Advanced Blockchain AG: Buy-Research und Kursziel 2,00 EUR nach Bilanzreset – ABAG 2.0 braucht Proof

Advanced Blockchain AG

Kurzüberblick

Die Advanced Blockchain AG erhält in einem aktuellen Researchbericht die Einstufung mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 2,00 EUR. Der Zielwert soll bis zum 31.12.2027 erreicht werden. Im Fokus steht dabei der abgeschlossene Bilanz-Reset in der jüngsten Berichtsphase sowie die Frage, ob die geplante strategische Neuausrichtung unter dem Programm ABAG 2.0 künftig auch operativ belastbare Fortschritte liefert.

Zur Einordnung: Die Aktie notiert derzeit bei 1,21 EUR und legt am Tag deutlich zu, während das laufende Jahr weiterhin von hohen Rücksetzern geprägt ist. Anleger beobachten damit weniger eine kurzfristige Ergebniswende, sondern vor allem den Übergang von Bilanzbereinigung zu nachhaltiger Wertschöpfung.

Marktanalyse & Details

Finanzdaten: Umsatzanstieg, Ergebnis bleibt stark belastet

Für das Geschäftsjahr 2025 weist die Advanced Blockchain AG zwar einen Umsatzanstieg aus: Die Erlöse steigen auf 0,31 Mio. EUR nach 0,23 Mio. EUR. Gleichzeitig bleibt die Kostenbasis hoch, wodurch das operative Ergebnis weiter unter Druck steht. Das EBITDA verschlechtert sich auf -1,67 Mio. EUR nach -1,29 Mio. EUR, das EBIT fällt auf -3,36 Mio. EUR nach -1,46 Mio. EUR. Haupttreiber sind hohe Impairment-Aufwendungen im Rahmen der notwendigen Anpassungen.

  • EBITDA: -1,67 Mio. EUR nach -1,29 Mio. EUR
  • EBIT: -3,36 Mio. EUR nach -1,46 Mio. EUR
  • Jahresverlust: -3,48 Mio. EUR nach -1,78 Mio. EUR

Damit bleibt der Jahresverlust erneut stark von rechtlich erforderlichen Prüf- und Sanierungsarbeiten, Rechts- und Beratungskosten sowie umfangreichen bilanziellen Anpassungen geprägt.

Incredulous Labs: massiver Wertbereinigungs-Impuls im Konzern

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei der Konzerntochter Incredulous Labs Ltd. Dort sinken die Einnahmen im Jahr 2025 auf 0,05 Mio. USD nach 0,23 Mio. USD. Der Nettobetrag kippt von einem zuvor berichteten bereinigten Nettogewinn von 0,95 Mio. USD in einen Nettverlust von 16,98 Mio. USD. Als Ursachen werden umfangreiche Impairments auf immaterielle Vermögenswerte und Token-Rechte, Fair-Value-Verluste bei nicht börsennotierten Projektinvestments sowie Abschreibungen und Wertberichtigungen bei zweifelhaften Forderungen genannt.

  • Umsatz Incredulous Labs: 0,05 Mio. USD nach 0,23 Mio. USD
  • Nettverlust: 16,98 Mio. USD nach bereinigtem Nettogewinn von 0,95 Mio. USD
  • Gesamtvermögen: 5,39 Mio. USD nach 21,64 Mio. USD
  • Eigenkapital: -7,48 Mio. USD nach 9,50 Mio. USD

Für die Konzernkennzahlen bedeutet das in der kurzen Frist einen spürbaren Effekt auf die Bilanzrelationen. Gleichzeitig wird argumentiert, dass dieser Schritt einen deutlich konservativeren Ausgangspunkt für künftige Bewertungen schafft.

Governance-Fortschritt: von Verwerfungen zu qualifiziertem Prüfvermerk

Positiv hervorgehoben wird die Verbesserung der internen Kontroll- und Steuerungsstrukturen. Laut Bericht wurden die früheren Beanstandungen, die zu einem Vermerk mit Einschränkungen bzw. mit deutlichen Vorbehalten bei den Abschlüssen geführt hatten, in wesentlichen Teilen adressiert. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde statt eines Vermerks mit Verweigerung/Abkehr nun ein qualifizierter Prüfvermerk erteilt.

