adesso AG: Umsatz steigt 13%, EBITDA wächst 21% – Prognose 2026 bleibt trotz Verlusten bestätigt
Kurzüberblick
Die adesso SE hat für das erste Halbjahr 2026 ein deutliches Wachstum vermeldet: Der Umsatz stieg um 13% auf 794,3 Mio. €, während das EBITDA um 21% auf 45,8 Mio. € zulegte. Gleichzeitig bleiben die Ergebniskennziffern auf Konzernebene belastet: Das Konzernergebnis lag bei -7,2 Mio. € (H1), der Verlust je Aktie betrug -0,87 €. Der Vorstand bekräftigte den Ausblick für das Gesamtjahr 2026.
Die Zahlen wurden am 14.08.2026 veröffentlicht. Zur Einordnung: Die adesso-Aktie notierte zuletzt bei 62,10 € und legte am selben Tag um 2,31% zu, nachdem die Aktie seit Jahresbeginn weiterhin im Minus liegt (YTD: -30,15%). Für die Entwicklung im Marktumfeld sprechen vor allem die verbesserte Auslastung seit Mitte des zweiten Quartals sowie ein wachsender Beitrag aus dem GenAI-Geschäft – inklusive der Anfangsphase der im August kommunizierten KI-Übernahme omni:us.
Marktanalyse & Details
Operatives Wachstum: Umsatz & Auslastung als Treiber
Im zweiten Quartal 2026 – bei den wenigsten Arbeitstagen – erhöhte sich der Umsatz um 12% auf 396,2 Mio. €. Für das Gesamt-Halbjahr summiert sich das Wachstum auf 794,3 Mio. €.
- EBITDA (H1): 45,8 Mio. € – Plus 21% gegenüber dem Vorjahr (37,8 Mio. €). (EBITDA-Marge: 5,8% nach 5,4%).
- EBITDA (Q2): 18,8 Mio. € – gegenüber dem Vorjahresquartal rückläufig (Q2 2025: 20,8 Mio. €), primär wegen anfangs schwächerer Auslastung.
Im Management-Kommentar wird der Anstieg der Ergebnisbeiträge ab Mitte des zweiten Quartals hervorgehoben: Die Auslastung der eigenen Mitarbeitenden habe sich merklich verbessert und setze sich auch zum Start ins zweite Halbjahr fort. Damit rückt die operative Hebelwirkung stärker in den Fokus – insbesondere, wenn die zusätzlichen Arbeitstage im Jahresverlauf die Auslastung weiter stützen.
Ergebnis: Verlust bleibt – EBITDA zeigt aber operative Stärke
Auf Konzernebene blieb das Ergebnis im ersten Halbjahr negativ: Das Konzernergebnis lag bei -7,2 Mio. € wie im Vorjahr. Im zweiten Quartal verschärfte sich der Verlust auf -9,9 Mio. € nach 0,1 Mio. € im Vorjahresquartal. Auch beim Ergebnis je Aktie zeigt sich die negative Entwicklung: H1 -0,87 € (vorher -1,06 €), Q2 -1,26 € (vorher -0,04 €).
Ein wichtiger Punkt für Anleger: Die operative Kennzahl EBITDA verbessert sich spürbar, während die Ergebnisrechnung durch nicht-operative Effekte belastet wird. Genannt werden vor allem Abschreibungen im Rahmen eines turnusmäßigen Wertminderungstests (u. a. vollständige Abschreibung des Geschäfts- oder Firmenwerts im Zusammenhang mit material.one) sowie Belastungen aus Finanzergebnis und Beteiligungen.
GenAI als Wachstumshebel: messbarer Beitrag zum Auftragseingang
adesso sieht generative KI nicht nur als Trend, sondern als konkret messbaren Faktor im Neukunden- und Projektgeschäft. Der durch GenAI direkt beeinflusste Auftragseingang belief sich auf 73,7 Mio. €. Insgesamt beauftragten 72 Konzerne Kunden in sieben europäischen Ländern GenAI-Projekte – darunter agentische Systeme, KI-gestützte Kundendialoge und die Modernisierung zentraler Anwendungslandschaften. Rund 44% des Volumens entfielen dabei auf Neugeschäft.
