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Lars Weigand in Börsennews

07.02.2026 16:07

Blogartikelbild Tech-Crash, Novo Nordisk implodiert & Amazons gigantische Cap-Ex

Tech-Crash, Novo Nordisk implodiert & Amazons gigantische Cap-Ex

In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” unseres Goldesels Michael Flender und Daniel von Investflow sprechen unsere beiden Experten über die aktuelle Lage am Markt. Tech-Aktien standen bis Freitag weiter unter Druck, ehe eine Erholung zum Wochenende einsetzte. Auch Silber, Gold und die Kryptowährungen hatten weitere Abgaben die Woche über zu verkraften.

Außerdem geht es um die unterirdischen Quartalszahlen von Novo Nordisk und Amazons gigantisch anwachsende Ausgabenpolitik.

Warum Tech-Aktien weiter crashten, ob der Turnaround bei Novo Nordisk noch realistisch ist und warum Amazon seine Capex-Ausgaben massiv steigert, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe bei Apple PodcastSpotify oder direkt bei Youtube.

Kurzer Überblick: Was gerade an den Märkten passiert

  • Starke Verkäufe im Softwaresektor: Viele hoch bewertete Softwarewerte haben innerhalb weniger Tage zweistellige Verluste erlitten.
  • Krypto und Edelmetalle: Bitcoin fiel zeitweise knapp unter 60.000 USD, Silber verzeichnete an einem Tag Rückgänge in der Größenordnung von 15-17 %.
  • Sektorrotation: Dividenden- und Value-Werte laufen wieder besser, nachdem sie lange Zeit hinter der Tech-Rallye zurückbleiben mussten.
  • Unternehmensereignisse: Novo Nordisk gerät erneut unter Druck wegen einer billigen Abnehmpille von Hims & Hers; Amazon meldet starke Zahlen, kündigt aber hohe Investitionen an.

Warum die Tech-Aktien so stark fallen

Die Logik hinter dem Sell-off ist vielschichtig und emotional: Marktteilnehmer reagieren auf neue KI-Tools und -Ankündigungen mit der Erwartung, dass klassische Softwarelösungen obsolet werden könnten. Jedes neue Modell, jeder neue Agent und jede Produktankündigung von OpenAI, Anthropic & Co. führt aktuell zu Verunsicherung – trotz vielfach guter Quartalszahlen der betroffenen Unternehmen.

Hinzu kommen starke Abflüsse aus Fonds und hoch gehebelte Positionen, die in einem Abwärtsmarkt zwangsläufig liquidiert werden. Solche Kaskaden verstärken die Bewegung und erzeugen kurzfristig extreme Preisreaktionen, die mit den Fundamentaldaten oft nicht mehr viel zu tun haben.

Agenten-Hype vs. Realität

Neue Produkte wie OpenAIs „Fronty“ oder Anthropics „Claude Opus 4.6“ befeuern die Debatte: Werden KI-Agenten klassische Software überflüssig machen? Die Antwort ist komplizierter als ein schnelles „Ja“ oder „Nein“. Entscheidend ist die Frage nach vertrauenswürdigen Datenquellen und Integrationsfähigkeit.

Single Source of Truth bleibt ein kritisches Konzept: KI-Agenten brauchen eine verlässliche, sichere und rechtlich saubere Datenbasis – beispielsweise CRM-Systeme, ERP-Daten (SAP), Service-Now-Instanzen oder andere Enterprise-Systeme. Ohne diese Basis drohen Halluzinationen, falsche Entscheidungen und rechtliche sowie sicherheitstechnische Probleme.

“AI doesn’t replace Enterprise orchestration, it depends on it.”

Diese Aussage bringt es auf den Punkt: KI verändert Prozesse, ersetzt die Orchestrierung auf Unternehmensebene aber nicht automatisch. Vielmehr entsteht Nachfrage nach neuen Integrations- und Governance-Lösungen – also Chancen für etablierte Anbieter, nicht zwangsläufig ihr schnelles Aus.

Retail- und Hebelrisiken: Warum manche Verluste so hart sind

In den USA sind hoch gehebelte Produkte und riskante Optionen weit verbreitet. Viele Privatanleger waren in den vergangenen Monaten aggressiv long-positioniert, in manchen Fällen wurde mit „Haus und Hof“ gezockt. Wenn Kurse plötzlich drehen, werden diese Positionen liqudiert – das treibt Verkäufe weiter an.

Hebelzertifikate auf Silber sowie Krypto-Engagements haben einige Anleger in existenzielle Schwierigkeiten gebracht. Wer mit Margin oder 3x-ETFs arbeitet, kann in sehr kurzer Zeit große Verluste realisieren.

Was das für Privatanleger heißt

  • Keine Hebelprodukte, wenn du das Risiko nicht tragen kannst. Hebel multiplizieren Bewegungen – nach oben wie nach unten.
  • Liquidität und Notfallbudget: Investiere nur Geld, auf das du kurzfristig verzichten kannst, falls es zu panikartigen Verkäufen kommt.
  • Langfristiger Horizont: Wer buy-and-hold mit klaren Zielen verfolgt, wird kurzfristige Ausreißer ertragen können.
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Sektorrotation: Dividendenwerte profitieren kurzfristig

Während Technologie-Aktien taumeln, haben Dividendenwerte und „langweilige“ Aktien wieder Zulauf. Das hat viel mit Erwartungsverschiebung zu tun: Wenn die Liquidität aus riskanteren Positionen abfließt, suchen Anleger oft nach stabilen Cashflows und Dividenden als sicherer Hafen.

