Aurubis hebt nach Q2-Boost die Prognose an: Aktie steigt auf 208 € – Analysten geben gemischte Signale
Kurzüberblick
Die Aurubis-Aktie legt am 13.05.2026 weiter zu: Bei 208,6 EUR liegt das Papier 5,73% im Plus. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf 69,32% – getrieben von starken Geschäftszahlen und einer deutlich angehobenen Jahreserwartung.
Ursache sind vor allem die verbesserten Ergebnisse im zweiten Quartal 2025/26 sowie der Ausblick auf das Gesamtjahr. Parallel meldet Rossmann Beteiligungs GmbH einen spürbaren Anstieg der Beteiligung an Aurubis auf insgesamt 23,28% der Stimmrechte (inklusive Instrumente). Für den Markt liefert das gleich zweierlei Signale: operativen Rückenwind und eine erhöhte Aufmerksamkeit großer Investoren.
Marktanalyse & Details
Quartalszahlen liefern Grundlage für den neuen Kurs
Aurubis steigerte im zweiten Quartal das operative Ergebnis: Das operative Ergebnis vor Steuern (EBT) stieg auf 121 Mio. EUR, nachdem im Vorquartal 105 Mio. EUR erzielt wurden. Auch beim Ergebnis vor Cash-Effekten zog es an: Das operative EBITDA wuchs auf 187 Mio. EUR nach 164 Mio. EUR im ersten Quartal.
- Gesamt auf Halbjahressicht: operatives EBT liegt bei 226 Mio. EUR auf Vorjahresniveau
- Operatives EBITDA im ersten Halbjahr bei 351 Mio. EUR, leicht über dem Vorjahr
- Netto-Cashflow im ersten Halbjahr: 161 Mio. EUR – belastet durch hohe Vorratsbestände
Dass Aurubis gleichzeitig die Investitionsphase weiterführt, spiegelt sich auch in der Kapitalrendite: Der operative ROCE liegt bei 8,1% nach 10,2% im Vorjahr. Dies deutet darauf hin, dass Renditeeffekte derzeit noch hinter den laufenden Hochläufen der Wachstumsprojekte zurückstehen.
Prognose kräftig angehoben – was hinter dem Optimismus steckt
Für das Geschäftsjahr 2025/26 hebt Aurubis die Prognose beim operativen EBT auf eine Spanne von 425 bis 525 Mio. EUR an. Zuvor lag der Korridor bei 375 bis 475 Mio. EUR. Zusätzlich erwartet der Konzern einen operativen ROCE zwischen 10% und 12% nach 9% bis 11%.
Als Treiber nennt das Unternehmen einen verbesserten Marktausblick – insbesondere durch anhaltend hohe Metallpreise, bessere Erlöserwartungen aus Recyclingmaterial sowie höhere antizipierte Schwefelsäureerlöse in der zweiten Jahreshälfte.
Schwefelsäure und Geopolitik: kurzfristig wenig, mittelfristig potenziell hilfreich
Im Kontext des Iran-Konflikts sieht Aurubis kurzfristig kaum direkte Auswirkungen auf das operative Geschäft. Mittelfristig könnten sich jedoch Chancen ergeben: Die Versorgungslage bei Schwefelsäure könnte sich durch gestörte Schwefellieferketten verengen, während die stabile Nachfrage aus der europäischen Chemie- und Düngemittelindustrie stützt.
Da Schwefelsäure als Nebenprodukt der Kupferproduktion anfällt, kann ein verknapptes Angebot die Erlösschiene insgesamt begünstigen – vor allem dann, wenn mögliche Exportrestriktionen zusätzlichen Druck auf die Verfügbarkeit ausüben.
Strategische Projekte: Investitionen laufen, Rendite kommt später
Aurubis hat für strategische Projekte seit 2021 rund 1,7 Mrd. EUR genehmigt. Bis Ende des zweiten Quartals waren davon bereits knapp 90% umgesetzt. Aus den Projekten erwartet der Konzern ab dem Geschäftsjahr 2028/29 einen zusätzlichen EBITDA-Beitrag von rund 260 Mio. EUR pro Jahr.
- Complex Recycling Hamburg (CRH): Hochlauf nach erster erfolgreicher Schmelze im März 2026
- Aurubis Richmond (USA): Schrittweise Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe
- Bulgarien: Erweiterung der Kupfer-Elektrolyse, Inbetriebnahme im Sommer 2026
Für Anleger bedeutet das: Die aktuelle Ergebnismomentum-Phase wird von Zyklik und Margen getragen, während die überproportionale Ertragswirkung aus dem Projektportfolio zeitlich versetzt in der Zukunft sichtbar werden dürfte.
Analysten-Einordnung: Kursfantasie ja – aber Tempo und Qualität der Cash-Generierung bleiben entscheidend
Dies deutet darauf hin, dass der Kapitalmarkt die erhöhte Prognose und die potenzielle Marktverknappung bei Schwefelsäure bereits deutlich einpreist. Gleichzeitig ist der Rückgang beim operativen ROCE ein klarer Hinweis, dass das Renditeniveau noch nicht voll von den Wachstumsinvestitionen profitiert. Für Anleger bedeutet diese Konstellation: Das positive Sentiment ist berechtigt, doch die nächste Bewertungsfrage lautet weniger, ob Aurubis liefert, sondern ob sich die Ergebnisstärke auch in eine nachhaltige Verbesserung der Kapitalrendite und der Cashflow-Qualität übersetzt.
Zuletzt haben zwei große Häuser ihre Sicht unterschiedlich justiert: Warburg Research erhöhte das Kursziel für Aurubis von 176 EUR auf 209 EUR und bestätigte die Einstufung Buy. Die DZ Bank stufte die Aktie von Sell auf Hold herab, hob aber das Kursziel von 140 EUR auf 180 EUR an. Diese Gegenläufigkeit signalisiert, dass der Markt zwar besserer Aussichten gewahr wird, die Bewertung und das Risiko-Profil aber weiterhin sorgfältig abgewogen werden.
Aktionärsstruktur: Rossmann baut auf – Beteiligung auf 23,28% gestiegen
Rossmann Beteiligungs GmbH hat für Aurubis zum Stichtag 11.05.2026 einen Anstieg der Position gemeldet: Die Gesellschaft hält 15,03% der Stimmrechte und weitere 8,25% über Instrumente – zusammen 23,28%. Zuvor lag die Gesamtposition bei 20,02% (14,21% Stimmrechte und 5,81% über Instrumente).
Fazit & Ausblick
Aurubis verbindet derzeit ein starkes Quartal mit einer spürbar angehobenen Jahresprognose. Der Markt reagiert entsprechend: Die Aktie notiert nach der jüngsten Kursrally im Bereich neuer Höchststände. Für die nächsten Wochen bleibt entscheidend, ob der Konzern die Wachstumsphase so steuert, dass der Rückgang beim ROCE nicht zum dauerhaften Muster wird.
Ein weiterer Prüfstein ist der Fortgang der Projekte im Recycling- und Metallbereich sowie die Entwicklung am Schwefelsäuremarkt. Besonders relevant dürfte außerdem die Umsetzung der nächsten technologischen Meilensteine sein, darunter der Inbetriebnahmezeitpunkt der Kupfer-Elektrolyse in Bulgarien im Sommer 2026.
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