ResMed im Fokus: Goldman sieht 75% Upside – Morgan Stanley senkt auf Equal Weight
Kurzüberblick
ResMed steht Anfang der Woche einmal mehr im Spannungsfeld widersprüchlicher Analysten-Einschätzungen: Goldman Sachs bekräftigte die Kaufempfehlung und verwies auf einen möglichen Re-Rating-Effekt. Konkret sieht die Bank einen Kursspielraum von 75% gegenüber dem eigenen Kursziel. Morgan Stanley dagegen stufte die Aktie von Overweight auf Equal Weight zurück und kürzte zugleich das Kursziel.
Im Kern drehen sich die Debatten um zwei zentrale Unsicherheiten für die Bewertung: erstens mögliche Auswirkungen von GLP-1-basierten Therapien auf neue Patientenstarts in der Schlafapnoe (OSA) und zweitens die Frage, ob der Wettbewerber Philips im US-Markt erneut stärker in Erscheinung tritt (FY27). Für Anleger kommt hinzu, dass ResMed an der Börse zuletzt zwar moderat zulegte, die Jahresentwicklung aber klar im Minus steht: Der Kurs liegt bei 163,75 EUR (+0,43% tagesaktuell), YTD bei -21,46%.
Marktanalyse & Details
Rating-Entscheidungen: Re-Rating vs. Vorsicht bei der Near-Term-Ertragsstory
Goldman Sachs hält an der Buy-Einschätzung fest und argumentiert, dass die Wachstumstreiber, die ResMed in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, das Unternehmen besser durch die zwei größten Bewertungsrisiken führen könnten. Gleichzeitig hebt die Bank die Ergebnisannahmen an: FY27-EPS um (1%) und FY28-EPS um (2%); damit liegen die Werte laut Studie (3%) bzw. (8%) über dem Konsens.
Morgan Stanley bremst dagegen die Erwartung an die kurzfristige Ergebnisdynamik. Der Analyst verwies auf den bisherigen Margentrend, sieht aber für die Zukunft begrenztere Spielräume: Zwar stiegen die Non-GAAP-Bruttomargen von einem Tief bei 55,8% (4Q23) auf 62,8% (3Q26), doch sprechen Hinweise von Komponentenlieferanten für Preissteigerungen. Zudem könnten FX-Effekte im Zeitverlauf zusätzlichen Gegenwind liefern.
Wachstumstreiber, die Goldman als „unterbewertet“ ansieht
Goldman nennt mehrere Hebel, die laut Einschätzung bislang zu wenig im Kurs eingepreist sind:
- Partnerschaft mit Oura: Zugang zu mehr als 5 Mio. zahlenden Oura-Ring-Mitgliedern. Das soll den OSA-Diagnose-„Funnel“ stärken sowie Masken-Nachbestellungen und den Absatz von AirMini antreiben.
- AirMini: Der cash-pay Travel CPAP (Preis > 1.000 USD) zeigt nach erhöhtem Marketing-Budget laut Bank Momentum und signalisiert latente Nachfrage im privaten Pay-Segment.
- AirCurve 11 ST (non-invasive Ventilation): Goldman sieht hier einen potenziellen Beitrag, gestützt durch CMS-Reimbursement-Änderungen, und nennt ein initiales adressierbares Marktpotenzial von rund 5 Mio. Patienten mit Überschneidungssyndromen.
- Noctrix-Übernahme: Nach Abschluss der Akquisition für 340 Mio. USD im Juni 2026 erwartet Goldman Wachstum durch ein medikamentenfreies Device für Restless-Legs-Syndrom. Die US-Zielpopulation beziffert die Bank auf rund 1,7 Mio. „refractory patients“.
- Netzwerk-Upgrade-Zyklen außerhalb der USA: In Frankreich steht die Abschaltung des 3G-Netzes an, was voraussichtlich Geräte-Upgrades nach sich zieht (ähnlich wie der Fleet-Refresh in Japan).
