EVN treibt Milliardeninvestitionen in Netze und Batteriespeicher voran – Ergebnis-Ausblick 2025/26 bestätigt
Kurzüberblick
Die EVN AG setzt ihren Umbau hin zu einem stärker dezentralen Energiesystem mit großem Tempo fort: Für die Jahre bis 2030 plant der österreichische Energie- und Infrastrukturkonzern Investitionen in Milliardenhöhe in erneuerbare Stromerzeugung, Stromverteilnetze sowie Batteriespeicher. Die Maßnahmen sollen die Integration volatiler Wind- und Photovoltaik-Einspeisung ermöglichen und neue Ertragsfelder im Flexibilitätsmarkt eröffnen.
Während die EVN zuletzt über Fortschritte bei ihrer Batteriespeicherstrategie berichtete (14. Juli 2026) und das Management das Investitionsprogramm sowie den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte, steht für Anleger vor allem die Ergebnisentwicklung im Fokus: Für das Geschäftsjahr 2025/26 erwartet der Konzern ein Konzernergebnis von etwa 430 Millionen bis 480 Millionen Euro. An der Börse zeigt die EVN-Aktie zudem Stabilität, mit einem Kurs von 29,30 Euro am 16. Juli 2026 (zuzüglich 0,17 Prozent zum Handelstag), und sie liegt seit Jahresbeginn rund 8,12 Prozent im Plus.
Marktanalyse & Details
Investitionsprogramm bis 2030: Wind, Photovoltaik, Netze, Speicher
Die EVN will bis 2030 jährlich rund 1 Milliarde Euro investieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf drei Zukunftssäulen:
- Erneuerbare Erzeugung: Aufbau von Windkraft- und Photovoltaik-Kapazitäten sowie Weiterentwicklung bestehender Projekte.
- Netzinfrastruktur: Ausbau und Modernisierung der Stromverteilnetze, damit steigende Einspeisungen technisch integriert werden.
- Batteriespeicher: Flexibilisierung der eigenen Erzeugung, um Überschüsse zeitlich zu verschieben und im Markt wertstiftend zu vermarkten.
Als konkreter Investitionspfad nennt die EVN rund 3 Milliarden Euro für den Ausbau der Strom-Verteilnetzinfrastruktur in Niederösterreich im Zeitraum von 2024 bis 2030. Etwa 80 Prozent der Investitionen sollen im Heimatmarkt Niederösterreich gebündelt werden; weitere Wachstumsimpulse kommen laut Programm vor allem aus Bulgarien und Nordmazedonien.
Batteriespeicherstrategie: Meilensteine und Kapazitätsziel
Im Bereich Speicher meldet die EVN bereits sichtbare Fortschritte: In Probishtip, Nordmazedonien, ging ein derzeit größtes Batteriespeichersystem des Landes in Betrieb. Die Anlage verfügt über eine installierte Leistung von 10 MW und eine Speicherkapazität von 20 MWh; in einer nächsten Ausbaustufe soll die Kapazität auf 40 MWh verdoppelt werden.
- Mit der Inbetriebnahme erhöht sich die Großbatteriekapazität der EVN auf insgesamt 22 MW.
- In Niederösterreich laufen weitere Großprojekte an den Standorten Theiß und Dürnrohr mit geplanter Leistung von 70 MW beziehungsweise 16 MW.
- Zusätzlich entstehen Co-Location-Speicher an bestehenden Wind- oder Photovoltaik-Standorten; ein Beispiel ist der Super-Hybrid-Park in Trumau mit 3,4 MW.
Bis 2030 peilt die EVN eine Batteriespeicherkapazität von 300 MW an. Für Anleger ist das mehr als Infrastruktur-Story: Über die temporäre Speicherung von Überschussstrom kann die Erzeugung zeitlich optimiert und am Day-Ahead- oder Intraday-Markt vermarktet werden. Damit hängt ein Teil der Wertschöpfung künftig stärker an der Fähigkeit, Flexibilität wirtschaftlich zu „verkaufen“ statt nur Strom zu erzeugen.
