und stellt für Ende 2026 einen annualisierten Umsatz von 100 Milliarden US-Dollar in Aussicht.

Diese Annahmen hängen jedoch teilweise von Rechenkapazitätsverträgen mit Unternehmen wie Anthropic und Google ab, die laut regulatorischen Unterlagen mit wenigen Monaten Vorlauf beendet werden könnten. Zudem ist offen, ob SpaceX mit eigenen KI-Modellen genügend Unternehmenskunden von etablierten Anbietern abwerben kann. Geplante KI-Rechenzentren im Weltraum dürften nach derzeitiger Einschätzung noch mehrere Jahre von einer breiten kommerziellen Nutzung entfernt sein.

Parallel will SpaceX offenbar Turbinenschaufeln und Leitschaufeln für Gasturbinen selbst gießen. Nach Aussage von Elon Musk könnte die Eigenfertigung den Start neuer Gasturbinen um bis zu 18 Monate beschleunigen. Die Pläne belasteten am Montag unter anderem Aktien von Zulieferern aus dem Turbinen- und Energiebereich und zeigen, wie weit SpaceX seine vertikale Integration inzwischen ausdehnen will.

Analysten-Einordnung: Kursziele sind keine unabhängige Marktmeinung

Die Kursziele liefern ein Bild vom langfristigen Potenzial, ersetzen aber keine belastbare Bewertung auf Basis bereits erzielter Gewinne und Cashflows. Dies deutet darauf hin, dass ein erheblicher Teil der SpaceX-Bewertung auf Erwartungen an KI, Satellitenkommunikation, Energieinfrastruktur und künftige Skaleneffekte entfällt.

Besonders wichtig ist der institutionelle Kontext: 22 Banken waren am Börsengang beteiligt und teilten sich laut regulatorischen Unterlagen Gebühren von rund 500 Millionen US-Dollar. Mehrere dieser Institute veröffentlichen nun weiterhin sehr optimistische Kursziele. Nach den vorliegenden Analystenübersichten sind rund 75 Prozent der Beobachter bullish.

Das beweist keine falsche oder manipulierte Analyse. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung jedoch, dass Research-Berichte von Banken mit Geschäftsbeziehungen zum Unternehmen besonders kritisch gelesen werden sollten. Optimistische Einschätzungen können den Zugang zum Management erleichtern und die Position der Bank bei künftigen Kapitalmarktgeschäften stärken. Entscheidend sind daher nicht nur die Zielkurse, sondern auch die Annahmen zu Umsatzwachstum, Investitionsbedarf, Vertragslaufzeiten und freiem Cashflow.

Fazit & Ausblick

Die SpaceX-Aktie bleibt eine Wette auf außergewöhnliches Wachstum. Kurzfristig dürften die Umsetzung der KI-Investitionen, die Entwicklung des annualisierten Umsatzes und die Stabilisierung nach dem Kursrutsch im Mittelpunkt stehen. Als konkrete Bewertungsmarken dienen Citigroups Ziel von 200 US-Dollar bis Ende 2026 und JPMorgans Perspektive von 225 US-Dollar bis Dezember 2027. Ob die langfristigen Szenarien von 800 bis mehr als 900 US-Dollar realistisch sind, hängt vor allem davon ab, ob SpaceX seine hohen Investitionen tatsächlich in nachhaltigen Cashflow umwandeln kann.

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