
Ukraine-Frieden in Sicht? Die größten Gewinner- und Verlierer-Aktien
Der Ukrainekrieg dauert nun schon fast vier Jahre, doch zuletzt haben sich mehrere politische Signale verdichtet, die auf neue diplomatische Bewegung hinweisen. Die USA haben ihren ursprünglichen Waffenstillstandsentwurf deutlich reduziert und priorisiert, Kiew prüft zentrale Elemente offen, und Russland nimmt – trotz öffentlicher Vorbehalte – an technischen Gesprächsrunden in Genf und Abu Dhabi teil. Diese parallelen Schritte gab es seit langem nicht mehr.
An den Märkten ist diese mögliche Annäherung bereits sichtbar: Europäische Rüstungsaktien verlieren an Höhe, Gaspreise fallen auf Mehrmonatstiefs, während ukrainische Anleihen und osteuropäische Banken deutlich zulegen. Anleger beginnen ein Entspannungsszenario einzupreisen – ein klassischer „Friedenstrade“, der Gewinner und Verlierer schafft.
Und genau darum dreht sich die aktuelle Goldesel Topstory: Wir schauen auf den Sonderfall Rüstungsaktien, die wie kaum ein anderer Sektor direkt von Krisen und geopolitischer Unsicherheit abhängen. Parallel dazu analysieren wir die potenziellen Gewinner eines möglichen Friedens, also Unternehmen, die von fallenden Energiepreisen, stabileren Lieferketten und dem Wiederaufbau profitieren könnten.
Rüstungsaktien – zwischen Rekordboom und Friedensrisiko
Die Rüstungsindustrie zählt zu den größten Gewinnern der vergangenen Jahre. Unternehmen wie Rheinmetall, Hensoldt und Renk profitierten massiv von geopolitischer Unsicherheit, vollen Auftragsbüchern und der europäischen Aufrüstung – für viele Anleger ein moralischer Zwiespalt. Doch mit möglichen Fortschritten in Richtung Waffenstillstand stellt sich die Frage, wie stark die sogenannte Kriegsprämie in diesen Aktien abschmelzen könnte. Besonders Titel, die extrem stark gelaufen sind – etwa Rheinmetall mit einer Verzwanzigfachung innerhalb von fünf Jahren – tragen ein erhöhtes Bewertungsrisiko.
Ein vollständiger Einbruch der Branche ist dennoch unwahrscheinlich. Viele europäische Armeen stehen erst am Anfang ihrer Modernisierung, langfristige Verträge laufen über Jahre weiter, und der Bedarf an Luftverteidigung, Munitionsproduktion und Ersatzbeschaffung bleibt bestehen. Ein Frieden wäre daher vor allem ein kurzfristiger Dämpfer für den Sektor, aber keine grundlegende Trendwende im Geschäftsmodell der Unternehmen.
Rheinmetall: Auftragsgigant, aber irre Bewertung
Im ersten Halbjahr 2025 meldete Rheinmetall einen Rekordauftragsbestand von 63,2 Milliarden EUR und ein starkes Umsatzwachstum von 24,1 % auf 4,7 Milliarden EUR. Das operative Ergebnis stieg auf 475 Millionen EUR. Gleichzeitig belasteten hohe Investitionen in neue Werke die Marge, die leicht auf 10,0 % zurückging. Für die nächsten Jahre peilt das Management ambitionierte Ziele an: Bis 2027 sollen rund 20 Milliarden EUR Umsatz erreicht werden, langfristig sogar 40–50 Milliarden EUR.
Ein mögliches Friedensszenario in der Ukraine würde die Aktie kurzfristig unter Bewertungsdruck setzen. Viele Rüstungswerte tragen eine deutliche „Kriegsprämie“ im Kurs, und Rheinmetall gehört zu den größten Profiteuren der geopolitischen Unsicherheit. Das zeigen auch die Multiples: Das TTM-KGV liegt bei 81, das EV/EBITDA bei 36, die FCF-Rendite bei nur 0,57 %. Für Anleger bedeutet das: Die Auftragsbücher bleiben zwar voll, aber ein Teil der geopolitischen Fantasie könnte aus dem Kurs weichen.
Langfristig bleibt die Story dennoch intakt. Europas Armeen stehen erst am Anfang ihrer Modernisierung, und Rheinmetall ist in zentralen Segmenten wie Munition, Fahrzeugtechnik und Luftverteidigung stark positioniert. Die politische Abhängigkeit und der schnelle Produktionshochlauf bleiben operative Herausforderungen, doch es spricht vieles weiterhin für das Unternehmen.
Retest der 1500-EUR-Marke von unten?