Zentrale Gegenargumente: GLP-1-Risiko und Philips-Wettbewerbsdruck
Goldman bleibt bei der These, dass GLP-1 nicht automatisch zu weniger Nachfrage nach CPAP führen muss. Als Gegenpunkt verweist die Bank auf neue klinische Leitplanken: Eli Lilly soll im zweiten Halbjahr 2026 den FDA-Zulassungsprozess für Retatrutid im Kontext obstruktiver Schlafapnoe anstoßen. Die Einschätzung lautet dabei: Kombinationstherapien aus CPAP plus GLP-1 dürften sich als bevorzugter Ansatz etablieren.
Morgan Stanley sieht das anders, zumindest für die unmittelbare Ergebnisphase: Die Erwartung basiert auf der Annahme, dass Philips im US-Gerätemarkt 2027 wieder relevanter wird. Zusätzlich werden die operativen Rahmenbedingungen enger interpretiert, weil Margen zwar bereits gestiegen sind, aber Preis- und FX-Druck mittelfristig „eingepreist werden müssen“.
Analysten-Einordnung
Die gegensätzlichen Bewertungen zeigen vor allem, wie stark die Marktlogik bei ResMed derzeit an zwei Trigger geknüpft ist: der tatsächlichen Entwicklung der OSA-Neustarts im Kontext GLP-1 sowie der Wettbewerbsintensität, falls Philips im US-PAP-Markt wieder stärker angreift. Für Anleger bedeutet das: Ein Re-Rating ist dann wahrscheinlicher, wenn sich die Kombinationstherapie-These bestätigt und gleichzeitig die Diversifizierung über Oura, AirMini sowie neue Gerätekategorien (Ventilation, Noctrix) die Wachstumslücke schließt. Gleichzeitig mahnt die Morgan-Stanley-Argumentation zur Vorsicht, weil selbst bei guten Produkten die Margenqualität durch Komponentenpreise und Währung in der Nähe des Konsens schnell aus dem Takt geraten kann. Kurz: Der Kurs kann je Quartal „zwischen Wachstumssignal und Kosten-/Wettbewerksrisiko“ stark pendeln.
Einordnung der Bewertungslogik
Goldman verweist auf einen Abschlag in der Bewertung: ResMed handele etwa 200 Basispunkte unter dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von globalen MedTech-Peers. Die Bank hält diesen Discount für nicht gerechtfertigt, sofern die Wachstumserzählung durch Oura/AirMini und die neuen Produkt- bzw. Akquisitionshebel weiter greift. Morgan Stanley rechtfertigt dagegen die konservativere Haltung über angepasste Annahmen für FY27.
Bei Morgan Stanley stehen für FY27E NPAT 1.704 Mio. USD im Modell (plus 5% YoY), allerdings 4% unter dem jeweiligen Konsens. Die Bruttomargen sollen FY27E YoY stabil bei 62,4% liegen (gegenüber 62,8% beim Konsens).
Fazit & Ausblick
ResMed bleibt ein „Data-Dependent“-Investment: Goldman setzt auf eine mögliche Neubewertung, weil die Wachstumstreiber die GLP-1- und Wettbewerbsrisiken abfedern könnten. Morgan Stanley hält dagegen die Near-Term-Visibilität für begrenzt. Für die nächsten Schritte entscheiden voraussichtlich drei Themenblöcke: Fortschritte bei der klinischen/Regulatorischen Linie rund um GLP-1 in OSA (einschließlich möglicher FDA-Meilensteine im 2. Halbjahr 2026), die beobachtbare Entwicklung der Diagnose- und Nachfragesignale über Oura sowie die Frage, wie stark Philips als Wettbewerbsfaktor ab FY27 wahrnehmbar wird.
Für Anleger dürfte damit besonders wichtig sein, in den kommenden Quartalsberichten auf Kennzahlen zu Masken-Nachbestellungen, AirMini-Absatzdynamik und den Ergebnisbeitrag der jüngeren Produkt- und Akquisitionsschritte zu achten.
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