Analysten stufen Advanced Blockchain AG nach ABAG-Reset auf Kaufen: Kursziel 2,00 EUR

Advanced Blockchain AG

Kurzüberblick

Mit Blick auf den fortgeschrittenen bilanziellen Reset und die Umstellung der Prüfungs- bzw. Kontrollsituation haben Analysten Advanced Blockchain AG (ABAG) erneut bewertet. Der Research-Ansatz kommt zu einer Kauf-Empfehlung und setzt ein Kursziel von 2,00 EUR mit Zeithorizont bis zum 31.12.2027.

Die Aktie notiert am 14.07.2026 um 09:01 Uhr bei 1,20 EUR und verbucht +6,95% zur Tagesmitte, während die Entwicklung seit Jahresbeginn weiterhin -52,94% beträgt. Für Anleger ist damit vor allem die Frage entscheidend, ob aus dem „bereinigten“ Fundament nun tatsächlich ein operativer Wertbeitrag entsteht.

Marktanalyse & Details

2025: Umsatzanstieg, Ergebnis jedoch weiter deutlich negativ

Für die Advanced Blockchain AG selbst stiegen die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2025 auf 0,31 Mio. EUR (Vorjahr: 0,23 Mio. EUR). Gleichzeitig blieb die operative Kostenbasis hoch: EBITDA (-1,67 Mio. EUR) nach (-1,29 Mio. EUR), EBIT (-3,36 Mio. EUR) nach (-1,46 Mio. EUR). Unter dem Strich fiel der Jahresfehlbetrag auf (-3,48 Mio. EUR) nach (-1,78 Mio. EUR).

Die Ergebnisentwicklung wurde laut Analyse erneut stark von rechtlich gebotenen Aufarbeitungs-, Rechts- und Beratungskosten sowie notwendigen bilanziellen Bereinigungen geprägt. Damit bleibt der operative Turnaround kurzfristig das zentrale Nadelöhr.

Incredulous Labs: Starker Wertbereinigungsmodus – aber mit Fortschritt beim Prüfungsvermerk

Der wesentlichste Einschnitt wird auf Ebene der Tochtergesellschaft Incredulous Labs Ltd. verortet. Dort sanken die Umsatzerlöse 2025 auf 0,05 Mio. USD (Vorjahr: 0,23 Mio. USD). Der Jahresfehlbetrag lag bei (-16,98 Mio. USD) nach zuvor einem angepassten positiven Nettoergebnis von 0,95 Mio. USD.

Als Haupttreiber werden umfangreiche Wertminderungen auf immaterielle Vermögenswerte und Token-Rechte, Fair-Value-Verluste auf nicht börsennotierte Projektinvestitionen sowie Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Forderungen genannt. Entsprechend drehte sich auch die Bilanz stark: Die Bilanzsumme fiel auf 5,39 Mio. USD nach 21,64 Mio. USD, das Eigenkapital drehte auf (-7,48 Mio. USD) nach +9,50 Mio. USD.

Gleichzeitig hebt die Studie eine qualitative Verbesserung hervor: Die Aufarbeitung historischer Sachverhalte sowie die Transformation der Governance- und Kontrollstrukturen seien so weit vorangekommen, dass für Incredulous Labs 2025 kein Versagungsvermerk, sondern nur noch ein eingeschränkter Bestätigungsvermerk erteilt wurde. Die verbleibende Einschränkung betrifft im Kern einen konzerninternen Saldo gegenüber der Brain Networks Ltd. Für die Kapitalmarktkommunikation kann diese Änderung ein wichtiger Schritt sein, weil sie zentrale Unsicherheiten sichtbar reduziert.

Finanzlage bleibt angespannt: Liquidität und Finanzierung sind der kurzfristige Fokus

Trotz des bilanziellen Fortschritts bleibt die Liquidität knapp: Die Advanced Blockchain AG verfügte zum 31.12.2025 über 0,11 Mio. EUR an liquiden Mitteln; Incredulous Labs wies Bankguthaben von rund 3.700 USD aus. Nach dem Bilanzstichtag habe die Liquiditätsbasis zudem durch ein Gesellschafterdarlehen in sechsstelliger Höhe kurzfristig Stabilisierung erfahren.

