Oracle-Aktie vor Quartalszahlen: KI-Cloud treibt Erwartungen, doch die Finanzierung bleibt heikel

Oracle Corp AI Generated

Kurzüberblick

  • Oracle veröffentlicht am 10. September nach US-Börsenschluss die Ergebnisse für das August-Quartal.
  • Analysten erwarten für Oracle Cloud Infrastructure ein Wachstum von rund 63 Prozent und damit das obere Ende der Unternehmensprognose.
  • Der Ausbau der KI-Rechenzentren erhöht jedoch den Kapitalbedarf: Für das Geschäftsjahr 2027 plant Oracle Investitionen von 95 Mrd. US-Dollar.
  • Die EU-Kommission sammelt Informationen zu Oracles Lizenzpraktiken, spricht derzeit aber noch nicht von einer formellen Untersuchung.

Marktanalyse & Details

Quartalszahlen werden zum Test für das Cloud-Narrativ

Oracle steht vor einem wichtigen Belastungstest für seine KI- und Cloud-Strategie. Der Konzern legt den Bericht für das August-Quartal am Donnerstag, 10. September, nach dem Ende des US-Handels vor. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von Oracle Cloud Infrastructure, kurz OCI, sowie die Frage, ob das starke Wachstum den hohen Investitionsaufwand zunehmend rechtfertigt.

Morgan-Stanley-Analyst Sanjit Singh erwartet für das Cloud-Geschäft ein Wachstum von 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit läge Oracle am oberen Ende der eigenen Prognosespanne von 58 bis 65 Prozent. Als möglicher Treiber gilt das GPU-as-a-Service-Geschäft, mit dem Oracle Rechenleistung für Anwendungen der künstlichen Intelligenz vermietet.

  • Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur könnte Oracle höhere Preise für Rechenkapazität ermöglichen.
  • Das Wachstum der abgegrenzten Umsätze im Cloud-Anwendungsbereich übertraf zuletzt zwei Quartale in Folge das Wachstum der ausgewiesenen Erlöse.
  • Beschleunigte NetSuite-Buchungen und eine Rückkehr von Cerner zu Wachstum könnten zusätzliche Impulse im Softwaregeschäft liefern.

KI-Ausbau belastet Finanzierung und Margen

Der zentrale Gegenpol zum Cloud-Wachstum sind die Kosten des Ausbaus. Oracle plant im Geschäftsjahr 2027 Investitionen von 95 Mrd. US-Dollar, vor allem für Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Im Geschäftsjahr 2026 nahm der Konzern bereits 43 Mrd. US-Dollar an Fremdfinanzierung auf. Für das Geschäftsjahr 2027 sind rund 40 Mrd. US-Dollar über eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital vorgesehen.

Investoren beobachten deshalb genau, wie schnell Oracles verbleibende Leistungsverpflichtungen von rund 638 Mrd. US-Dollar in tatsächliche Umsätze und freien Cashflow umgewandelt werden. Verzögerungen beim Bau von Rechenzentren könnten den zeitlichen Abstand zwischen Auftragseingang und Umsatz verlängern. Zudem weist OCI eine niedrigere Bruttomarge als etablierte Softwareprodukte auf, was den Margenmix zunächst belasten kann.

Bernstein erwartet gleichzeitig, dass der wachsende Anteil von Cloud- und Software-as-a-Service-Produkten langfristig die Bedeutung schrumpfender Lizenzbereiche überlagert. Auch eine Verlagerung von Hardwarekunden in die Cloud könnte die Profitabilität verbessern, obwohl der Hardwareumsatz zuletzt noch um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte. Das margenschwache Servicegeschäft wuchs um etwa 10 Prozent, bleibt für die Investmentthese aber von untergeordneter Bedeutung.

Analysten-Einordnung

Analysten-Einordnung: Bernstein bewertet Oracle mit „Outperform“ und nennt ein Kursziel von 325 US-Dollar. Die Investmentthese beruht darauf, dass Oracle sich noch am Anfang eines großen Investitionszyklus befindet und der zusätzliche Finanzierungsbedarf bald seinen Höhepunkt erreichen könnte. Morgan Stanley stuft die Aktie zwar nur neutral ein, sieht vor den Quartalszahlen aber ein attraktives taktisches Setup und Raum für moderate Anhebungen der Umsatz- und Gewinnprognosen.

Dies deutet darauf hin, dass die anstehende Reaktion der Aktie weniger vom Cloud-Wachstum allein als von dessen Qualität abhängen dürfte. Entscheidend sind die Umwandlung von Aufträgen in Umsatz, der freie Cashflow und die Fähigkeit, den Rechenzentrenausbau ohne dauerhaft steigende Verschuldung zu finanzieren. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass ein starkes OCI-Ergebnis zwar eine Neubewertung auslösen kann, ein enttäuschender Ausblick auf Investitionen, Margen oder Liefertermine aber ebenso schnell neuen Verkaufsdruck erzeugen könnte.

Regulatorische und operative Risiken bleiben bestehen

Zusätzliche Unsicherheit ergibt sich aus der Prüfung von Oracles Lizenzpraktiken durch europäische Wettbewerbsbehörden. Die EU-Kommission holt dazu Informationen von Drittparteien ein. Nach aktuellem Stand gibt es jedoch keine formelle Untersuchung gegen Oracle.

Auf der operativen Seite baut Oracle sein Infrastruktur-Ökosystem weiter aus. Eine vertiefte Zusammenarbeit mit HPE soll die Vernetzung der KI-Rechenzentren stärken. Zudem ermöglicht ein neuer FastConnect-Zugang in San Jose Kunden von CoreSite den direkten Zugang zu einer weiteren OCI-Region; damit sind Verbindungen zu vier kommerziellen OCI-Regionen in den USA verfügbar. Diese Schritte verbessern die technische Skalierbarkeit, lösen aber nicht automatisch die Fragen zu Kapitalbedarf und Cashflow.

Fazit & Ausblick

Der wichtigste Termin ist der Quartalsbericht am 10. September nach Börsenschluss. Der Markt dürfte insbesondere auf OCI-Wachstum, abgegrenzte Umsätze, Buchungen, Margen, Investitionsausgaben und den Finanzierungsausblick achten. Am selben Tag stehen zudem US-Inflationsdaten auf Produzentenebene an, bevor am 11. September der Verbraucherpreisindex folgt. Die US-Notenbank entscheidet am 15. und 16. September über den Leitzins. Die zuletzt erfasste Oracle-Notierung lag am 4. September bei 136,80 Euro und damit 17,65 Prozent unter dem Jahresanfang. Ein überzeugender Cloud-Ausblick könnte diese Skepsis reduzieren, während schwache Cashflow- oder Finanzierungsdaten die hohe Volatilität der Aktie verstärken dürften.

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