Die Aktie von Rheinmetall hat seit Beginn des Ukraine-Krieges eine beeindruckende Rallye aufs Parkett gelegt. In der Spitze konnte die Aktie seit Februar 2022 über 2000 % Kursgewinn verbuchen. Dies verdeutlicht, dass nun auch die Fallhöhe sehr hoch ist, sofern der Krieg tatsächlich ein Ende finden sollte.
Die Marke von 1500 EUR ist zuletzt immer eine Unterstützung gewesen, die nun unterschritten wurde und aktuell von unten getestet wird. Auf Wochensicht konnte der SMA50 aktuell noch gehalten werden. Die Rheinmetall-Aktie schloss am vergangenen Freitag allerdings unter der wichtigen Marke von 1500 EUR.
Wer an einen Frieden glaubt, der könnte auf dem aktuellen Niveau oder spätestens unter den letzten Tiefs bei 1430 EUR eine Short-Position eröffnen mit Stop über 1536 EUR. Als charttechnische Ziele gelten die Bereiche um 1340 EUR und anschließend erst wieder die runde 1000 EUR-Marke.
Das vorgestellte Szenario könnte auch mit einem K.O.-Zertifikat der HSBC, WKN: HT85T6 (2,96er Hebel) umgesetzt werden.
Hensoldt: Rekordaufträge, teure Aktie
Hensoldt zählt zu den am stärksten wachsenden Hightech-Zulieferern im Verteidigungssektor. In den ersten neun Monaten 2025 stiegen Umsatz (+11,5 % auf 1,5 Milliarden EUR), bereinigtes EBITDA (+12,8 % auf 211 Millionen EUR) und Auftragseingang (+8,7 % auf 2,0 Milliarden EUR) deutlich an. Der Auftragsbestand von 7,1 Milliarden EUR sorgt für eine selten hohe Visibilität und sichert die Kapazitätsauslastung auf Jahre.
Das Management reagierte mit einer deutlichen Anhebung der Jahresprognose: Das Book-to-Bill-Verhältnis soll nun bei 1,6 bis 1,9 liegen, die EBITDA-Marge bei mindestens 18 %, und der Umsatz bei rund 2,5 Milliarden EUR. Besonders stark performte das Optronics-Segment mit einem Umsatzplus von 27,5 %, was die technologische Breite und die starke Nachfrage über nahezu das gesamte Portfolio hinweg zeigt.
Trotz der starken operativen Entwicklung zeigt die Bewertung, wie viel Optimismus bereits eingepreist ist: Das KGV liegt im TTM-Zeitraum bei 86,75, das KUV bei 3,38 und die Free-Cashflow-Rendite bei nur 1,41 %. Damit bleibt die Story langfristig intakt – gleichzeitig steigt die Fallhöhe, falls geopolitische Risiken nachlassen oder der Markt eine Friedensdividende einpreist.
Unterstützung gefallen

