Novo-Nordisk-Aktie unter Druck: Lilly sichert sich 30 % der neuen US-Orforglipron-Patienten
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Lillys Foundayo kommt bei 30 % der neuen US-Patienten auf Orforglipron zum Einsatz und verringert damit Novos frühen Wettbewerbsvorsprung.
- Ein Analysehaus stufte Novo Nordisk von Equal Weight auf Underweight ab und beließ das Kursziel bei 40 US-Dollar.
- Semaglutid dürfte laut der Analyse 2026 rund 75 % von Novos Umsatz ausmachen; ab den frühen bis mittleren 2030er-Jahren droht ein großer Patentablauf.
- Ascendis Pharma erhält die exklusiven Rechte an TransCon-Produkten zurück und will unter anderem einmal monatliches TransCon Semaglutide weiterentwickeln.
Marktanalyse & Details
Lilly gewinnt im frühen Wettbewerb um orale GLP-1-Therapien
Die jüngsten US-Marktdaten verschärfen den Wettbewerbsdruck auf Novo Nordisk. Lillys Foundayo vereint demnach 30 % der neuen US-Patienten, die mit Orforglipron behandelt werden. Damit verliert Novo Nordisk einen Teil seines bisherigen Vorsprungs im Markt für moderne Diabetes- und Adipositastherapien.
Die 30-%-Angabe ist nicht mit einem Gesamtmarktanteil gleichzusetzen. Sie zeigt jedoch, wie schnell sich die Nachfrage bei neu gestarteten Therapien zugunsten von Lilly verschieben kann. Für Novo ist das besonders relevant, weil das Unternehmen stark auf Semaglutid-basierte Produkte wie Wegovy und Ozempic angewiesen ist.
Analysten senken den Daumen für Novo Nordisk
Ein Analysehaus stufte die Novo-Nordisk-Aktie von Equal Weight auf Underweight ab. Das Kursziel blieb bei 40 US-Dollar. Als Gründe gelten ein verhaltenes mittelfristiges Wachstum, die hohe Abhängigkeit von Semaglutid und das Risiko eines deutlichen Umsatzverlusts nach dem Auslaufen des Patentschutzes nach 2030.
- Für 2027 wird ein Umsatz- und EBIT-Wachstum von jeweils 2 bis 3 % erwartet.
- Für 2027 bis 2030 liegt die prognostizierte jährliche Umsatz- und EBIT-Wachstumsrate bei rund 4 %.
- Zum Vergleich wird für die europäische Pharmabranche ein Umsatzwachstum von 4 % und ein EBIT-Wachstum von 7 % pro Jahr erwartet.
- Semaglutid soll 2026 rund 75 % des Novo-Umsatzes ausmachen; für 2031 wird trotz neuer Produkte noch ein Anteil von 59 % erwartet.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der Markt bei Novo Nordisk nicht nur kurzfristige Konkurrenz, sondern ein strukturelles Konzentrationsrisiko einpreist. Die geplante orale Produktpalette könnte die Abhängigkeit zwar verringern, reicht nach dieser Einschätzung aber nicht aus, um Preisdruck, Marktanteilsverluste und den bevorstehenden Patentablauf vollständig auszugleichen. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die Bewertung stärker an der Geschwindigkeit der Pipeline- und Produkteinführung hängen dürfte als an der bisherigen Stärke von Wegovy und Ozempic.
Ascendis erhält TransCon-Rechte zurück
Ascendis Pharma wird die exklusiven Rechte zur Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von TransCon-Produkten in Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückerhalten. Dazu zählt auch das einmal monatlich zu verabreichende TransCon Semaglutide, das als mögliche Therapie gegen Adipositas und Typ-2-Diabetes untersucht wird.
Die Rückübertragung folgt der Beendigung einer früheren Zusammenarbeit. Nach dem Wirksamwerden der Vereinbarung bestehen zwischen den Unternehmen keine laufenden finanziellen Verpflichtungen mehr. Ascendis plant mehrere neue Programme für seltene und größere Stoffwechsel- sowie Herz-Kreislauf-Indikationen.
Positive Wegovy-Daten bei Kindern
Auf der medizinischen Seite meldete Novo Nordisk zudem positive Phase-3-Daten für Wegovy bei stark adipösen Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Nach 16 Monaten waren 40 % der behandelten Kinder nicht mehr als adipös eingestuft, während dies in der Placebogruppe bei keinem Kind der Fall war. Nach Unternehmensangaben wurden keine Auswirkungen auf Wachstum oder Pubertät beobachtet.
Die detaillierten Studienergebnisse sollen vom 14. bis 17. November 2026 auf einer Fachtagung in Washington vorgestellt werden. Eine Zulassung für diese Altersgruppe liegt damit noch nicht vor. Der pädiatrische Markt könnte für Novo langfristig attraktiv sein, dürfte den kurzfristigen Konkurrenzdruck durch Lilly jedoch nicht beseitigen.
Aktienkurs bleibt im Jahresverlauf schwach
Die ADR von Novo Nordisk notierte zuletzt bei 37,24 Euro. Auf Tagessicht blieb der Kurs unverändert, seit Jahresbeginn steht jedoch ein Minus von 15,27 % zu Buche. Die schwache Jahresbilanz unterstreicht, dass Anleger die Wachstumsperspektiven und die Abhängigkeit von Semaglutid inzwischen kritischer bewerten.
Fazit & Ausblick
Für Novo Nordisk treffen derzeit drei Themen aufeinander: zunehmender Wettbewerb durch Lilly, ein langfristig hoher Semaglutid-Anteil und die Suche nach neuen Wachstumsträgern. Die nächsten wichtigen Impulse dürften von den detaillierten Wegovy-Daten für Kinder im November, der Entwicklung der oralen Produkte und den US-Verschreibungszahlen kommen. Entscheidend bleibt, ob Novo den Marktanteilsverlust bei neuen Patienten stoppen und die Pipeline schneller in relevante Umsätze umsetzen kann.
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