Fielmann bremst Smartglass-Hype: CEO sieht keinen Smartphone-Ersatz in 2–3 Jahren, investiert in Filialwachstum

Fielmann AG

Kurzüberblick

Der Augenoptiker Fielmann dämpft die Erwartungen an Smartglasses: Vorstandschef Marc Fielmann hält es laut Interview in den nächsten zwei bis drei Jahren für unwahrscheinlich, dass Smartglasses das Smartphone ersetzen. Der Trend zu den sogenannten Wearables sei zwar sichtbar – die Abnehmerzahlen lägen derzeit aber eher im Nischenbereich, verglichen mit weit verbreiteten Geräten wie Smartwatches oder klassischen Audio-Produkten.

Für Anleger ist das ein Signal, wie Fielmann Technologie-Hypes einordnet und den Fokus weiterhin auf das Kerngeschäft richtet. Der Aktienkurs notiert aktuell bei 40,45 Euro (Tagesverlauf: 0%), während die Wertentwicklung seit Jahresbeginn bei -6,9% liegt. Parallel bleibt das Management beim Filialwachstum: In den kommenden fünf Jahren sieht Fielmann in Deutschland, Österreich und der Schweiz Potenzial für bis zu 100 zusätzliche Standorte.

Marktanalyse & Details

Smartglasses: Nische statt Massenersatz

Fielmann ordnet Smartglasses bewusst zurückhaltend ein. Der Konzern verkauft die Geräte in rund 200 der etwa 1.300 Filialen weltweit. Eine flächendeckende Ausweitung würde das Unternehmen erst dann vornehmen, wenn die Nachfrage deutlich stärker anzieht.

  • Zeithorizont: Smartphone-Ersatz gilt in den nächsten zwei bis drei Jahren als unwahrscheinlich.
  • Verkaufsbreite: Smartglasses sind aktuell in etwa 200 von rund 1.300 Filialen verfügbar.
  • Nachfrage-Schwerpunkte: eher in Großstädten und im Ausland (u. a. Spanien und USA).
  • Positionierung: Smartglasses werden eher als Spezialkategorie betrachtet – nicht als unmittelbarer Ersatz für etablierte Wearables.

Filialwachstum: Zuversicht trotz preisgetriebenem Wettbewerb

Im Heimatmarkt Deutschland sieht Fielmann weiterhin Spielraum: Der Vorstand nennt für die nächsten fünf Jahre Potenzial für bis zu 100 weitere Augenoptik-Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleichzeitig betont Fielmann, dass der Markt in Deutschland besonders kompetitiv und stark preisgetrieben ist.

Ein wichtiger Rahmen aus dem Management-Blick: Laut jüngstem Geschäftsbericht lag der Marktanteil nach Absatz bei 57% (bezogen auf 6,7 Millionen Brillen) sowie nach Umsatz bei 25%. Für die Wachstumsstory ist das relevant, weil Fielmann damit zeigt, dass die Expansion nicht allein auf Neukunden basiert, sondern auf einer weiteren Ausweitung in einem bereits stark positionierten Markt erfolgen kann.

Regulatorik & operative Realität: Auswahlprinzip statt Verdrängung

Fielmann sieht keinen eigenen Konflikt mit dem Bundeskartellamt, solange die lokale Anbieterstruktur erhalten bleibt. Der Vorstand verweist auf das Ziel, dass Kunden eine Auswahl haben sollen – nicht auf das Muster einer aggressiven Verdrängungsstrategie.

Branche im Spannungsfeld: Fachkräfteknappheit als Wachstumsbremse

Unterstützend zur Einordnung gehört auch der Arbeitsmarkt: In der Optik und angrenzenden Bereichen werden bundesweit Fachkräfteengpässe beschrieben. Das betrifft unmittelbar die Kapazitäten in Beratung, Anpassung und Versorgung. Für die Wachstumspläne bedeutet das: Je stärker Fielmann neue Standorte öffnet, desto wichtiger wird der schnelle Aufbau von Teams und die Sicherung qualifizierter Abläufe.

Analysten-Einordnung: Die Kombination aus Smartglass-Entwarnung und wachstumsorientierten Filialzielen deutet darauf hin, dass Fielmann Technologieentwicklungen zwar beobachtet, aber operative Risiken begrenzen will. Für Anleger bedeutet diese Linie: Das Unternehmen setzt eher auf planbare Skalierung im stationären Kerngeschäft als auf die Hoffnung, dass neue Smart-Features kurzfristig in zweistellige Wachstumsbeiträge münden. In einem preisgetriebenen Markt kann das stabilisierend wirken – gleichzeitig bleibt die zentrale Frage, ob Fielmann bei wachsender Filialzahl die Marge trotz höherer Personal- und Standortkosten absichern kann.

Fazit & Ausblick

Fielmann bleibt bei Smartglasses bewusst zurückhaltend: Kurzfristig steht kein Smartphone-Ersatz im Fokus, sondern selektive Verfügbarkeit in ausgewählten Filialen. Beim Ausbau der Präsenz ist das Management dagegen klarer: Bis zu 100 weitere Standorte in den nächsten fünf Jahren sind möglich. Entscheidend für die weitere Bewertung wird sein, wie sich die Smartglass-Nachfrage von einer Nische zu einem stabilen Zusatzgeschäft entwickelt – und ob der Konzern parallel die operativen Engpässe (insbesondere Personal) im Griff behält.

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