Salesforce übertrifft Q2-Erwartungen, hebt FY27-Prognose an und baut Anthropic-Allianz aus
Kurzüberblick
- Salesforce steigerte den Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 11 Prozent auf 11,35 Mrd. USD und übertraf damit die Schätzung von 11,33 Mrd. USD.
- Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 5,90 USD gegenüber erwarteten 3,27 USD; ein Bewertungsgewinn aus der Anthropic-Beteiligung war ein wesentlicher Treiber.
- Salesforce stellt für das dritte Quartal 11,42 bis 11,50 Mrd. USD Umsatz und für das Gesamtjahr 46,1 bis 46,4 Mrd. USD in Aussicht.
- Mit Claudeforce integriert Salesforce Anthropics Claude tiefer in CRM-, Daten- und Workflow-Prozesse.
Marktanalyse & Details
Quartalszahlen übertreffen Erwartungen
Salesforce hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 11,35 Mrd. USD erzielt. Das entspricht einem Wachstum von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt leicht über der Markterwartung von 11,33 Mrd. USD.
Beim bereinigten Ergebnis je Aktie meldete der Softwarekonzern 5,90 USD nach 3,27 USD erwarteten Gewinn je Aktie. Der außergewöhnlich große Abstand ist allerdings nur teilweise auf das operative Geschäft zurückzuführen: Ein nicht realisierter Bewertungsgewinn aus der strategischen Beteiligung an Anthropic erhöhte das Ergebnis deutlich. Ohne diesen Effekt hätte das bereinigte EPS bei 3,37 USD gelegen und die Schätzung weiterhin übertroffen.
- Der GAAP-Nettogewinn stieg von 1,887 Mrd. USD im Vorjahr auf 3,526 Mrd. USD.
- Die verbleibenden vertraglichen Leistungsverpflichtungen erreichten 33,5 Mrd. USD und wuchsen um 14 Prozent.
- Der jährliche wiederkehrende Umsatz aus Agentforce und Data 360 lag bei knapp 3,9 Mrd. USD, mehr als 210 Prozent über dem Vorjahreswert.
KI-Produkte verbessern die Wachstumsperspektive
Salesforce zufolge wurden über Agentforce und Slack bislang mehr als 7 Mrd. KI-Arbeitseinheiten verarbeitet. Allein im zweiten Quartal entfielen 3,2 Mrd. Einheiten auf die Plattform. Das Unternehmen sieht darin einen Hinweis darauf, dass der steigende KI-Einsatz nicht nur bestehende Arbeitsabläufe automatisiert, sondern auch das Wachstum der Kernprodukte und der Nutzerbasis unterstützt.
Zusätzliche Unterstützung erhält die Wachstumsstory durch den Auftragseingang. Der Wert der neu gewonnenen jährlichen Aufträge entwickelte sich laut Salesforce so stark wie seit vier Jahren nicht mehr. Zusammen mit dem beschleunigten Wachstum der vertraglich gesicherten Umsätze deutet dies auf eine bessere Umsatzsichtbarkeit in den kommenden Quartalen hin.
Claudeforce vertieft Zusammenarbeit mit Anthropic
Im Zentrum der strategischen Entwicklung steht Claudeforce, eine ausgeweitete Partnerschaft zwischen Salesforce und Anthropic. Claude soll direkt mit Salesforce-Daten, Geschäftslogik, Workflows und kontrollierten Aktionen verbunden werden. Der Start umfasst Salesforce in Claude, ein Plugin mit 37 vorgefertigten Vertriebsfunktionen, mit denen Nutzer unter anderem Umsatzdaten analysieren und Pipeline-Aktualisierungen automatisieren können.
Geplant sind weitere Integrationen zwischen Claude, Salesforce und Slack. Salesforce positioniert dabei seine AIforce-Infrastruktur als Kontrollschicht für Unternehmensdaten und Zugriffsrechte. Der strategische Ansatz soll den Nutzen generativer KI mit den Governance- und Sicherheitsanforderungen großer Unternehmenskunden verbinden.
Marktreaktion und Analysten-Einordnung
In der nachbörslichen Reaktion legte die Salesforce-Aktie zunächst rund 13 bis 14 Prozent zu. Die bereitgestellte Euro-Notierung zeigte am 27. August um 14:32 Uhr dagegen einen Kurs von 194,50 Euro und ein Tagesminus von 2,3 Prozent. Die Abweichung erklärt sich durch unterschiedliche Handelsplätze und Zeitfenster. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie weiterhin 14,11 Prozent im Minus.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der Markt neben dem einmaligen Ergebniseffekt vor allem die Kombination aus wachsendem KI-Umsatz, verbessertem Auftragseingang und höherer Umsatzvisibilität honoriert. Der bereinigte EPS-Sprung auf 5,90 USD darf jedoch nicht als vollständig wiederkehrende operative Ertragskraft bewertet werden, weil der Anthropic-Bewertungsgewinn darin eine wichtige Rolle spielte. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die entscheidende Frage nun in der nachhaltigen Monetarisierung von Agentforce, Data 360 und Claudeforce liegt. Salesforce muss zeigen, dass die hohe KI-Nutzung in dauerhaftes Umsatzwachstum und stabile Margen übergeht, ohne das etablierte Sitzplatzgeschäft zu kannibalisieren.
Fazit & Ausblick
Salesforce geht mit einem über den Erwartungen liegenden Umsatz-Ausblick für das dritte Quartal und einer angehobenen Gesamtjahresprognose in die zweite Hälfte des Geschäftsjahres. Der nächste wichtige Prüfpunkt wird sein, ob das prognostizierte Umsatzwachstum von 11,42 bis 11,50 Mrd. USD mit einem weiteren Anstieg des vertraglichen Auftragsbestands und der KI-Erlöse einhergeht. Erst dann lässt sich beurteilen, ob die aktuelle Erholung der Aktie fundamental nachhaltig ist.
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