Die Hensoldt-Aktie ähnelt dem Chartbild von Rheinmetall. Die wichtige Unterstützung zwischen 75,50 und 81,25 EUR ist gefallen und auf dem aktuellen Niveau um 68 EUR stützt lediglich ein Volumencluster. Bei einem weiteren Abverkauf unter 67,40 EUR ist auch hier Vorsicht geboten. Ein mögliches Short-Setup wäre ein Einstieg unter 67,40 mit Stop über 71,70 oder spätestens 76,10 EUR – Ziele bei 60, 53,80 (Gap-Close Feb. 2025) und 45 EUR.
Dieses Szenario ließe sich auch mit einem K.O.-Zertifikat der DZ-Bank, WKN: DU5CSL (2,79er Hebel) umsetzen.
Renk: Explosives Wachstum
Die Aktie von Renk hat sich seit Jahresbeginn verdreifacht, gestützt durch stark steigende Militärbudgets und hohe Nachfrage nach Antriebssystemen. In den ersten neun Monaten 2025 legte der Umsatz um 19,2 % auf 928 Millionen EUR zu, das bereinigte EBIT stieg um 25,5 % auf 141 Millionen EUR. Der Auftragseingang wuchs um 45,2 % auf 1,25 Milliarden EUR – getragen vor allem vom Segment Vehicle Mobility Solutions.
Der Auftragsbestand erreichte 6,4 Milliarden EUR und entspricht dem Fünffachen des Jahresumsatzes, was Renk eine außergewöhnlich hohe Planungssicherheit verschafft. Für das Gesamtjahr erwartet das Management weiter einen Umsatz von über 1,3 Milliarden EUR sowie ein bereinigtes EBIT zwischen 210 und 235 Millionen EUR. Gleichzeitig zeigen sich erste Bremsfaktoren im Industriegeschäft.
Trotz dieser starken Fundamentaldaten ist die Bewertung hoch: Das KGV liegt bei 65,64, das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA bei 27,12, und die Free-Cashflow-Rendite beträgt nur 2,71 %. Viel Zukunft ist also bereits eingepreist – ein Risiko, falls sich geopolitische Spannungen abschwächen oder die Erwartungen am Capital Markets Day nicht erfüllt werden. Langfristig bleibt Renk jedoch bestens positioniert, solange die Verteidigungsbudgets weiter wachsen.
Fällt auch die nächste Zone?

Auch Renk hat vom Allzeithoch bereits massiv korrigiert. Die Aktie droht nun, auch die nächste Unterstützungszone nach Süden zu verlassen, nachdem bereits der Bereich zwischen 68 und 70,70 EUR nicht gehalten werden konnte.
Aktuell läuft wie bei Rheinmetall ein Retest der vorherigen Unterstützung von unten. Die Zone zwischen 51,60 und 54,20 EUR fungiert nun als Widerstand. Bei weiterer Schwäche könnte man hier auch eine erste Short-Position eröffnen und unter dem Tief von 47,50 EUR aufstocken.
Der Friedens-Turbo für Europas Wirtschaft?
An der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt – und die sieht plötzlich anders aus. Sollte sich ein Frieden abzeichnen, stehen wir vor einer massiven Sektor-Rotation: Das Kapital fließt aus den hoch bewerteten „Sicherheitspapieren“ der Rüstungsbranche zurück in die breite industrielle Basis Europas.
Das makroökonomische Szenario dreht sich dabei durch drei fundamentale Faktoren:
- Energie als Margen-Treiber: Ein stabiler Frieden nimmt die geopolitische Risikoprämie aus den Öl- und Gaspreisen. Für die energieintensive Industrie in Europa ist das der lang ersehnte Befreiungsschlag. Sinken die Inputkosten und stabilisieren sich die Lieferketten, steigen die Margen bei Chemie, Stahl und Produktion fast automatisch an.
- Marshall-Plan 2.0: Der Wiederaufbau der Ukraine ist keine Spendenaktion, sondern das größte Investitionsprojekt unserer Generation. Die Weltbank schätzt den Bedarf (RDNA4) auf fast 500 Milliarden US-Dollar über das nächste Jahrzehnt. Dieses Geld – finanziert von der EU, internationalen Fonds und privaten Investoren – fließt primär in Infrastruktur, moderne Energienetze und den Bausektor.
- Risk-On für Europa: Der Krieg in der Ukraine ist seit 2022 ein enormer Unsicherheitsfaktor für Europa. Fällt dieses Risiko weg, könnte Kapital in den EuroStoxx zurückkehren und die Bewertungslücke zu den USA könnte verringert werden.
Welche Aktien profitieren besonders?
Siemens Energy: Rückgrat für ein stabiles Power Grid
Siemens Energy deckt als einer der wenigen globalen Player die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Erzeugung über die Übertragung bis zur Speicherung. Genau dieser Mix ist für den Wiederaufbau entscheidend, da die ukrainische Infrastruktur gezielt zerstört wurde. Hier trifft ein enormer Nachholbedarf auf ein knappes Angebot: Hocheffiziente Gasturbinen zur Netzstabilisierung sind weltweit Mangelware, was Siemens in eine starke Preissetzungsmacht bringt.
Für die dauerhafte Anbindung an das europäische Stromnetz ist zudem die Sparte „Grid Technologies“ unverzichtbar. Da der Wiederaufbau unter dem Motto „Build Back Better“ steht, dürfte über die Tochter Gamesa parallel massiv grüne Windkraft-Kapazität entstehen.
Finanziell ist der Turnaround voll im Gang: Mit einem Rekord-Auftragsbestand von 123 Mrd. Euro und einem Jahresumsatz von zuletzt 34,5 Mrd. Euro zeigt der Trend steil nach oben. Analysten erwarten bis 2028 einen Umsatzsprung über die 50-Milliarden-Marke, ein großes Ukraine-Paket wäre hier der ultimative Beschleuniger.
Der Top-Bulle am deutschen Markt