Für die Umsetzung der neuen Strategie sind laut Analyse aber weitere Finanzierungsmaßnahmen sowie eine erfolgreiche Monetarisierung von Portfoliowerten entscheidend.

ABAG 2.0: Von der Bereinigung zur operativen Wertschaffung

Strategisch steht der Übergang von der bilanziellen Bereinigung zur operativen Wertschaffung im Vordergrund. Unter dem Leitbild „ABAG 2.0“ soll das bisherige Beteiligungsmodell um Investments, Treasury, Innovation, Consulting und Analytics erweitert werden. Als konkrete Werttreiber werden u. a. ABX Analytics, Tokenisierungsprojekte, die Nutzung der Handelslizenz in Dubai/VAE sowie selektive Aktivitäten in AI- und Robotics-nahen Bereichen genannt.

Das Modell konzentriert das Portfolio zudem stärker auf wenige Kernpositionen mit höherem Wertsteigerungspotenzial, darunter PEAQ, Panoptic, zCloak/Starks Network sowie ausgewählte DeFi-, Infrastruktur- und DePIN-Positionen.

Analysten-Einordnung zur Bewertung

Die Kauf-These basiert auf einem Adjusted-NAV-Ansatz, weil klassische Multiplikatoren aufgrund fehlender normalisierter Ergebnisbasis nur begrenzt aussagekräftig seien. Auf Basis der bilanzierten Fair Values, verbliebenen Token- und Projektrechte sowie eines risikoadjustierten Wertansatzes für PEAQ kommt die Bewertung auf einen risikoadjustierten Bruttovermögenswert von 14,70 Mio. EUR. Nach Abzug externer Verpflichtungen, Finanzierungsabschlägen und kapitalisierter Holdingkosten ergibt sich ein Adjusted NAV von 8,12 Mio. EUR. Bei 4,06 Mio. ausstehenden Aktien entspricht das einem fairen Wert von 2,00 EUR je Aktie.

Dies deutet darauf hin, dass der wesentliche Erwartungswert weniger aus kurzfristiger Profitabilität, sondern aus dem Bewertungs- und Monetarisierungshebel des Portfolios entsteht. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung zwar eine potenziell verbesserte Ausgangslage durch die reduzierte Prüfungs-Unsicherheit – gleichzeitig bleibt das Investment spekulativ, weil Ergebnisbeiträge und Liquidität stark von Tokenmärkten, erfolgreichen Verkäufen/Monetarisierungen und der Verfügbarkeit von Finanzierung abhängen.

Was die aktuelle Kurslage für die Erwartungshaltung bedeutet

Ausgehend vom aktuellen Kurs von 1,20 EUR und dem Kursziel 2,00 EUR ergibt sich rechnerisch ein deutliches Kurspotenzial. Da die operative Ergebnislage 2025 jedoch weiter tief negativ blieb, dürfte die Marktreaktion vor allem davon abhängen, ob ABAG 2.0 in den nächsten Quartalen konkrete Fortschritte bei Umsetzungs- und Monetarisierungsmeilensteinen liefert.

Fazit & Ausblick

Die Studie setzt auf ein verbessertes Fundament: Der bilanziellen Reset sei weit vorangeschritten, die Kontroll- und Governance-Strukturen hätten den Prüfstatus verbessert, und die Bewertung orientiert sich konsequent an einem Adjusted-NAV-Modell. Gleichzeitig bleiben die Finanzlage und die operativ nachweisbare Wertschaffung die entscheidenden Variablen.

Für die nächsten Schritte werden vor allem Aktualisierungen zur Finanzierung, konkrete Fortschritte bei der Portfoliomonetarisierung und die nächsten Quartalszahlen (inkl. Ausblick zur operativen Umsetzung von ABAG 2.0) richtungsweisend sein.

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