Netz und Wärme: Digitalisierung, Fernwärme, Trinkwasser
Neben dem Speicherausbau soll die Netzinfrastruktur vor allem durch zusätzliche Umspannwerke und Transformatoren sowie den Ausbau von Nieder- und Mittelspannungsleitungen beschleunigt werden. Parallel dazu treibt die EVN die Digitalisierung der Netzinfrastruktur voran, um das wachsende Maß an erneuerbaren Einspeisungen effizient zu steuern.
Auch in der Fernwärme sind Investitionen geplant: Rund 450 Millionen Euro sollen in die Umsetzung bis 2030 fließen, unter anderem in neue Großwärmepumpen und Biomasseheizkraftwerke sowie in die Verdichtung der Fernwärmenetze. Die EVN will zudem perspektivisch die Tiefen-Geothermie stärker einbinden und startet dafür in diesem Herbst eine Untersuchungskampagne. Im Bereich Trinkwasserversorgung zielt das Unternehmen auf den Ausbau überregionaler Transportleitungen.
Bonität und Ergebnisrahmen: Ratings stabil, Ausblick bestätigt
Trotz des hohen Investitionstempos betont die EVN die Bedeutung der Bonität. Ziel seien Ratings im soliden A-Bereich; jüngst wurde das A1-Rating bestätigt (Moody’s, stabil) sowie das A+-Rating mit stabilem Ausblick (Scope).
Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 bestätigte die EVN den Ausblick: Das Konzernergebnis wird in einer Bandbreite von etwa 430 Millionen bis 480 Millionen Euro erwartet. Langfristig nennt die EVN als Ziel für 2029/30 ein EBITDA von etwa 1,1 Milliarden bis 1,2 Milliarden Euro.
Analysten-Einordnung: Das Investitionsprogramm wirkt in Summe wie ein klarer „Transformations-Plan“ mit mehreren Wirkkanälen – Netzanschlussfähigkeit, Flexibilitätsvermarktung und damit potenziell stabilere Erträge. Für Anleger bedeutet das: Der Capex-Schub kann kurzfristig Kosten- und Finanzierungsfragen in den Vordergrund rücken, während die Unternehmenslogik mittelfristig über planbare Netzaktivitäten plus zusätzliche Erlösbeiträge aus Speichern funktionieren soll. Dass die EVN zugleich stabile A-Ratings meldet und den Ergebnisrahmen bestätigt, deutet darauf hin, dass das Management die Umsetzung zwar ambitioniert, aber finanziell kontrolliert aussteuern will.
Bewertungs- und Profitabilitätsanker
Zur Einordnung nennt die EVN zudem Eckpunkte zur Profitabilität und Bewertung: Im Geschäftsjahr 2024/25 lag die operative EBITDA-Marge bei 30 Prozent. Als Vergleich werden Werte von Wettbewerbern genannt, während die EVN-Aktie laut Unternehmensangaben mit einem 2027er-KGV von unter 12 niedriger bewertet sein soll als deutsche Peers.
Fazit & Ausblick
Die EVN treibt die nächsten Schritte im Energiesystem-Umbruch sichtbar voran: Batteriespeicher wachsen bereits von Pilotprojekten in Richtung skalierter Ausbaupfade, und der Netzausbau soll die Volatilität erneuerbarer Einspeisung technisch auffangen. Entscheidend wird nun, wie schnell sich aus der Flexibilitätsvermarktung und den neuen Speicher-„Energy Hubs“ belastbare Ertragsbeiträge ableiten lassen.
Für die nächsten Impulse sorgt der nächste EVN-Berichtstermin: Am 27. August werden die Ergebnisse für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres veröffentlicht. Dort dürfte sich zeigen, ob der bestätigte Ergebnis-Korridor von etwa 430 Millionen bis 480 Millionen Euro wie geplant getragen wird.
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