AstraZeneca-ADR: Analysehaus bestätigt Buy trotz 15%-Rücksetzer und senkt Kursziel
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Analysehaus bestätigt die Kaufempfehlung für AstraZeneca, senkt das 12-Monats-Kursziel aber von 17.600 auf 15.200 Pence.
- Die Aktie verlor seit Anfang Juli rund 15 Prozent, belastet von Studienrückschlägen und Berichten über mögliche Fusionsgespräche.
- Trotz eines möglichen Scheiterns der AVANZAR-Studie erwartet die Einschätzung bis 2030 einen Konzernumsatz von 80 Milliarden US-Dollar.
- Vier für 2027 erwartete Pipeline-Katalysatoren kommen zusammen auf rund 17,7 Milliarden US-Dollar unbereinigtes Spitzenumsatzpotenzial.
Marktanalyse & Details
Rücksetzer in zwei Phasen
Die jüngste Einschätzung hält die Schwäche der AstraZeneca-Aktie für übertrieben und bleibt bei der Kaufempfehlung. Gleichzeitig wird das 12-Monats-Kursziel von 17.600 auf 15.200 Pence reduziert. Gemessen am Schlusskurs vom Mittwoch entspricht das weiterhin einem Aufwärtspotenzial von mehr als 24 Prozent.
Der Kursrückgang erfolgte in zwei größeren Bewegungen. Im Juli verlor die Aktie rund 13 Prozent, nachdem die Phase-3-Studie CARDIO-TTRansform zu Wainua ihren Endpunkt verfehlte. Im August folgte ein weiterer Rückgang von rund 9 Prozent nach Berichten über vorläufige Fusionsgespräche zwischen AstraZeneca und Bristol Myers Squibb. Die Aktie hat etwa die Hälfte des zweiten Rückgangs wieder aufgeholt. Die Prozentangaben beziehen sich auf die jeweiligen Bewegungsphasen und sind daher nicht schlicht zu addieren.
Die Spekulationen über einen möglichen Zusammenschluss bleiben dennoch ein Belastungsfaktor. Investoren fragen sich, warum das Management einen solchen Schritt überhaupt erwogen haben könnte und ob dies auf zusätzlichen strategischen Handlungsdruck hindeutet.
Umsatzziel trotz AVANZAR-Risiko
Das Analysehaus hält am mittelfristigen Ziel eines Gesamtumsatzes von 80 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 fest. Diese Einschätzung soll selbst dann Bestand haben, wenn die bevorstehende AVANZAR-Studie zu Datroway in der Erstlinienbehandlung von Lungenkrebs vollständig scheitert.
Für die Jahre 2030 bis 2033 wird allerdings nur noch ein jährliches Wachstum von rund 1 Prozent erwartet. Hintergrund sind bevorstehende Patentabläufe bei Imfinzi, Tagrisso und Calquence. Künftige Lizenzvereinbarungen oder Übernahmen sind in dieser Prognose noch nicht berücksichtigt.
Pipeline bleibt entscheidend
Mehrere für 2027 erwartete Datenpunkte könnten die Wachstumsstory wieder stärken. Genannt werden der orale PCSK9-Hemmerkandidat Laroprovstat, Daten zu einer Farxiga-Kombination, eine adjuvante Brustkrebsstudie zu Etcamah sowie der PARP1-Hemmer Saruparib. Zusammen wird diesen vier Wirkstoffkandidaten ein unbereinigtes Spitzenumsatzpotenzial von rund 17,7 Milliarden US-Dollar zugerechnet.
Dem stehen jüngste Rückschläge gegenüber. Etcamah, auch als Camizestrant bekannt, verfehlte in der Phase-3-Studie SERENA-4 den primären Endpunkt beim progressionsfreien Überleben, obwohl eine numerische Verbesserung beobachtet wurde. Damit ist die Positionierung des Wirkstoffs in der Erstlinie bei fortgeschrittenem Brustkrebs weniger überzeugend als erhofft.
Die klinische Bilanz ist jedoch nicht durchgehend negativ. In der ADAURA-Studie zeigte Tagrisso nach acht Jahren weiterhin einen deutlichen Gesamtüberlebensvorteil. In der primären Patientengruppe sank das Sterberisiko um 47 Prozent; geschätzt waren nach acht Jahren 74 Prozent der mit Tagrisso behandelten Patienten am Leben, verglichen mit 58 Prozent unter Placebo. Bei Enhertu verbesserte sich in DESTINY-Lung04 das progressionsfreie Überleben in der Erstlinie bei HER2-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs ebenfalls deutlich: Das Risiko für Fortschreiten der Erkrankung oder Tod sank um 37 Prozent, die mediane progressionsfreie Zeit lag bei 14,3 statt 8,3 Monaten. Die Gesamtüberlebensdaten waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht reif für eine formale Hypothesenprüfung.
Bewertung im Branchenvergleich
Auf Basis der Gewinnschätzung für 2027 wird AstraZeneca mit etwa dem 14,3-Fachen des erwarteten Gewinns je Aktie bewertet. Das liegt über dem Branchendurchschnitt von 13,1, aber unter den Vergleichswerten von 15,0 für Novartis und 17,4 für Roche. Die Aktie ist damit nicht ausgesprochen günstig, wird im Branchenvergleich aber auch nicht mit einem hohen Bewertungsaufschlag gehandelt.
Im Zuge der Neubewertung wurde die relative Bewertungsannahme von 140 auf 110 Prozent des Sektorniveaus gesenkt. Ein weiteres Analysehaus stufte AstraZeneca zuletzt von Sell auf Hold hoch und erhöhte sein Kursziel von 11.500 auf 11.700 Pence. Die große Spanne zwischen den Kurszielen zeigt, wie unterschiedlich die Analysten derzeit die Pipeline- und Patentrisiken gewichten.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der Markt aktuell vor allem die Ausführungsrisiken bei Studien, Zulassungen und Produktstarts einpreist, nicht aber einen strukturellen Bruch des gesamten Geschäftsmodells. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung ein potenziell attraktives, aber keineswegs risikofreies Erholungsszenario. Die gesenkte Zielgröße macht deutlich, dass eine Neubewertung nur durch verlässliche Ergebnislieferungen und überzeugende Pipeline-Daten gerechtfertigt werden kann. Gleichzeitig begrenzen Patentabläufe und mögliche M&A-Fragen die Sicherheit der Kaufthese.
Für ADR-Anleger ist zudem die Einheit wichtig: Das Kursziel von 15.200 Pence bezieht sich auf die britische London-Notierung der AstraZeneca-Aktie. Der US-ADR wird in US-Dollar gehandelt, sodass Wechselkurseffekte und die konkrete ADR-Notierung die tatsächliche Rendite beeinflussen können.
Fazit & Ausblick
Der nächste wichtige Prüfstein ist die AVANZAR-Studie zu Datroway. 2027 dürften die Daten zu Laroprovstat, der Farxiga-Kombination, Etcamah und Saruparib die Neubewertung der Aktie maßgeblich bestimmen. Bis dahin bleibt AstraZeneca ein großer Pharmawert mit belastbarer Umsatzbasis, aber erhöhtem Studien-, Patent- und Umsetzungsrisiko.
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