Wichtig zu beachten: Die outperformance von Dividendenwerten ist nicht unbedingt eine langfristige Wendung im Markt. Viele dieser Titel hatten mehrere schlechte Jahre hinter sich und profitierten zuletzt vor allem vom schwächer gewordenen Dollar. Eine ausgewogene Sicht bleibt ratsam.

Novo Nordisk und die Billigpille

Aktienverlinkung: US6701002056

Novo Nordisk bleibt eines der Themen mit herausragender Volatilität. Nach zuvor starken Kursgewinnen kam es zu einer deutlichen Korrektur, ausgelöst durch einen enttäuschenden Ausblick.

Aktuell sorgt zudem eine Ankündigung von Hims & Hers für zusätzlichen Druck: Das Unternehmen verspricht eine preiswertere orale Alternative zu den etablierten Gewichtsverlust-Medikamenten. Kritiker stellen aber die Wirksamkeit und vor allem die Bioverfügbarkeit in Frage. Es kursieren Berichte, dass die Wirkstoffe ohne geeignete Umhüllung vom Magen abgebaut werden und damit kaum Wirkung entfalten.

Die FDA hat klar gemacht, dass sie gegen Massenvermarktung von illegalen „Copycat“-Präparaten vorgehen will. Das ist eine wichtige Entwicklung: regulatorische Eingriffe können sowohl Hims & Hers treffen als auch Marktunsicherheit für alle Beteiligten erzeugen.

Kurzfristig erhöht die Ankündigung den Druck auf Novo Nordisk, doch die fundamentalen Fragen rund um Marktstellung, Produktion und regulatorische Zulassungen bleiben zentral. Bei Investitionen in diesen Bereich ist daher erhöhte Vorsicht angebracht.

Amazon: Starkes Wachstum, aber massive Capex-Pläne

Aktienverlinkung: US0231351067

Die Zahlen von Amazon waren operativ stark: AWS wächst mit kräftigem Tempo (aktuell rund 24 %) und die Werbeumsätze legen weiter zu (+22 %). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) zeigte solide Zahlen, und viele Kennzahlen übertrafen die Erwartungen oder lagen praktisch auf dem prognostizierten Niveau.

Trotzdem geriet die Aktie unter Druck – ausgelöst durch die Ankündigung deutlich erhöhter Investitionen. Amazon plant offenbar Capex in der Größenordnung von rund 200 Milliarden USD für die kommenden Jahre, mit Fokus auf KI-Chips, Rechenzentren, Robotik und Satellitenprojekt Leo. Zum Vergleich stehen die geplanten oder angekündigten Ausgaben anderer Großplayer:

  • Amazon: ~200 Mrd. USD
  • Alphabet: ~180 Mrd. USD
  • Microsoft: ~117 Mrd. USD
  • Tesla: ~20 Mrd. USD
  • Apple: ~13 Mrd. USD

Die Marktreaktion zeigt: Anleger strafen aktuell hohe Investitionspläne ab, selbst wenn die Investitionen strategisch sinnvoll erscheinen. Die Sorge ist: Werden diese Milliarden zu attraktiven Renditen führen oder binden sie Kapital ohne kurzfristigen Mehrwert?

Warum Amazon dennoch ein solides Argument bleibt

Amazon hat in früheren Investitionszyklen bewiesen, dass es große Ausgaben monetarisieren kann. Nach massiven Capex-Phasen in der Vergangenheit stiegen Margen und Profitabilität deutlich. AWS bleibt ein extrem profitables Geschäft, Werbeumsätze sind hochmargig und das Chipedesign-Geschäft (Trainium) wächst rasant.

Wer Amazon als langfristige Basisposition betrachtet, kann die erhöhte Volatilität als Kaufgelegenheit sehen. Kurzfristig bleibt jedoch Geduld gefragt – die Aktie kann weiter schwanken, bis die Investitionen Früchte tragen.

Konkrete Handlungsempfehlungen

In einem Marktumfeld mit hoher Volatilität helfen klare Regeln und Disziplin. Hier sind pragmatische Maßnahmen:

  1. Keine Panikverkäufe: Kurzfristige Panik führt oft zu Verlusten, die vermeidbar wären. Erst prüfen, dann handeln.
  2. Positionsgrößen kontrollieren: Nicht mehr Kapital pro Position riskieren, als man verkraften kann.
  3. Vermeide Hebelprodukte: Wenn du kein professioneller Trader bist, Finger weg von hoch gehebelten ETFs, Zertifikaten oder Margin-Positionen.
  4. Langfristige Perspektive: Bei Investments mit gutem Geschäftsmodell kann Geduld belohnt werden. Definiere klare Kriterien für Ein- und Ausstiege.
  5. Streuen: Diversifikation reduziert das Risiko einzelner Ausreißer.
  6. Fundamentale Analyse: Setze nicht allein auf Hype-Themen. Prüfe Margen, Cashflow, Verschuldung und Wettbewerbsvorteile.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

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