Die Aktie von Siemens Energy ist zuletzt einer der Top-Bullen am deutschen Markt und eine der heftigsten Turnaround-Stories der letzten Zeit. Von unter 6,50 EUR im Oktober 2023 legte die Aktie eine heftige Erholungsbewegung aufs Parkett – in der Spitze legte die Aktie über 1700 % zu. Der Bereich um die runde 100-EUR-Marke hat zuletzt mehrfach als Unterstützung gedient und auch bei Goldesel Premium konnten hier einige Mitglieder von den Trades von Michael profitieren. Wenn ihr bei Goldesel Premium reinschauen wollt, nutzt unbedingt jetzt unseren Black Friday Deal (siehe unten).

Von der Unterstützung bei 100 EUR hat die Aktie mittlerweile wieder deutlich hinzugewonnen und konnten am vergangenen Freitag, den 28. November, erstmals über 115 EUR schließen. Bei weiterer Stärke könnte man einem Ausbruch folgen. Ein Rücksetzer in Richtung 100 EUR könnte hingegen eine neue, antizyklische Einstiegsmöglichkeit ergeben.

Erste Group: Der Finanzplatz von Osteuropa
Die Erste Group ist als unangefochtener Marktführer in Zentral- und Osteuropa positioniert. Ob in Tschechien, der Slowakei oder Rumänien: Die Bank fungiert als finanzielles Rückgrat für den Mittelstand und die privaten Haushalte. Das Geschäftsmodell ist klassisch und robust, wenn die Wirtschaft in den östlichen EU-Ländern wächst, verdient die Erste über Kredite und Transaktionsgebühren direkt mit.
Ein Frieden in der Ukraine wäre der Zünder für die nächste Wachstumsstufe. Sobald die geopolitische Unsicherheit weicht und internationale Wiederaufbau-Gelder in die Region fließen, dürfte das Kreditvolumen spürbar anziehen.
Dass die Bank operativ bereits jetzt in Topform ist, zeigt ein Blick in die Zahlen: Der Gewinn je Aktie hat sich seit den Krisenjahren massiv gesteigert und kratzte 2024 bereits an der Marke von 8,00 Euro. Mit diesem hohen Ertragsniveau im Rücken und der Aussicht auf sinkende Risikokosten ist die Aktie fundamental stark untermauert.
Ausbruch über 93,85 EUR?

Die Aktie der Erste steht an ihrem Allzeithoch und könnte über 93,85 EUR auf neue Höchststände ausbrechen. Man könnte hier bei einem Ausbruch eine Position eröffnen – in diesem Falle würde ich den Stop allerdings eher eng wählen. Rücksetzer in die Unterstützungszonen zwischen 80,90 und 82 EUR sowie 86,60 bis 88,50 EUR könnten für einen Neueinstieg genutzt werden – insbesondere in Kombination mit einem Test der 50-Tagelinie.

