Blogartikelbild Steht ein US-Abschwung doch unmittelbar bevor?
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Steht ein US-Abschwung doch unmittelbar bevor?

Bisher blieb eine US-Rezession aus. Das soll sich bald ändern. Dafür gibt es sogar gute Argumente. Für den Aktienmarkt wäre es fatal.

Ökonomen haben den prognostizierten Beginn einer Rezession immer weiter nach hinten verschoben. Aktuell besteht ein Konsens darüber, dass es Anfang 2024 „endlich“ soweit sein soll und die US-Wirtschaft stark abkühlt. Persönlich traue ich der US-Wirtschaft noch etwas mehr zu. Irgendwann aber werden höhere Zinsen plötzlich durchschlagen. Das dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2024 ein Thema sein.

Der Aktienmarkt reagiert früher als die Realwirtschaft. Ab Frühjahr könnte es daher brenzlig werden. Bis dahin ist nicht viel zu gewinnen, aber auch nicht viel zu verlieren. Stattdessen werden sich viele wundern, wie robust der Markt ist. Die Widerstandsfähigkeit hat der Aktienmarkt bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Obwohl die Überschussliquidität so stark fällt wie noch nie, konnte der Markt steigen. Die Korrelation von Überschussliquidität und Aktienmarkt ist im Normalfall hoch (Grafik 1). Zum Jahrtausendwechsel war dies nicht der Fall. Das Platzen der Internetblase setzte die Korrelation kurzfristig außer Kraft.

Wenn die Überschussliquidität dem Aktienmarkt nichts anhaben kann, gilt das nicht unbedingt auch für die Wirtschaft. Die Veränderung der Liquidität geht dem Wirtschaftswachstum um 18 Monate voraus. Das ist die verzögerte Wirkung der Geldpolitik, auf die Notenbanker immer wieder hinweisen. Demnach stehen der US-Wirtschaft ab jetzt schwere Zeiten bevor (Grafik 2). Das Wachstum sollte regelrecht einbrechen.

Dass sich das Wachstum in den vergangenen Quartalen beschleunigt hat, ist vor allem einem Umstand zu verdanken. Die Kreditverfügbarkeit hat sich verbessert. Verbessert sich diese, beschleunigt sich das Wachstum (Grafik 3). Kredit ist der Treibstoff des Wachstums.

Die Kreditverfügbarkeit dürfte sich zukünftig verschlechtern. Banken sind vorsichtiger geworden. Immer mehr Banken verschärfen die Kreditvergabekriterien. Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. Dadurch wird sich auch die tatsächliche Kreditverfügbarkeit verschlechtern (Grafik 4). Umfragen werden dies in den kommenden Monaten zeigen.

Kredit wird knapper. Mit höheren Zinsen und Quantitative Tightening der Notenbank fällt die Überschussliquidität weiter. Das alles bedeutet viel Gegenwind für das Wirtschaftswachstum. Viele erwarten daher eine Wachstumsverlangsamung oder milde Rezession, die in Kürze beginnen soll.

Angesichts dieser Umstände und Zusammenhänge verwundert es, dass der US-Aktienmarkt nicht 15 % tiefer steht. Das sagt vor allem eines aus: Anleger glauben nicht daran, dass die US-Wirtschaft in Kürze in ein Wachstumsloch fällt. Persönlich teile ich diese Einschätzung. Konsumenten und Unternehmen haben trotz eines schwierigen Umfelds noch Potenzial, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Dieses Potenzial ist irgendwann ausgeschöpft – wie bisher aber vermutlich später, als es Ökonomen vermuten.

Clemens Schmale

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