Marvell vor Quartalszahlen: Oppenheimer hebt Kursziel wegen KI-Netzwerken auf 300 Dollar
Kurzüberblick
- Marvell Technology legt am 27. August nach US-Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor.
- Analysten erwarten den wichtigsten Impuls aus dem Data-Center- und KI-Networking-Geschäft, das rund 76 Prozent des Umsatzes ausmacht.
- Oppenheimer erhöht das Kursziel von 250 auf 300 US-Dollar, Morgan Stanley von 195 auf 224 US-Dollar.
- Die erweiterte Google-Partnerschaft könnte bis 2033 ein kumuliertes Geschäftsvolumen von rund 120 Milliarden US-Dollar ermöglichen.
Marktanalyse & Details
Quartalszahlen werden zum Härtetest
Marvell Technology steht vor einem entscheidenden Berichtstermin. Der Halbleiterkonzern veröffentlicht seine Quartalszahlen am Donnerstag nach dem Ende des US-Handels. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger kleine Abweichungen bei Umsatz oder Gewinn je Aktie als vielmehr die Prognose für das laufende Quartal, die Entwicklung im Rechenzentrum und konkrete Aussagen zur Nachfrage nach kundenspezifischen KI-Chips.
Die Erwartungen sind bereits hoch: Die Aktie lag am 27. August um 15:14 Uhr bei 217,25 Euro und verzeichnete seit Jahresbeginn ein Plus von 198,22 Prozent. Damit ist ein großer Teil der positiven KI-Story bereits im Kurs eingepreist. Entsprechend dürfte der Markt besonders sensibel auf eine zurückhaltende Prognose oder Verzögerungen bei neuen Kundenprojekten reagieren.
Data Center und optische Netzwerke im Fokus
Oppenheimer erwartet für das Data-Center-Segment ein sequenzielles Wachstum von 17 Prozent und einen Anstieg von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Broker geht zudem davon aus, dass Marvell sein Jahresziel für das Data-Center-Wachstum von 40 auf 50 Prozent anheben kann. Morgan Stanley sieht ebenfalls Spielraum über den eigenen Wachstumsannahmen von 16 Prozent für das Juli- und 14 Prozent für das Oktoberquartal hinaus.
- Das Data-Center-Geschäft steht für etwa 76 Prozent des Konzernumsatzes.
- Das von PAM4-Technologie getriebene Networking-Geschäft soll laut Oppenheimer um mehr als 70 Prozent zulegen.
- Marvell wird bei 800G- und 1,6T-Transceivern ein Marktanteil von etwa 65 bis 70 Prozent zugeschrieben.
Die starke Nachfrage nach optischer Konnektivität wird durch positive Branchensignale von Komponenten- und Transceiver-Anbietern gestützt. Für Marvell ist das relevant, weil der Ausbau von KI-Rechenzentren nicht nur Rechenchips, sondern auch immer leistungsfähigere Verbindungen zwischen Servern und Speichersystemen erfordert.
Custom ASICs und Google-Partnerschaft
Ein zweiter Wachstumstreiber sind kundenspezifische ASICs und sogenannte Offload-Chips. Nach Einschätzung von Oppenheimer stützen mehr als 20 gewonnene Projekte die Erwartung, dass sich der Umsatz in diesem Geschäft im kommenden Jahr auf mehr als 4 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppeln kann. Für das Kalenderjahr 2028 wird ein Volumen von über 10 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die ausgeweitete Partnerschaft mit Google. Im Rahmen der Vereinbarung kann Google bei Erreichen bestimmter Meilensteine Bezugsrechte für bis zu 58,97 Millionen Marvell-Aktien erhalten. Die Kooperation umfasst unter anderem kundenspezifische KI-Produkte, Netzwerk- und Speicherkomponenten sowie mögliche Inferenzbeschleuniger. Das potenzielle kumulierte Geschäftsvolumen wird bis 2033 auf rund 120 Milliarden US-Dollar beziffert. Dabei handelt es sich um eine langfristige Chance und nicht um bereits verbuchten Umsatz.
Auch die Übernahme von Celestial stärkt die Position im KI-Netzwerkgeschäft. Oppenheimer verweist in diesem Zusammenhang auf einen Auftrag von Amazon Web Services im Umfang von 2 Milliarden US-Dollar.
Analysten-Einordnung
Dies deutet darauf hin, dass sich die Investmentthese bei Marvell zunehmend von einem klassischen Halbleiterzyklus zu einer langfristigen Infrastruktur-Wachstumsstory verschiebt. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung jedoch nicht automatisch ein geringeres Risiko: Die Google-Vereinbarung erhöht zwar die potenzielle Umsatzreichweite, ist aber an die Umsetzung von Entwicklungsprojekten und Meilensteine gebunden. Zudem können die möglichen Bezugsrechte die Zahl der ausstehenden Aktien erhöhen.
Die Kurszielanhebungen bestätigen die operative Dynamik, zeigen aber zugleich ein geteiltes Bild bei der Bewertung. Oppenheimer bleibt mit Outperform und einem Kursziel von 300 US-Dollar besonders optimistisch. Morgan Stanley stuft die Aktie weiterhin mit Equal Weight ein und sieht trotz der Anhebung auf 224 US-Dollar Bewertungsrisiken. Nach Einschätzung der Bank wird Marvell mit mehr als dem Doppelten der Bewertungsmultiplikatoren von Broadcom und Nvidia gehandelt. Die Anhebung der unterstellten Bewertung für das Kalenderjahr 2027 auf das 45-Fache des erwarteten Gewinns je Aktie reicht laut Morgan Stanley weiterhin nicht aus, um den aktuellen Kurs vollständig zu rechtfertigen.
- Susquehanna erhöhte das Kursziel von 230 auf 265 US-Dollar und bestätigte die positive Einschätzung.
- Rosenblatt startete die Beobachtung mit Buy und einem Kursziel von 300 US-Dollar.
- Oppenheimer kalkuliert für das Geschäftsjahr 2026 mit einem Umsatz von 11,8 Milliarden US-Dollar und für das Folgejahr mit 16,8 Milliarden US-Dollar.
Der entscheidende Prüfstein bleibt damit die Kombination aus kurzfristiger Ausführung und langfristiger Skalierung. Selbst starke Quartalszahlen könnten den Kurs nur dann nachhaltig stützen, wenn Marvell zugleich die hohe Dynamik bei Networking, Custom ASICs und den Cloud-Kunden bestätigt.
Fazit & Ausblick
Am Donnerstagabend richten sich die Blicke auf das Data-Center-Wachstum, den Ausblick für das Oktoberquartal und die zeitliche Einordnung der Google- und Custom-ASIC-Projekte. Ein weiterer wichtiger Termin ist der für Anfang Oktober erwartete Investorentag, auf dem Marvell seine Ziele für 2027 und 2028 konkretisieren könnte. Angesichts der starken Jahresperformance dürfte die Aktie auf positive wie negative Überraschungen überdurchschnittlich reagieren.
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