Heidelberg Materials: Baustoffe für den Wiederaufbau
Heidelberg Materials ist einer der weltweit größten Hersteller von Zement und Beton. Da diese Baustoffe schwer und teuer zu transportieren sind, ist dies quasi ein „Local Business“. Gewinnen wird im Wiederaufbau-Szenario also derjenige, der die Werke in direkter Nachbarschaft hat.
Genau hier liegt der Burggraben: Heidelberg Materials verfügt über ein massives Produktionsnetzwerk in Osteuropa. Dazu gehören das Zementwerk Górażdże in Polen (eines der größten in ganz Europa) sowie drei strategisch wichtige Standorte in Rumänien. Diese Werke fungieren als ideale logistische Hubs, um die grenznahe Nachfrage aus der Ukraine für Brücken, Straßen und Wohnbau zu bedienen.
Blickt man auf die Zahlen, sieht man aktuell noch leichte Schwäche aufgrund der lahmen Baukonjunktur: Der Umsatz konsolidierte sich 2024 auf einem stabilen Niveau von rund 21,20 Milliarden Euro. Doch die Perspektive dreht: Analysten prognostizieren für die kommenden Jahre bereits einen deutlichen Wachstumsschub Richtung 24 bis 26 Milliarden Euro. Startet das milliardenschwere Infrastrukturprogramm, dürfte diese Kurve noch steiler verlaufen.
Aufwärtstrend stabil

Für einen „Langweiler“ wie die Aktie von Heidelberg Materials ist die Performance zuletzt ebenfalls beeindruckend. Die Aktie konnte seit Jahresbeginn über 80 % zulegen und die Aufwärtstrendlinie hat bereits mehrfach gehalten. Aus einer Konsolidierung zwischen der Unterstützungszonen zwischen 185 und 191,50 EUR und dem ehemaligen Widerstand zwischen 207,70 und 212,20 EUR ist die Aktie zuletzt unter starkem Volumen ausgebrochen. Etwaige Long-Trades gilt es aber unter Berücksichtigung der fundamental noch überschaubaren Entwicklung gut zu überwachen. Ein Rücksetzer auf die letzte Unterstützung ggfs. in Kombination mit einem Test der Aufwärtstrendlinie, könnte eine spannende Einstiegschance sein.
BASF: Europas Chemieriese wartet auf günstigere Energie
BASF ist der weltgrößte Chemiekonzern und gleichzeitig einer der größten industriellen Gasverbraucher Deutschlands. Allein am Stammwerk Ludwigshafen – dem größten zusammenhängenden Chemieareal der Welt – verbraucht der Konzern in normalen Jahren mehr Erdgas als die gesamte Schweiz. Genau diese Abhängigkeit wurde seit Kriegsbeginn 2022 zum Belastungsfaktor: Die explodierenden Energiepreise drückten massiv auf die Margen, Anlagen mussten teilweise stillgelegt werden, und das Management kündigte einen tiefgreifenden Umbau am Standort Europa an.
Im dritten Quartal 2025 meldete BASF einen Umsatz von 14,3 Milliarden EUR, leicht unter Vorjahr. Das EBITDA vor Sondereinflüssen lag bei 1,4 Milliarden EUR. Die Zahlen zeigen: Der Konzern kämpft weiterhin mit einem schwachen Marktumfeld und zurückhaltender Kundennachfrage in nahezu allen Branchen und Regionen. Positiv: Das Volumen entwickelte sich leicht aufwärts, und BASF konnte die Markterwartungen knapp übertreffen.
Ein Friedensszenario würde für BASF zum echten Befreiungsschlag werden. Sinkende Gaspreise würden die Produktionskosten am Standort Europa spürbar entlasten. Zudem würde eine stabilere geopolitische Lage die Investitionsbereitschaft der Industrie beleben und damit die Nachfrage nach Basischemikalien, Kunststoffen und Agrarlösungen stärken. Die Bewertung ist mit einem erwarteten KGV von rund 17 für 2025 moderat, die Dividendenrendite liegt bei 5 %.
Ausbruch über die gleitenden Durchschnitte

