pferdewetten.de steigt nach Q1-Turnaround: Kursziel auf 3,00 EUR gesenkt – Halten bestätigt
Kurzüberblick
Die pferdewetten.de AG hat mit dem ersten Quartal 2026 einen deutlichen operativen Turnaround geliefert: Der Umsatz legte spürbar zu, zugleich drehte das Ergebnis von Verlust in den positiven Bereich. Parallel dazu sorgte ein aktuelles Research-Update für Bewegung in der Aktie: Am 13.05.2026 notierte das Papier bei 2,92 EUR und damit 8,15% über dem Vortag – getragen von der Hoffnung auf einen Neustart.
Die zentralen Treiber liegen in einer Verbesserung der Profitabilität vor allem in den Segmenten Pferdewette sowie Sport im Zusammenspiel von Kostendruck und Neuausrichtung. Ausschlaggebend für das Timing der weiteren Neubewertung bleiben jedoch offene Restrukturierungs- und Refinanzierungsdetails, die bereits den testierten Jahresabschluss 2024 begleitet haben.
Marktanalyse & Details
Q1/2026: Umsatzplus und Ergebniswende
Für das erste Quartal 2026 meldet die Gesellschaft einen Umsatzanstieg um 17% auf 16,58 Mio. EUR. Auf der Ergebniszeile gelang der Sprung: Das EBITDA stieg von minus 1,61 Mio. EUR auf plus 1,11 Mio. EUR; das EBIT drehte von minus 2,35 Mio. EUR auf ein positives Ergebnis von 277 TEUR.
- Pferdewette: Umsatz von 1,83 Mio. EUR auf 3,15 Mio. EUR, EBITDA von minus 0,10 Mio. EUR auf 1,86 Mio. EUR.
- Retail: Umsatzplus von 11,67 Mio. EUR auf 12,56 Mio. EUR; EBITDA von minus 0,28 Mio. EUR auf 0,20 Mio. EUR.
- Online: Umsatzanstieg von 679 TEUR auf 871 TEUR; EBITDA von minus 0,13 Mio. EUR auf 0,22 Mio. EUR.
Dass der Turnaround in beiden Sportgeschäftsfeldern sichtbar wird, aber der Kostensprung nicht „über Nacht“ entsteht, passt zum Bild einer Restrukturierung mit Übergangsaufwand: Online profitiert, Retail steht weiterhin unter Steuerungs- und Übernahmeeffekten.
Jahresabschluss 2024: Testat mit Einschränkungen als Kernrisiko
Im Hintergrund der positiven Q1-Zahlen steht ein operatives und bilanzielles Brennglas: Der testierte Jahresabschluss 2024 wurde zwar veröffentlicht, aber mit Einschränkungen versehen. Der Grund liegt vor allem in stark ermessensabhängigen Wertberichtigungen.
- Wertberichtigungen auf geleistete Anzahlungen im Kontext des nicht vollzogenen Erwerbs von 30% an Retail-Shops beliefen sich auf 6,4 Mio. EUR.
- Forderungswertberichtigungen gegenüber Franchisenehmern und Geschäftspartnern belasteten mit 3,3 Mio. EUR.
- Zudem wirkte eine Wertberichtigung auf aktive latente Steuern auf Verlustvorträge in Höhe von 3,3 Mio. EUR.
Für Anleger ist entscheidend: Diese Positionen sind laut Research-Argumentation in hohem Maß ermessensabhängig und damit schwerer von außen zu verifizieren. Genau diese Unsicherheit erklärt auch, warum der Markt die Ergebniswende zwar feiert, aber das vollständige Bewertungs-„Upside“ noch nicht durchzieht.
Restrukturierung & Refinanzierung: Konditionen besser – Einigung steht noch aus
Ein zentraler Bestandteil des Restrukturierungsfahrplans ist die Refinanzierung. Die Gläubigerversammlungen beider Wandelanleihen haben der Restrukturierung bereits zugestimmt: Die Laufzeit wird bis 2029 verlängert, der Wandlungspreis auf 3,50 EUR gesenkt und der Kupon zunächst auf 2,5% p.a. reduziert; ab 2027 kommt ein Step-up auf 3,75% und ab 2028 auf 5,0%.
Offen ist derzeit die Einigung mit den Darlehensgebern. Geplant ist, einen Teil der Verbindlichkeiten in Höhe von 8,8 Mio. EUR, darunter 5,4 Mio. EUR inklusive Zinsen und Vorfälligkeitsentschädigungen, gegen Sacheinlage in eine neue Wandelanleihe einzubringen. Diese soll das aktuell mögliche bedingte Kapital vollständig ausschöpfen und insgesamt maximal 6,6 Mio. EUR betragen; daraus könnten dem Unternehmen bis zu 1,1 Mio. EUR an Barmitteln zufließen.
Analysten-Einordnung
Die Senkung des Kursziels trotz klarer Verbesserungen im Q1 deutet darauf hin, dass Analysten das Risiko vor allem in der Umsetzungsqualität der Restrukturierung verorten – nicht in der kurzfristigen Ertragswende. Das Beta wurde auf 1,8 angehoben, was für Anleger bedeutet: Selbst bei Fortschritten bleibt die Ergebnissicht im Retail-Geschäft vorerst volatil und mit höheren Schwankungen behaftet.
Gleichzeitig stützt die bestätigte Guidance die Story: In Q1 gelang bereits der Turnaround bei Umsatz und Ergebnis, und die Gesellschaft will in 2026 ein EBITDA von 5 bis 10 Mio. EUR erreichen. Für die Bewertung bleibt aber entscheidend, ob offene Punkte wie Refinanzierungs- und Shop-Themen tatsächlich zeitnah geschlossen werden.
Guidance 2025/2026 und Unternehmensschritte
Für 2025 bestätigt der Vorstand den Umsatzrekord-Rahmen von rund 55 bis 57 Mio. EUR sowie eine EBITDA-Guidance von plus 0,7 bis 1,2 Mio. EUR. Für 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 70 bis 80 Mio. EUR und ein EBITDA von 5 bis 10 Mio. EUR.
In den kommenden Monaten stehen zudem organisatorische Weichenstellungen im Fokus: Der neue CEO Christian Gruber ist seit 1. März im Amt, während der langjährige CEO Pierre Hofer Anfang April aus Compliance-Gründen abberufen wurde. Ziel ist, das Retail-Geschäft nachhaltig profitabel auszurichten.
Fazit & Ausblick
Der Turnaround im ersten Quartal 2026 liefert einen belastbaren operativen Beleg für die Neuausrichtung. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung ist jedoch, ob die Refinanzierung final abgeschlossen und die Restrukturierung in den ausstehenden Punkten – inklusive der Retail-Themen – planmäßig beendet wird. Für Anleger bedeutet das: Positive Ergebniszahlen sind ein wichtiger Start, die mittelfristige Bewertung hängt aber an der Umsetzung.
- Nächster Termin: Hauptversammlung am 29. Mai 2026 in Düsseldorf mit Vorlage des Jahresabschlusses 2024.
- Danach im Blick: Stand der Refinanzierungs-Einigung sowie Fortentwicklung der Guidance in den kommenden Monaten.
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