Amazon prüft massiven Ausbau der Same-Day-Lieferung: Angriff auf Walmart
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Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Amazon prüft unter dem Projektnamen Mercury den Ausbau seiner Same-Day-Fulfillment-Zentren auf mehr als 1.000 Standorte bis 2031.
- Das Netzwerk könnte von derzeit rund 85 Einrichtungen aus verzehnfacht werden und 80 % der US-Prime-Kunden innerhalb von zehn Meilen erreichen.
- Die geplanten Zentren sollen rund 90.000 häufig gekaufte Artikel wie Lebensmittel, Papierwaren und Medikamente schneller verfügbar machen.
- Die Amazon-Aktie notierte am 17. September 2026 bei 218,90 Euro und lag 2,08 % im Plus.
Marktanalyse & Details
Projekt Mercury zielt auf den täglichen Einkauf
Amazon erwägt nach vorliegenden Planungsunterlagen eine massive Erweiterung seiner Infrastruktur für Lieferungen am selben Tag. Das unter dem Namen Project Mercury geführte Vorhaben könnte die Zahl der entsprechenden Fulfillment-Zentren in den USA innerhalb der nächsten fünf Jahre auf mehr als 1.000 erhöhen. Heute betreibt Amazon in diesem Bereich offenbar rund 85 Standorte.
Im Mittelpunkt steht nicht primär eine größere Produktauswahl, sondern die schnelle Verfügbarkeit eines konzentrierten Sortiments für den täglichen Bedarf. Die geplanten Zentren sollen ungefähr 90.000 besonders häufig bestellte Produkte lagern, darunter frische Waren, Haushaltsartikel und Medikamente. Nach den internen Projektionen könnten Same-Day-Fulfillment-Zentren 2029 rund 28 % des Paketvolumens von Amazon abwickeln; bis 2035 könnte der Anteil auf etwa 50 % steigen.
Wettbewerb mit Walmart verschärft sich
Mit dem Ausbau würde Amazon gezielt den Logistikvorteil von Walmart angreifen. Walmart kann seine stationären Filialen als lokale Auslieferungspunkte nutzen und erreicht damit nach den vorliegenden Vergleichsdaten rund 90 % der US-Bevölkerung innerhalb von zehn Meilen. Etwa 70 % der Online-Bestellungen des Einzelhändlers werden demnach noch am selben Tag zugestellt, mehr als 30 % innerhalb von drei Stunden.
Für Amazon wäre die Expansion zugleich eine Fortsetzung des Strategiewechsels hin zu näher an den Kunden gelegenen Lagern und einem größeren Angebot an Grundbedarfsgütern. Vorstandschef Andy Jassy hatte bereits berichtet, dass Amazon im ersten Halbjahr 2026 rund 40 % mehr Artikel am selben Tag oder über Nacht ausgeliefert habe als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Milliardeninvestitionen und Vorbehalte
Der Ausbau könnte teuer werden. Ein dreijähriger Betriebsplan sieht für die US-Kapazitäten bis 2027 ein Budget von rund 6,8 Milliarden US-Dollar vor. Amazon betont allerdings, die veröffentlichten Planungsunterlagen seien vorläufig und spekulativ. Interne Prognosen würden regelmäßig erstellt, überarbeitet und seien nicht als endgültige Investitionsentscheidung zu verstehen.
Die Aktie reagierte am Donnerstag positiv und lag zuletzt 2,08 % im Plus. Seit Jahresbeginn ergibt sich ein Kursanstieg von 11,15 %. Die Marktreaktion deutet darauf hin, dass Anleger den möglichen Ausbau zunächst als Wachstums- und Wettbewerbsimpuls bewerten, obwohl die finanziellen Belastungen noch nicht abschließend feststehen.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Amazon Same-Day-Lieferungen zunehmend als strategische Infrastruktur und nicht nur als Premium-Service für Prime-Kunden betrachtet. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung ein zweischneidiges Signal: Eine höhere Liefergeschwindigkeit kann die Kundenbindung stärken, den Einkauf von Lebensmitteln und Alltagsartikeln zu Amazon verlagern und die Nutzung der Plattform erhöhen. Gleichzeitig dürften der Aufbau lokaler Lager, die Bestandskosten und die letzte Meile den Margendruck verstärken. Entscheidend wird daher sein, ob Amazon die höhere Lieferdichte mit ausreichend Auftragsvolumen auslasten kann.
Fazit & Ausblick
Amazon setzt mit Project Mercury offenbar auf einen direkten Angriff auf Walmarts Vorteil beim schnellen Einkauf von Grundbedarfsgütern. Ob aus dem Vorhaben tatsächlich mehr als 1.000 Standorte werden, ist noch offen. Anleger sollten als Nächstes auf eine offizielle Investitionsentscheidung, konkrete Angaben zu den Betriebskosten und Fortschritte beim Ausbau des Same-Day-Netzes achten.
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