BASF ist seit Beginn des Jahres 2022 in einer Seitwärtsphase zwischen 38 und 55 EUR gefangen (Zonen aus dem Wochenchart). Immerhin wurden zuletzt die 200- und die 50-Tagelinie überwunden und die Zone zwischen 38 und 40,25 EUR hat wieder einmal gehalten. Long bei weiterer Stärke über 45,15 EUR mit Stop unter der 200-Tagelinie bzw. unter 44 EUR.
Von einem wirklichen Turnaround könnte man übergeordnet jedoch erst jenseits von 55 EUR sprechen. Kurzfristig könnte die Aktie aber von fortschreitenden Friedensverhandlungen profitieren.
Das vorgestellte Trading-Szenario könnte auch mit einem K.O.-Zertifikat der HSBC, WKN: HT21EG (3,8er Hebel) umgesetzt werden.
Hochtief: Infrastruktur-Champion auf allen Kontinenten
Hochtief ist längst kein klassischer deutscher Baukonzern mehr, sondern ein global aufgestellter Infrastruktur-Gigant. Über die US-Tochter Turner – Amerikas größter Hochbaukonzern – und die australische CIMIC-Gruppe deckt Hochtief komplexe Großprojekte auf nahezu allen Kontinenten ab. Der Fokus liegt auf Megatrends wie Digitalisierung, Energiewende und kritische Mineralien.
Die Zahlen für die ersten neun Monate 2025 unterstreichen die Dynamik: Der operative Nettogewinn stieg um 19 % auf 538 Millionen EUR, der Umsatz legte um 19 % auf 28,1 Milliarden EUR zu. Besonders beeindruckend: Der Auftragsbestand erreichte mit 70 Milliarden EUR ein neues Rekordniveau, getrieben durch Großaufträge im Bereich Rechenzentren und erneuerbare Energien. Das Management hob die Jahresprognose deutlich an und erwartet nun einen operativen Gewinn zwischen 750 und 780 Millionen EUR.
Für einen möglichen Ukraine-Frieden ist Hochtief gleich doppelt positioniert. Erstens profitiert der Konzern direkt vom deutschen Infrastrukturfonds über 500 Milliarden EUR, der die Modernisierung von Brücken, Schienen und Straßen finanzieren soll – hier hat sich das deutsche Orderbuch in den letzten drei Jahren bereits fast verdoppelt auf 5,2 Milliarden EUR. Zweitens wäre Hochtief mit seiner Expertise im Großprojekt-Management ein natürlicher Kandidat für den Wiederaufbau der Ukraine, der Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe erfordern wird. Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn bereits mehr als verdoppelt, was zu einer höheren Bewertung geführt hat: Das TTM-KGV liegt bei rund 28, das EV/EBITDA bei knapp 8.
Ausbruch über 300 EUR erfolgt

Hochtief hat wie auch Heidelberg Materials in diesem Jahr deutlich zugelegt und blickt auf eine Performance seit Jahresbeginn von schlappen 134 %. Ein Retest auf die Zone zwischen 261,80 und 268 EUR führte zuletzt zu weiteren Kurssteigerungen. In der letzten Woche wurde auch die kleinere und eher psychologische Hürde von 300 EUR genommen. Bei einem Retest der 300-EUR-Marke könnte man hier den Einstieg suchen. Nach dem massiven Anstieg der Aktie sollte man aber die Positionsgröße und den Stop entsprechend sorgfältig auswählen – spannender wäre ein antizyklischer Einstieg bei einem erneuten Rücksetzer Richtung 260 EUR.

Raiffeisen Bank International: Der CEE-Spezialist mit Russland-Altlast
Die Raiffeisen Bank International (RBI) ist Österreichs größte Bank und einer der wichtigsten Finanzdienstleister in Zentral- und Osteuropa. Mit Tochterbanken in 13 Märkten der Region – von Tschechien über Rumänien bis zur Ukraine – ist die RBI tief in der wirtschaftlichen DNA Osteuropas verwurzelt. Genau diese Stärke wurde seit 2022 jedoch auch zur Belastung: Das Russland-Engagement der Bank führte zu massiven Bewertungsabschlägen und regulatorischem Druck.
Die Zahlen für die ersten neun Monate 2025 zeigen eine klare Zweiteilung: Im Kerngeschäft (ohne Russland) erzielte die RBI einen Nettogewinn von über einer Milliarde EUR, ein Plus von 21 % gegenüber dem Vorjahr. Die Provisionserträge stiegen um 9 %, die Risikokosten sanken um 23 %, und die Kapitalquote (CET1) liegt bei soliden 15,7 %. Die Quote notleidender Kredite fiel auf historisch niedrige 1,7 %.
Gleichzeitig baut die RBI ihr Russland-Geschäft konsequent ab: Seit Kriegsbeginn wurde das Kreditvolumen in Russland von 13,7 auf 4,5 Milliarden EUR reduziert. Die russische Tochter ist damit nur noch die fünftgrößte Einheit im Konzern. Ein Frieden würde für die RBI gleich mehrfach wirken: Die geopolitische Risikoprämie auf die Aktie – die trotz solider Fundamentaldaten mit einem erwarteten KGV von nur rund 7 für 2025 bewertet wird – könnte sich deutlich auflösen. Zudem würde eine wirtschaftliche Erholung Osteuropas die Kreditnachfrage in den Kernmärkten ankurbeln. Die RBI wäre einer der natürlichen Finanzpartner beim Wiederaufbau der Region.
Zonen Fehlanzeige

