Fielmann erklärt Augenlasern als Luxus: Keine Wirkung auf Kerngeschäft trotz steigender Nachfrage
Kurzüberblick
Marc Fielmann hat Augenlaseroperationen trotz einer wachsenden Nachfrage als Nischenangebot eingeordnet. Der Vorstandsvorsitzende betont, dass daraus für das Geschäftsmodell der Augenoptiker-Kette Fielmann keine relevanten Auswirkungen entstehen würden – auch weil solche Eingriffe typischerweise von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen werden.
Während sich Augenlaser in Deutschland zunehmend etabliert, verweist Fielmann gleichzeitig auf den Markt für klassische Sehhilfen: Viele Kundinnen und Kunden bräuchten auch nach einer Korrektur weiterhin eine Lesebrille, etwa im Alter. Die Diskussion fällt zudem in eine Zeit, in der Optikerbetriebe laut einer Studie über anhaltenden Fachkräftemangel klagen.
Marktanalyse & Details
Warum Fielmann Augenlasern als „Luxus für Reiche“ abgrenzt
Fielmann argumentiert vor allem mit dem Preisniveau und der Nichtübernahme durch gesetzliche Kassen. Laseroperationen seien demnach für viele Menschen finanziell nur schwer erreichbar. Gleichzeitig verweist er auf die Alternative „Brillen statt Eingriff“ und auf die Tatsache, dass Sehbedarfe im Laufe des Lebens häufig mehrfach entstehen.
- Kosten & Finanzierung: Eingriffe gelten als deutlich teurer als der Kauf von Brillen und werden in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt.
- Nachfrage nach Sehhilfen bleibt: Selbst nach einer OP könne altersbedingte Weitsichtigkeit weiterhin eine Lesebrille erforderlich machen.
- Relevanz für bestimmte Fälle: Als besonders sinnvoll sieht Fielmann Laser bei ausgeprägter Fehlsichtigkeit, etwa bei starker Kurzsichtigkeit.
Als Einordnung aus dem Marktumfeld nennt die Deutsche Ophthalmologie eine Größenordnung von etwa 150.000 bis 200.000 refraktiven Eingriffen pro Jahr. Das ist zwar beachtlich, bewegt sich nach Fielmanns Logik aber außerhalb eines Angebots, das das Kerngeschäft eines Filialoptikers strukturell verdrängen würde.
„Weniger Anbieter als Bedarf“: Fachkräftelücke als Innovationsbremse
Parallel zeigt eine Studie zum Fachkräftemangel im Gesundheitshandwerk, dass es in der Augenoptik bereits jetzt schwer ist, offene Stellen zu besetzen. Für 2025 nennt die Untersuchung im Schnitt 4.389 unbesetzte von 7.267 offenen Stellen im Gesundheitshandwerk; im Bereich Augenoptik und Hörakustik konzentriere sich der Engpass besonders.
- Gesellenniveau: Ein großer Anteil der offenen Stellen konnten nicht besetzt werden.
- Meisterrolle: Mehr als acht von zehn offenen Meisterstellen blieben unbesetzt, was die Nachwuchs- und Qualifikationspipeline zusätzlich belastet.
- Folgen: Betroffene müssten mit längeren Wartezeiten und eingeschränkter Versorgungsmöglichkeit rechnen, besonders in ländlichen Regionen.
Analysten-Einordnung: Die Kombination aus technologischer Alternative (Laser) und operativer Engpasslage (Personal) spricht dafür, dass die Nachfrage zwar zunehmend differenziert wird, Fielmann aber eher über Kapazitäts- als über Marktanteilsfragen unter Druck geraten könnte. Für Anleger bedeutet das: Entscheidend ist weniger die Frage „Laser ja oder nein“, sondern ob das Unternehmen im Wachstumstakt genügend qualifiziertes Personal für Beratung, Vermessung und Versorgung sichern kann. Dies deutet darauf hin, dass Personalplanung und Ausbildungskapazitäten mittelfristig stärker wirken dürften als einzelne Trends rund um refraktive Operationen.
Börsenkontext
Die Aktie von Fielmann wurde zuletzt bei 41,35 Euro notiert (Stand 28.07.2026, Lang&Schwarz Exchange). Seit Jahresbeginn liegt die Kursentwicklung bei minus 4,83 Prozent. In einem Umfeld mit operativen Engpässen kann die Marktstimmung besonders darauf reagieren, wie gut Unternehmen Nachfrage in stabile Versorgungskapazitäten übersetzen.
Fazit & Ausblick
Fielmann stellt Augenlaser klar als Nischenlösung dar und argumentiert gegen eine strukturelle Bedrohung des Kerngeschäfts. Gleichzeitig zeigt die Fachkräftelücke, dass Wachstumsrisiken in der Praxis eher an der Umsetzung liegen können als an der Diskussion um einzelne Technologien.
Für die nächsten Quartalsberichte wird der Fokus voraussichtlich auf Aussagen zu Kapazitäten, Personalgewinnung und zur Entwicklung der Nachfrage nach Brillen- und Versorgungsleistungen liegen. Sobald belastbare Kennzahlen zur Geschäftsentwicklung vorliegen, lässt sich besser beurteilen, ob sich der Markttrend hin zu Eingriffen spürbar in der Filialnachfrage niederschlägt.
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