BASF verschärft Sparkurs: Kosten im Kerngeschäft bis 2029 um bis zu 20% senken – weitere Jobs weg

BASF SE

Kurzüberblick

BASF SE verschärft seinen Sparkurs: Der Chemiekonzern will die Kosten im Kerngeschäft bis 2029 um bis zu 20% senken und dabei auch Personalmaßnahmen vorsehen. Vorstandschef Markus Kamieth stellte das neue Optimierungsprogramm als Teil der bereits 2024 formulierten Strategie dar – nicht als Reaktion auf eine erst kürzlich eingetrübte Konjunktur.

Betroffen sind vor allem Standorte mit niedriger Auslastung, insbesondere Ludwigshafen. Während die Aktie am 22.05.2026 bei 51,65 EUR notiert und seit Jahresbeginn (YTD) um rund 15,99% zulegt, dürfte die Umsetzung des Programms den Blick der Anleger in den nächsten Jahren stark prägen – zusätzlich zu der politischen Branchenlage beim EU-Emissionshandel.

Marktanalyse & Details

Neues Kostenprogramm bis 2029: Sparen mit Fokus auf Personal

Nach Angaben des Konzerns läuft das Maßnahmenpaket auf eine spürbare Reduzierung der Kostenstruktur hinaus. Ein großer Anteil der Einsparungen soll über Personalkosten erreicht werden. Für Anleger ist dabei entscheidend, wie BASF die Produktivität und Auslastung verbessert – denn reine Kostensenkung kann nur dann nachhaltig wirken, wenn Nachfrage und Anlagenbetrieb mitziehen.

  • Höhe der Zielmarke: Kosten im Kerngeschäft um bis zu 20% bis 2029
  • Hebel: Personalkosten als wesentlicher Baustein
  • Einordnung des Managements: Umsetzung des Programms als Fortführung der 2024 gestarteten Strategie

Ludwigshafen im Zentrum: Auslastungslage, aber Kündigungsschutz bis 2028

BASF kämpft vor allem mit zu geringer Auslastung am Stammwerk Ludwigshafen. Seit Anfang 2024 sind dort rund 2.800 Jobs weggefallen. Gleichzeitig kündigt der Konzern eine soziale Flankierung an: Bis Ende 2028 soll auf betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen verzichtet werden, während BASF im Werk bis 2028 Milliarden investiert.

  • Arbeitskräfte: weltweit 106.428 Beschäftigte im ersten Quartal 2026 (rund 5.000 weniger als im Vorjahr)
  • Standortgewicht: etwa 33.000 Beschäftigte in Ludwigshafen (rund ein Drittel der weltweiten Belegschaft)
  • Sozial- und Investitionsrahmen: Kündigungsschutz bis Ende 2028, Investitionen bis 2028

Regulatorischer Druck aus der Chemie-Branche: EU-Emissionshandel als Kostentreiber

Parallel zur internen Kostensenkung wächst der politische Druck auf die Branche: Der Chemieindustrie-Verband VCI macht vor einer geplanten Revision des EU-Emissionshandels Druck auf die Politik. In einem Schreiben an Kanzler Friedrich Merz kritisiert der Verband, dass neue Anforderungen die Transformationsfähigkeit übersteigen und Investitionsrisiken deutlich erhöhen könnten. Für die deutsche Chemie seien weiterhin zusätzliche Belastungen in deutlich dreistelliger Millionenhöhe pro Jahr möglich.

Hintergrund ist die Reform des Emissionshandels, deren grundlegende Änderungen im Sommer bzw. mit einem Vorschlag der EU-Kommission im Juli erwartet werden. Für energieintensive Branchen wie die Chemie ist das heikel: Entscheidend sind unter anderem Rahmenbedingungen für Strom- und Wasserstoffkosten sowie die Verfügbarkeit von Infrastruktur.

Analysten-Einordnung: Die Lage zeigt ein zweistufiges Bild: Operativ versucht BASF, über Effizienz und eine schlankere Kostenbasis die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Gleichzeitig kann der regulatorische Kostenblock durch den EU-Emissionshandel die Wirkung von Einsparprogrammen überlagern, wenn Zertifikatskosten, Investitionsrisiken oder Umstellungstakte den Zeitplan verschieben. Für Anleger bedeutet das: Das Sparkonzept dürfte zwar die Grundlage für stabilere Margen liefern, die tatsächliche Ergebnisqualität hängt jedoch stark davon ab, wie schnell BASF die Kostenhebel mit realen Auslastungsgewinnen und einer kalkulierbaren CO₂-Last zusammenbringt – und wie sich die ETS-Reform konkret auswirkt.

Fazit & Ausblick

BASF setzt bis 2029 auf einen deutlich ambitionierten Kostendämpfer, der insbesondere Personal als zentrale Stellschraube nutzt – bei gleichzeitigem Kündigungsschutz in Ludwigshafen bis Ende 2028 und großen Investitionen am Standort. Für die nächsten Schritte werden nicht nur die Fortschritte im Werk- und Produktivitätsmanagement entscheidend, sondern auch der regulatorische Zeitplan: Mit Blick auf die ETS-Revision im Sommer/Juli dürfte sich zeigen, ob zusätzliche CO₂- und Umstellungskosten die Effekte der internen Sparmaßnahmen teilweise kompensieren.

Für Investoren bleibt daher der Fokus auf zwei Fragen: Werden die Kostenziele operational erreicht (inklusive Auslastung), und wird der politische Rahmen so konkret, dass Investitionen in Transformation planbar bleiben?

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