Auch das Chartbild der Raiffeisen Bank zeigt, dass die Börse hier schon wieder viel vorweggenommen hat. Die Aktie konnte dieses Jahr auch schon über 80 % zulegen und es ergibt sich charttechnisch kein klares Einstiegssignal. Ein Rücksetzer in den Bereich um 32 EUR – idealerweise verbunden mit einem Test der Aufwärtstrendlinie – wäre ein schönes Setup. Darüber hinaus besitzt noch der Bereich zwischen 27 und 28 EUR eine gewisse Relevanz. Die Zone wurde beim Ausbruch jedoch schon einmal überhaupt nicht respektiert, hielt danach jedoch mehrfach Stand.
Fazit
Ein Ende des Ukraine-Kriegs wäre ein potenzieller Wendepunkt für die europäischen Aktienmärkte. Während Rüstungswerte wie Rheinmetall, Hensoldt und Renk mit einer schmelzenden Kriegsprämie rechnen müssten, profitieren Infrastruktur-, Energie- und Finanzwerte vom Dreiklang aus sinkenden Energiepreisen, Wiederaufbaubedarf und einer Renaissance Osteuropas.
Die Top 3: Diese Friedens-Aktien stechen heraus
- Hochtief: Der Infrastruktur-Gigant ist gleich doppelt positioniert. Der deutsche Infrastrukturfonds über 500 Milliarden EUR und ein potenzieller Ukraine-Wiederaufbau in dreistelliger Milliardenhöhe bieten Rückenwind. Das deutsche Orderbuch hat sich bereits auf 5,2 Milliarden EUR verdoppelt, der Gesamtauftragsbestand liegt auf einem Rekordniveau von 70 Milliarden EUR. Der operative Gewinn wächst 2025 um bis zu 25 %. Charttechnisch ist die Aktie allerdings schon weit vorausgeeilt.
- Siemens Energy: Der Energietechnik-Konzern deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Gasturbinen über Stromnetze bis zu Windkraft. Für den Wiederaufbau der zerstörten ukrainischen Infrastruktur ist genau diese Expertise unverzichtbar. Mit einem Rekord-Auftragsbestand von 123 Milliarden EUR und dem erwarteten Umsatzsprung über 50 Milliarden EUR bis 2028 ist das Unternehmen bestens positioniert. Ein Ausbruch über 115 EUR könnte eine prozyklische Einstiegsgelegenheit sein.
- Raiffeisen Bank International: Die CEE-Bank notiert mit einem erwarteten KGV von nur rund 7 für 2025 trotz starker Fundamentaldaten – der Nettogewinn im Kerngeschäft stieg um 21 % auf über eine Milliarde EUR. Das Russland-Exposure wurde massiv abgebaut. Bei einem Frieden könnten sich die geopolitischen Risikoabschläge auflösen und die Bank zum Finanzpartner beim Wiederaufbau werden. Der charttechnische Einstieg ist hier allerdings schwer zu finden.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Die Autoren sind im besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert (Rheinmetall Short).
Transparenzhinweis. Der Artikel dient nur Informationszwecken und stellt keinen Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Die im Artikel vorgestellten Derivate werden durch die Redaktion ausgesucht. Wir arbeiten aber mit ausgewählten Emittenten zusammen, die mit der Goldesel Trading & Investing GmbH in einer Geschäftsbeziehung stehen. Bitte beachten Sie: Der Handel mit Derivaten ist mit einem erheblichen Risiko verbunden und kann unter Umständen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.
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