Marvell-Aktie fällt trotz starker Zahlen: Google-Deal lässt den KI-Turbo später zünden
Kurzüberblick
- Marvell steigert den Umsatz im zweiten Quartal um 37 % auf 2,74 Mrd. US-Dollar und übertrifft die Erwartungen.
- Der Data-Center-Umsatz wächst um 46 % auf 2,17 Mrd. US-Dollar und bleibt der wichtigste Wachstumstreiber.
- Für das dritte Quartal stellt Marvell 3,15 Mrd. US-Dollar Umsatz und 1,10 US-Dollar bereinigten Gewinn je Aktie in Aussicht.
- Die Aktie verliert trotz angehobener Prognosen deutlich, weil Anleger beim Google-Geschäft schneller sichtbare Wachstumsbeiträge erwartet hatten.
Marktanalyse & Details
Quartalszahlen übertreffen die Erwartungen
Marvell Technology hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 2,739 Mrd. US-Dollar erzielt. Damit lag der Chipkonzern über der Markterwartung von rund 2,71 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 0,94 US-Dollar nach erwarteten 0,92 US-Dollar.
Auch nach US-Rechnungslegung blieb ein Gewinn: Das GAAP-Nettoergebnis belief sich auf 308 Mio. US-Dollar beziehungsweise 0,33 US-Dollar je Aktie. Das Wachstum wurde vor allem vom Geschäft mit Rechenzentren getragen. Dort stieg der Umsatz um 46 % auf 2,17 Mrd. US-Dollar.
Ausblick liegt über dem Konsens
Für das dritte Quartal erwartet Marvell einen Umsatz von 3,15 Mrd. US-Dollar, wobei eine Schwankungsbreite von 5 % vorgesehen ist. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll bei 1,10 US-Dollar liegen, ebenfalls mit einer Bandbreite von 0,05 US-Dollar. Damit liegt die Umsatzprognose über der Konsensschätzung von rund 3,03 Mrd. US-Dollar, während die Gewinnerwartung von etwa 1,07 US-Dollar übertroffen wird.
Marvell hat zudem die Umsatzprognosen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 erneut angehoben. Die Nachfrage nach kundenspezifischen KI-Chips, Netzwerkkomponenten und Infrastruktur für Rechenzentren bleibt damit der zentrale Wachstumspfeiler.
Warum die Aktie trotz guter Zahlen nachgibt
Die Reaktion des Marktes fällt dennoch negativ aus. Nach dem Handelsschluss verlor die Aktie zeitweise fast 8 %. Zum Stand vom 28. August 2026 um 07:40 Uhr notierte Marvell in Europa bei 188,52 Euro und damit 6,6 % niedriger als am Vortag. Seit Jahresbeginn liegt das Papier allerdings weiterhin 158,78 % im Plus.
Der Kursrückgang ist vor allem vor dem Hintergrund der extrem hohen Erwartungen zu sehen. Marvell hat sich in kurzer Zeit zu einem wichtigen Profiteur der KI-Investitionen großer Cloudanbieter entwickelt. Nach der starken Kursrally reicht ein solider Beat-and-Raise-Ausblick offenbar nicht mehr aus, wenn Anleger eine noch dynamischere Entwicklung erwartet haben.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der erweiterten Partnerschaft mit Google. Das Geschäft könnte bis zum Geschäftsjahr 2033 ein kumuliertes Umsatzpotenzial von bis zu 120 Mrd. US-Dollar eröffnen. Zudem könnte Google über bestimmte Meilensteine Bezugsrechte erhalten und sich mit bis zu 12,2 Mrd. US-Dollar an Marvell beteiligen. Der strategische Wert der Vereinbarung ist erheblich, die daraus entstehenden Umsätze dürften jedoch erst schrittweise sichtbar werden.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der Markt weniger die aktuellen Zahlen als den zeitlichen Ablauf des künftigen KI-Wachstums bewertet. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass Marvell zwar operativ klar auf Wachstumskurs bleibt, die Aktie aber bereits sehr viel zukünftigen Erfolg einpreist. Entscheidend wird sein, ob der Konzern die hohen Erwartungen an kundenspezifische Chips, optische Netzwerke und die Google-Partnerschaft in konkrete Umsatz- und Gewinnsteigerungen umsetzen kann.
Wettbewerb und Bewertung im Fokus
Marvell profitiert davon, dass Cloudanbieter zunehmend eigene Chips für KI-Anwendungen entwickeln. Kundenspezifische Lösungen können gegenüber standardisierten Beschleunigern Vorteile bei Kosten, Energieverbrauch und Leistung bieten. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb mit größeren Anbietern, die ebenfalls Aufträge für maßgeschneiderte KI-Chips und Netzwerktechnik gewinnen.
- Der Data-Center-Bereich liefert derzeit den größten Umsatzbeitrag und wuchs deutlich schneller als der Konzern insgesamt.
- Das Google-Abkommen verbreitert die Kundenbasis, erhöht aber zugleich die Erwartungen an das langfristige Wachstum.
- Nach der starken Kurssteigerung ist die Bewertung besonders anfällig für Enttäuschungen beim Auftragseingang oder beim Umsatztempo.
Fazit & Ausblick
Marvell liefert starke Quartalszahlen und einen über den Erwartungen liegenden Ausblick. Der Kursrückgang signalisiert jedoch, dass Anleger den Google-Effekt und das weitere KI-Wachstum schneller im Ergebnis sehen wollen. Im weiteren Jahresverlauf werden insbesondere die Entwicklung des Data-Center-Umsatzes, neue Custom-ASIC-Aufträge, die Margen und der nächste Quartalsausblick zeigen, ob Marvell die ambitionierte Bewertung rechtfertigen kann.
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