Befesa steigert Q1-Gewinn und peilt 2026-EBITDA von 250 bis 270 Mio. EUR an

Befesa S.A.

Kurzüberblick

Der Industrierecycler Befesa hat zum Jahresstart trotz rückläufiger Umsätze mehr verdient: Im 1. Quartal 2026 stieg das bereinigte EBITDA auf 58 Mio. EUR (+4% im Jahresvergleich), der Nettogewinn erhöhte sich um 11% auf 21 Mio. EUR. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen ein bereinigtes EBITDA zwischen 250 und 270 Mio. EUR (plus 3% bis 11% gegenüber dem Vorjahr).

Die Ergebnisse wurden am 30. April 2026 veröffentlicht; zur Einordnung: Die Befesa-Aktie notierte zuletzt bei 33,3 EUR (Stand 30.04.2026, 08:09 Uhr; Tagesverlauf -0,15% / YTD +13,03%). Entscheidend für die Anlegerlage ist, dass Befesa die operative Performance trotz eines schwächeren Aluminiumsegments stabilisieren konnte und zugleich den Entschuldungs- und Cashflow-Kurs fortsetzt.

Marktanalyse & Details

Q1 2026: Umsatz fällt, Ergebnisqualität verbessert sich

Im Quartal sank der Umsatz um 8% auf 285 Mio. EUR – belastet vor allem durch schwächere Aktivitäten im Aluminiumgeschäft sowie Wechselkurseffekte. Gleichzeitig blieb das Ergebnis robuster als die Erlöse: Das bereinigte EBITDA stieg auf 58 Mio. EUR (Q1 2025: 56 Mio. EUR), gestützt durch niedrigere operative Kosten, höhere Zink-LME-Preise und eine gute Entwicklung im US-Geschäft.

  • Operativer Cashflow: 38 Mio. EUR (+12% YoY)
  • Nettogewinn: 21 Mio. EUR (+11% YoY)
  • Gewinn je Aktie (EPS): 0,52 EUR (+11% YoY)

Treiber nach Segment: Stahlstaub stabil im Volumen, Aluminium startet verhalten

Für die operative Lage spricht, dass Befesa im Kerngeschäft rund um Stahlstaub die Auslastung trotz eines schwierigen Nachfrageumfelds halten konnte. Wartungen reduzierten zwar zeitweise den Durchsatz, dennoch blieb das Volumen von 280 kt (+1% YoY) solide und die Auslastung lag bei rund 65%.

  • Europa: Load Factor 89% (+3 Prozentpunkte); europäische Stahlproduktion -3% YoY (schwache Nachfrage/Lagerabbau)
  • USA: Volumen +8% YoY, Load Factor +3 Prozentpunkte; Stahlproduktion +6% YoY (Infrastrukturimpulse)
  • Asien: Südkorea weitgehend stabil bei 73% Auslastung; Türkei leicht rückläufig; China bei moderater Auslastung im Break-even-Bereich

Im Aluminiumsegment dagegen zeigt sich die Schwäche: Salzschlacken sanken um 5% auf 102 kt (Auslastung 87% nach 93%), die Menge bei Sekundäraluminiumlegierungen fiel um 9% auf 39 kt (Auslastung 76%). Für Anleger ist das wichtig, weil das Management zwar von einer Erholung im Jahresverlauf ausgeht, der Start aber klar macht, dass der Ergebnishebel im laufenden Jahr stärker über Stahlstaub und Cashflow-Disziplin laufen dürfte.

Metall- und Energieumfeld: Zink stützt, Strom bleibt Gegenwind

Beim Preisumfeld wirkten mehrere Faktoren gleichzeitig. Die Zink-LME-Preise lagen im Q1 2026 bei durchschnittlich 3.243 USD/t (+14% YoY). Zwar stieg auch die Treatment Charge für Zinkrecycling auf 85 USD/t (gegenüber 80 USD/t), insgesamt fiel der Anstieg aber moderat aus. Für das Ergebnis heißt das: Preisdynamik und Vertragsparameter lieferten einen positiven Beitrag.