Für Anleger bedeutet das: Wenn GenAI-Projekte zunehmend als neue Beziehungen in den Auftragseingang wirken, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Wachstum nicht nur zyklisch, sondern strukturell getragen wird. Allerdings bleibt die kurzfristige Ergebnisvolatilität aufgrund von Abschreibungen und Timing-Effekten relevant.
Strategische Zündung durch omni:us: KI-Schadenautomatisierung im Versicherungsumfeld
Mit der im August kommunizierten Übernahme von omni:us baut adesso das KI-Portfolio in der Versicherungswirtschaft aus. Die cloudfähige Plattform in|sure Ecosphere soll um automatisierte, KI-gestützte Schadenbearbeitung erweitert werden: simple Schadenfälle sollen vollautomatisiert gelöst werden, komplexe Fälle werden durch KI-Unterstützung in der Bearbeitung ergänzt.
Die Partnerschaft und Integration zielen darauf ab, KI-Funktionen in die bestehenden Prozess- und Kernsysteme der Versicherer zu verankern – statt isolierter Zusatzanwendungen. Strategisch passt das zur Kernpositionierung von adesso als Umsetzer produktiver KI im regulierten Umfeld.
Bilanz & Liquidität: Working Capital und Cashflow im Blick
- Finanzverbindlichkeiten: 204,4 Mio. € – 51,7 Mio. € höher als zum 31.12.2025.
- Working Capital: 259,8 Mio. € – plus 22% gegenüber dem Vorjahr, im Vergleich zum 31.03.2026 jedoch nur moderat weiter gestiegen.
- Operativer Cashflow: -28,1 Mio. € nach -38,7 Mio. € im Vorjahr (Verbesserung).
- Liquide Mittel: 49,2 Mio. €.
- Nettoverschuldung: -155,3 Mio. € (negativ) – rechnerisch spricht das für einen Netto-Guthaben-Charakter.
Dies deutet darauf hin, dass die operative Ergebnisverbesserung zwar nicht sofort in einen positiven Cashflow übersetzt wurde, die Lage aber im Jahresverlauf weniger angespannt erscheinen könnte als in der Vergleichsperiode.
Analysten-Einordnung
Für Anleger stützt die Kombination aus 13% Umsatzwachstum und +21% EBITDA-Taktik die operative These „Qualität vor Masse“: adesso steigert Ergebnisbeiträge trotz schwächerer Makrolage, weil die Auslastung nach dem Jahresstart wieder anzieht und die Produktivitätslogik (FTE-Wachstum unterhalb des Umsatzwachstums) greift. Gleichzeitig zeigt das weiterhin negative Konzernergebnis, dass die Wertminderungseffekte und der Ergebnismix kurzfristig dominieren – der entscheidende Prüfstein für die Nachhaltigkeit ist, ob sich die H1-Ergebnisverbesserung im zweiten Halbjahr auch in einer stabileren Konzernergebnisrechnung widerspiegelt.
Ausblick: Prognose für 2026 bekräftigt
Der Vorstand bestätigt den Prognosekorridor für 2026: Umsatz von 1,6 bis 1,7 Mrd. € sowie EBITDA zwischen 130 und 150 Mio. €. Als Begründung dienen die verbesserte Auslastung seit Mitte des zweiten Quartals und der erwartete stärkere Ergebnisbeitrag im zweiten Halbjahr durch zusätzliche Arbeitstage (2 gegenüber dem Vorjahr und 9 gegenüber der ersten Jahreshälfte 2026).
Fazit & Ausblick
adesso liefert im ersten Halbjahr 2026 einen klaren operativen Fortschritt: mehr Umsatz, stärkeres EBITDA und ein GenAI-getriebener Auftragseingang. Gleichzeitig bleibt das Konzernergebnis durch Abschreibungen und finanzielle Faktoren vorerst im Minus. Entscheidend wird nun, ob die bessere Auslastung aus dem zweiten Quartal in eine noch belastbarere Ergebnisentwicklung übergeht und ob die bekräftigte Prognose im weiteren Jahresverlauf weiter „eingetaktet“ werden kann.
Nächster Fokus: die Entwicklung der Auslastung und der Ergebnisbeiträge im zweiten Halbjahr sowie die Umsetzung der KI-Strategie rund um GenAI und die Integration von omni:us in die bestehenden Versicherungsplattformen.
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