Die verbleibende Einschränkung betrifft vor allem einen unternehmensinternen Posten innerhalb der Gruppe. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal: Dies deutet darauf hin, dass die Gruppe die größten Transparenz- und Prozessrisiken zwar nicht komplett beseitigt, aber deutlich reduziert hat. Gleichzeitig bleibt klar, dass die finanzielle Lage angespannt ist.

Liquidität: geringer Cash-Buffer, neue Finanzierung als Schlüsselfrage

Zum 31.12.2025 verfügte die Advanced Blockchain AG über liquide Mittel in Höhe von 0,11 Mio. EUR. Incredulous Labs meldet zudem nur geringe Bankguthaben von rund 3.700 USD. Nach dem Bilanzstichtag wurde die Liquiditätsbasis durch ein Aktionärsdarlehen mit sechsstelliger Summe gestärkt. Für die Umsetzung der neuen Strategie werden jedoch weitere Finanzierungsmaßnahmen sowie eine erfolgreiche Monetarisierung von Portfoliowerten als entscheidende Voraussetzungen gesehen.

ABAG 2.0: strategischer Shift hin zu operativer Wertschöpfung

Mit ABAG 2.0 soll der Fokus vom Bilanz-Reset stärker auf operative Wertschöpfung verlagert werden. Das bisherige Investitionsmodell wird um Bereiche wie Investments, Treasury, Innovation, Consulting und Analytics erweitert. Zusätzliche Erlöspotenziale werden unter anderem über ABX Analytics, Tokenisierungsprojekte, die Nutzung einer Trading-Lizenz in Dubai sowie selektive Aktivitäten im Umfeld von KI und Robotik erwartet.

In der kurzfristigen Sicht sieht der Bericht noch keine wesentlichen Ergebnisbeiträge aus diesen Initiativen. Stattdessen soll das Portfolio stärker auf wenige Kernpositionen mit höherem Wertsteigerungspotenzial ausgerichtet werden, darunter PEAQ, Panoptic sowie zCloak/Starks Network und weitere selektive DeFi-, Infrastruktur- und DePIN-Positionen.

Analysten-Einordnung: Chancen aus NAV-Logik, Risiko aus fehlender Ergebnisbasis

Analysten-Einordnung: Die Kaufempfehlung stützt sich wesentlich auf eine angepasste NAV-Betrachtung statt auf klassische Kennzahlen wie KGV oder Umsatzmultiples. Das liegt daran, dass keine normalisierte Ertragsbasis vorliegt. Für Anleger bedeutet diese Logik: Das Upside-Potenzial entsteht vor allem aus bewerteten Vermögenswerten und einem begrenzten Optionswert für ABAG 2.0, während die echte Realisation stark davon abhängt, ob Token- und Portfoliomärkte mitspielen und ob sich Liquidität sowie Monetarisierungstaktung verbessern. Der Bilanz- und Governance-Reset kann damit das Bewertungsfundament verbessern, ersetzt jedoch nicht die operative Beweisführung.

Zur Bewertung wird unter anderem ein risikoadjustierter Brutto-Vermögenswert von 14,70 Mio. EUR und ein angepasster NAV von 8,12 Mio. EUR genannt. Bei 4,06 Mio. ausstehenden Aktien ergibt sich daraus ein fairer Wert von 2,00 EUR je Aktie. Der aktuelle Kurs von 1,21 EUR liegt damit weiterhin deutlich unter dem Zielwert und signalisiert, dass der Markt die Umsetzungsgeschwindigkeit bereits stark einpreist.

Fazit & Ausblick

Die Research-Logik setzt auf einen verbesserten Ausgangspunkt nach dem Bilanz-Reset und den Fortschritten in Governance und Kontrollen, aber sie betont zugleich die Abhängigkeit von Token-Märkten, der Portfolio-Monetarisierung sowie der Finanzierung. Entscheidend für die nächsten Schritte wird sein, ob ABAG 2.0 in den kommenden Quartalen konkrete Ergebnis- oder Liquiditätseffekte liefert und ob die Strategie die Lücke zwischen bilanziellem Wert und operativer Realität schließen kann.

Für Anleger dürfte damit insbesondere die Entwicklung der Finanzierungslage sowie belastbare Fortschrittsmeldungen zu ABX Analytics und Tokenisierungsprojekten in den nächsten Berichtsphasen im Vordergrund stehen.

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