Bei Energie zeigte sich ein gemischtes Bild: Kokspreise sanken um 8% auf 147 EUR/t, während Strom im Vergleichszeitraum von 104 auf 111 EUR/MWh zulegte. Auch Erdgas blieb weitgehend stabil, gegen Quartalsende allerdings mit höherem Preisniveau vor geopolitischem Hintergrund. Dies deutet darauf hin, dass Befesa die Kostenkompensation stärker über Effizienz und Mengenmix statt über einen durchgehend günstigen Energiepfad organisieren muss.

Kasse, Verschuldung und Ausbau: Entschuldung bleibt Kernthema

Ein zweiter Pfeiler der Bewertung ist der finanzielle Unterbau: Befesa meldete 145 Mio. EUR Barmittel zum Quartalsende (nach 143 Mio. EUR zum Jahresende 2025). Die Netto-Verschuldung sank um 10,2% auf 550 Mio. EUR. Der Netto-Verschuldungsgrad verbesserte sich auf x2,25 (x2,27 zum Jahresende) und befindet sich damit weiter auf dem Weg zum Ziel von unter x2,0.

Operativ läuft zudem der Expansionspfad: Das Projekt in Bernburg liegt weiterhin im Zeitplan und soll im 2. Halbjahr 2026 abgeschlossen werden. Gleichzeitig kündigt Befesa für den neuen mittelfristigen Zyklus niedrigere Investitionen an (unter 80 Mio. EUR pro Jahr). Für Anleger bedeutet diese Mischung aus moderatem Capex und progressiver Entschuldung vor allem: Der Spielraum für zukünftige Kapitalallokation steigt, ohne den Wachstumshebel sofort zu verwässern.

Analysten-Einordnung: Dass Befesa trotz eines Umsatzrückgangs das EBITDA und den Nettogewinn gleichzeitig steigern konnte, spricht für eine belastbare Ergebnisspanne und bessere Kosten-/Mix-Steuerung. Die Erwartungen an eine Ergebniszunahme im Jahresverlauf wirken dabei realistisch, weil das Management konkrete Volumenimpulse aus den USA sowie eine Erholung im Aluminiumsegment nennt und parallel die Verschuldung weiter reduziert. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung vor allem: Das Risiko liegt weniger im kurzfristigen Erlösniveau als in der möglichen Volatilität bei Metallen und Energie sowie in der Frage, ob die angekündigte Aluminium-Erholung tatsächlich bis in die Ergebniskennziffern durchschlägt.

Ausblick 2026: Gewinnanstieg soll an Dynamik gewinnen

Für 2026 peilt Befesa ein bereinigtes EBITDA von 250 bis 270 Mio. EUR an. Die Guidance berücksichtigt bewusst eine Spanne: mögliche Schwankungen bei Metallpreisen, Energie-/Inflationsentwicklung sowie das sich wandelnde Marktumfeld in Stahl und Aluminium. Gleichzeitig stellt der Konzern den Cashflow in den Mittelpunkt und kündigt für 2026 Investitionsausgaben von rund 70 Mio. EUR an (davon bis zu 45 Mio. EUR Instandhaltung und 25 Mio. EUR Wachstumsinvestitionen für Bernburg).

Die Kapitalmarktwirkung wird zudem dadurch untermauert, dass UBS zuvor das Kursziel von 42 EUR auf 46 EUR angehoben und die Einstufung mit Buy bestätigt hatte (Stand: 23. April 2026). Vor diesem Hintergrund dürften die nächsten Quartale vor allem als Stresstest dienen: Kommt die erwartete Beschleunigung beim Ergebnis tatsächlich, während sich die Aluminiumseite normalisiert?

Fazit & Ausblick

Befesa liefert zum Jahresstart ein klares Signal: Umsatz ist zwar rückläufig, doch EBITDA, Nettogewinn und EPS steigen – getragen von Kostenkontrolle, Zink-Preisunterstützung und starkem US-Volumen. Die Finanzlage bleibt stabil, die Entschuldung schreitet voran, und Bernburg soll wie geplant im 2. Halbjahr 2026 ausgebaut werden.

Als nächster Check für Investoren zählt die weitere Entwicklung der Aluminiumsegmente sowie die Frage, wie sensibel die Marge auf Energie- und Metallpreisvolatilität reagiert. Der Jahresbericht 2025 wurde am 30. April 2026 veröffentlicht, die Hauptversammlung ist für den 16. Juni 2026 terminiert.

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