High Tide meldet Rekord im Q2: Umsatz 179 Mio.$, EBITDA +73% – Remexian-Marge steigt, BMO sichert Kredit
Kurzüberblick
High Tide hat am 15. Juni 2026 seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 (bis zum 30. April 2026) vorgelegt und dabei auf Rekordkurs gearbeitet: Der Umsatz stieg auf 179,3 Mio. $, das bereinigte EBITDA kletterte um 73% auf 13,9 Mio. $. Besonders deutlich fiel der operative Fortschritt im Zusammenspiel aus dem stationären Retailgeschäft von Canna Cabana und dem deutschen Medizincannabis-Distributor Remexian aus.
An der Börse legte die Aktie nach der Meldung spürbar zu: In Frankfurt/Stuttgart (Lang & Schwarz Exchange) notierte High Tide zuletzt bei 2,25 € (+14,68% zum Tag), während die Performance seit Jahresbeginn bei +1,58% lag. Für Anleger rückt damit die Frage in den Fokus, ob die Ergebnisverbesserung aus den Margen- und Kostenhebeln heraus auch in den freien Cashflow übersetzt wird.
Marktanalyse & Details
Q2: Umsatzwachstum, Margenplus und Kehrtwende beim Ergebnis
High Tide steigerte im Q2 den Umsatz auf 179,3 Mio. $ (nach 137,8 Mio. $ im Vorjahr). Der Bruttogewinn wuchs auf 48,4 Mio. $, die Bruttomarge stieg auf 27% (von 26% im Vorjahresquartal). Auch auf EBITDA-Ebene zeigt sich die operative Stärke: Das bereinigte EBITDA stieg auf 13,9 Mio. $ (+73% im Jahresvergleich).
Parallel dazu gelang der Turnaround auf der Ergebniszeile: High Tide meldete im Quartal einen positiven Nettogewinn nach einem Nettoverlust im Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,01 $ nach -0,04 $ im Vorjahreszeitraum.
Remexian als Margen-Treiber: Bruttomarge von 12% auf 27%
Ein klarer Schwerpunkt der Quartalsstory liegt auf Remexian: Im Vertrieb medizinischen Cannabis erzielte das Segment im Q2 einen Rekordumsatz von 31,6 Mio. $ (nach 25,0 Mio. $ im Q1). Noch wichtiger: Die Bruttomarge sprang auf 27% (nach 12% im ersten Geschäftsquartal). Zudem erhöhte sich die abgesetzte Menge auf 7,6 Tonnen, was im Jahresvergleich einem Plus von 49% entspricht.
Für Anleger bedeutet diese Kombination aus Umsatzdynamik und deutlichem Margenhebel: Für Remexian deutet vieles darauf hin, dass die Integration und die Beschaffungs-/Lieferkette tatsächlich zu günstigeren Einkaufsstrukturen führen können.
Cashflow: Freier Cashflow bleibt zwar positiv, liegt aber unter Vorjahr – Stichwort Working Capital
Der freie Cashflow belief sich im Quartal auf 1,5 Mio. $. Damit lag er zwar unter den 4,9 Mio. $ des Vorjahres sowie unter dem Vorquartal (2,9 Mio. $). Das Management führt dies vor allem auf Investitionen in das Working Capital zurück, um Wachstum zu unterstützen.
Positiv: Der operative Cashflow vor Veränderungen des nicht zahlungswirksamen Working Capital erreichte mit 8,8 Mio. $ den höchsten Stand seit sieben Quartalen. Die Barmittel lagen zum Stichtag bei 36,5 Mio. $ (inklusive verfügbarer/gebundener Mittel).
Analysten-Einordnung: Die Berichtslage zeichnet ein Bild, das an zwei Stellen „bestätigend“ wirkt: Erstens steigen Umsatz und bereinigtes EBITDA gleichzeitig – das spricht für belastbare operative Leistungsfähigkeit. Zweitens dreht Remexian bei der Marge deutlich nach oben, was typischerweise eher strukturell als zufallsbedingt ist. Gegenläufig bleibt jedoch der Blick auf den freien Cashflow: Solange Working-Capital-Aufbau dominiert, kann die Cash-Umwandlung hinter dem Ergebnis zurückbleiben. Für Anleger bedeutet das: Entscheidend wird in den kommenden Quartalen, ob High Tide den Cashflow aus dem Margen- und Ergebniswachstum heraus verstetigen kann.
Finanzierung & Expansion: BMO-Kredit und angekündigte Northern-Helm-Übernahme
Parallel zu den Q2-Zahlen hat High Tide seine Finanzierungsbasis weiter abgesichert: Die Bank of Montreal hat eine Genehmigung für vorrangig besicherte Kreditfazilitäten über 40 Mio. $ erteilt. Geplant sind zwei Teile: eine revolvierende Fazilität (25 Mio. $, Laufzeit drei Jahre) sowie eine zweite Fazilität mit verzögerter Ziehung (15 Mio. $). Ziel ist es, bestehende Schulden abzulösen und – laut Unternehmenslogik – Wachstum ohne zusätzlichen starken Verwässerungsdruck zu unterstützen.
Zudem kündigte High Tide die Übernahme von Northern Helm an: Dabei sollen vier von sechs Filialen in Ontario übernommen werden. Die Transaktion soll High Tides Gesamtzahl auf 228 Canna-Cabana-Standorte in Kanada bringen. Als Gegenleistung sind rund 7,74 Mio. $ vorgesehen, strukturiert u. a. mit übernommener Schuld und einem Anteil in High-Tide-Aktien.
Retail-Ökosystem: Mitgliederwachstum stark, Flächenumsätze aber leicht rückläufig
Im stationären Retailgeschäft von Canna Cabana zeigt sich ein gemischtes Bild: Das Treueprogramm wächst weiterhin sehr kräftig. Der Cabana Club zählt inzwischen über 2,65 Mio. Mitglieder in Kanada (+39% gegenüber dem Vorjahr). Die kostenpflichtige Stufe ELITE kommt auf mehr als 178.000 Mitglieder (+84% gegenüber dem Vorjahr).
Operativ betrachtet meldete das Unternehmen für das Q2 allerdings flächenbereinigte Umsätze von -1,2% im Jahresvergleich. Gleichzeitig verweist High Tide auf den Vorteil des Discount-Club-Modells und auf eine in der Branche vergleichsweise robuste Entwicklung: So stiegen die Verkaufszahlen seit Einführung des Modells (ab Oktober 2021) deutlich stärker als die Umsatzentwicklung des durchschnittlichen Betreibers.
Fazit & Ausblick
High Tide liefert mit dem Q2 2026 einen klaren Ergebnisimpuls: Rekordumsatz, steigendes bereinigtes EBITDA und ein bemerkenswerter Margensprung bei Remexian stützen die These eines operativen Turnarounds auf beiden Wachstumsschienen. Der freie Cashflow bleibt jedoch durch Working-Capital-Investitionen gedämpft – hier entscheidet sich, ob das Wachstum künftig stärker in nachhaltige Cash-Generierung mündet.
Als nächster wichtiger Termin steht ein Webcast/Call zur Ergebnisbesprechung am 16. Juni 2026 an. Für die weitere Kursentwicklung dürften insbesondere die Antworten auf folgende Fragen entscheidend sein: Wie schnell baut High Tide Working Capital ab, wie stabil bleiben die Margen, und welche Renditepotenziale liefern die angekündigten Filialzugänge sowie die finanzielle Struktur mit der BMO-Fazilität?
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