NVIDIA legt Quartalszahlen vor: Umsatzrekord erwartet, Margen- und Kartellrisiken im Fokus
Kurzüberblick
- NVIDIA veröffentlicht am 26. August nach Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal; der Markt erwartet 2,09 USD bereinigten Gewinn je Aktie und 92,3 Mrd. USD Umsatz.
- Einige Analysten rechnen sogar mit bis zu 95 Mrd. USD Umsatz und damit deutlich mehr als der NVIDIA-Ausblick von 91 Mrd. USD.
- Im Mittelpunkt stehen die Bruttomarge von rund 75 Prozent, der Zeitplan für Vera-Rubin-Systeme sowie die Nachfrage aus China und von großen Rechenzentrumsbetreibern.
- US-Kartellwächter Andrew Ferguson kritisierte stark gestiegene Chippreise und stellte mögliche kartellrechtliche Schritte in Aussicht; NVIDIA soll für 2027 Preiserhöhungen von mindestens 15 Prozent vorbereiten.
Marktanalyse & Details
Quartalszahlen setzen die Messlatte hoch
Die NVIDIA-Aktie steht unmittelbar vor einem der wichtigsten Ereignisse der laufenden Berichtssaison. Für das zweite Quartal erwarten Analysten einen bereinigten Gewinn je Aktie von 2,09 USD und einen Umsatz von 92,3 Mrd. USD. Damit würden sich beide Kennzahlen im Jahresvergleich ungefähr verdoppeln.
Die Prognosen der Analystenhäuser Jefferies und Stifel reichen beim Umsatz sogar bis 95 Mrd. USD. Das liegt klar über der eigenen NVIDIA-Prognose von 91 Mrd. USD. Ein Umsatz über dem Konsens wäre deshalb zwar positiv, dürfte allein aber kaum für eine nachhaltige Überraschung sorgen. NVIDIA hat in den vergangenen acht Quartalen die zentralen Markterwartungen übertroffen, dennoch fiel die Aktie in sechs Fällen am Folgetag.
Der Kurs notiert an der Lang & Schwarz Exchange bei 181,48 Euro und liegt am Mittwoch 0,75 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn steht weiterhin ein Plus von 13,26 Prozent zu Buche. Die jüngste Schwächephase zeigt, wie hoch die Anforderungen an den weltweiten Marktführer für KI-Beschleuniger inzwischen sind.
Marge und Vera Rubin entscheiden über den Ausblick
Für Anleger ist die Bruttomarge der wichtigste Prüfstein neben Umsatz und Gewinn. Sie liegt derzeit bei rund 75 Prozent. Steigende Speicherpreise, höhere Kosten in der Lieferkette und der zunehmende Wettbewerb durch kundenspezifische KI-Chips könnten NVIDIA jedoch zwingen, einen größeren Teil der Kosten selbst zu tragen.
Berichten zufolge stellt NVIDIA seine größten Kunden bereits auf Preiserhöhungen von mindestens 15 Prozent im kommenden Jahr ein. Das könnte die starke Preissetzungsmacht des Konzerns bestätigen. Gleichzeitig steigt aber das Risiko, dass Hyperscaler wie Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta ihre eigenen Chips schneller einsetzen oder Bestellungen stärker diversifizieren.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Zeitplan für die nächste Plattformgeneration Vera Rubin. Erste Server könnten im dritten oder vierten Quartal ausgeliefert werden. Pünktliche Lieferungen würden Vertrauen zurückgewinnen, nachdem sich die Einführung der Blackwell-Chips zuvor wegen technischer Anpassungen verzögert hatte.
Finanzierung, China und politische Gegenreaktion
NVIDIA weitet sein Engagement inzwischen über die reine Chipproduktion hinaus aus. Finanzierungsprogramme für KI-Infrastruktur und die Unterstützung großer Rechenzentrumsprojekte sollen den Ausbau der Nachfrage sichern. Diese Strategie kann den Absatz beschleunigen, erhöht aber auch die Abhängigkeit des Konzerns vom weiteren Wachstum des KI-Rechenzentrumsmarktes.
Besonders kritisch bleibt die Finanzierung der Investitionen. Die großen Cloud-Anbieter planen in diesem Jahr zusammen mehr als 700 Mrd. USD für neue KI-Rechenzentren und greifen dafür zunehmend auf Fremd- und Eigenkapital zurück. Sollte sich das Wachstum der KI-Nachfrage abkühlen, könnte die stärkere finanzielle Verflechtung von NVIDIA mit Infrastrukturprojekten zum Belastungsfaktor werden.
Zusätzlichen Druck erzeugen die China-Aussichten, der Wettbewerb durch AMD und neue Chipanbieter sowie der politische Widerstand gegen große Rechenzentren. Die Äußerungen des FTC-Vorsitzenden zu den stark gestiegenen Chippreisen markieren dabei zunächst politischen Druck und nicht den Beginn eines bestätigten Kartellverfahrens. Für NVIDIA steigt dennoch das regulatorische Risiko, falls Preiserhöhungen als Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung interpretiert werden.
Optionsmarkt signalisiert geringe, aber nicht geringe Bedeutung
Am Optionsmarkt wird derzeit eine Kursbewegung von etwa 5,4 Prozent nach den Zahlen eingepreist. Das ist die niedrigste implizierte Reaktion vor NVIDIA-Zahlen seit August 2021. Der Markt erwartet damit offenbar keine extremere Überraschung als in früheren Quartalen. Wegen der hohen Gewichtung von NVIDIA in den großen US-Indizes bleibt die Veröffentlichung dennoch ein Signal für den gesamten KI- und Technologiemarkt.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Anleger nicht mehr nur auf einen Umsatz- oder EPS-Übertreffer warten, sondern auf die Qualität des Wachstums. Entscheidend ist, ob NVIDIA trotz steigender Speicher- und Infrastrukturkosten die Marge stabil halten und zugleich einen belastbaren Ausblick für Vera Rubin sowie die Nachfrage im kommenden Jahr geben kann. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass selbst starke Quartalszahlen zu Gewinnmitnahmen führen könnten, wenn die Prognose nur den hohen Erwartungen entspricht. Eine positive Reaktion wäre dagegen besonders aussagekräftig, wenn sie von einer stabilen Margenprognose und konkreten Lieferterminen begleitet wird.
Fazit & Ausblick
NVIDIA legt die Quartalszahlen am 26. August nach dem US-Börsenschluss vor. Im Fokus stehen Umsatz und bereinigter Gewinn je Aktie, vor allem aber die Bruttomarge, der Vera-Rubin-Zeitplan, China und der Umgang mit steigenden Chipkosten. Die anschließende Kursreaktion dürfte zeigen, ob der Markt den KI-Boom weiterhin mit einem Bewertungsaufschlag honoriert oder die Beweislast für weiteres Wachstum inzwischen zu hoch ist.
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