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Shopify zieht hoch: Gelingt diesmal der Ausbruch?

Die kanadische E-Commerce-Plattform Shopify war eine der gefragtesten Aktien während der Corona-Pandemie. Innerhalb weniger Monate stieg die Aktie zu einem Tenbagger auf. Doch genauso schnell wie der E-Commerce-Boom anfing, ging er wieder zu Ende und Shopify wurde ungespitzt in den Boden gerammt. Im Tief stand der Kurs fast 87 % unter dem ATH. In den letzten Wochen arbeitete die Aktie an einer Bodenbildung, deren mögliche Vollendung nun ein neues Kaufsignal geben könnte.

Aktienverlinkung: CA82509L1076

Im Handumdrehen zum Onlineshop

Shopify ist eine low-code / no-code E-Commerce-Software bzw. ein Content-Management-System (CMS), mit der praktisch jedermann unkompliziert einen eigenen Onlineshop einrichten kann. Der Branchenprimus im Bereich der Websiteerstellung ist WordPress. Um mithilfe von WordPress einen Onlineshop zu erstellen, benötigt man zunächst eine Domain, welche man entweder selbst auf einem eigenen Server hostet oder ein Dritter übernimmt das Hosting. Anschließend erfolgt der Aufbau des Onlineshops in WordPress und die Einbindung der Zahlungsabwicklung sowie der Logistik – alles bestenfalls natürlich rechtssicher. Genau hier hat Shopify eine Marktlücke gefunden. Shopify ist als einfacher Website-Baukasten gestartet. Mithilfe von vorkonfigurierten Blöcken oder ganzen Shopseiten als Vorlage, kann der Onlineshop per Drag & Drop zusammengestellt werden. Vorgefertigte Themes ermöglichen dann noch die Individualisierung des Shops. Abschließend werden noch Produktfotos eingestellt und die Preis- und Lagerdaten gepflegt. Mittlerweile ist Shopify von diesem Onlineshop-Baukasten zu einer All-inclusive Lösung avanciert und hilft nicht nur bei der Suchmaschinen- und Werbe-Optimierung, sondern übernimmt auf Wunsch auch die Zahlungsabwicklung sowie die Logistik zwischen Käufer und Verkäufer.

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Shopify ist mittlerweile eine All-inclusive Lösung für Onlineshops (Quelle: Investor Overview Q3 2022, www.investors.shopify.com).

Die Corona-Pandemie hat Wachstum für Jahre vorweggenommen

Shopify ist gut in dem attraktiven E-Commerce-Sektor positioniert und hat hinter WordPress den zweitgrößten Marktanteil im Bereich der CMS. Der Anteil der E-Commerce-Käufe am gesamten Einzelhandelsumsatz nahm seit der Jahrtausendwende relativ konstant um 0,5 bis 0,8 % pro Jahr zu. Durch die Corona-Pandemie wurde ein E-Commerce-Boom ausgelöst, und der Anteil schoss innerhalb eines Jahres um fast 5 % in die Höhe (beispielhaft für die USA, Quelle: U.S. Census Bureau, www.census.gov). Damit wurde ein Niveau erreicht, mit dem bei Annahme des vorher konstanten Wachstums erst in fünf bis sieben Jahren zu rechnen gewesen wäre.

Das Gross Merchandise Volume (GMV) stellt den Gesamtwert der Waren dar, die auf der Plattform verkauft wurden. Bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie wuchs das GMV jährlich um rund 40-50 %. Infolge der Pandemie verdoppelte sich das GMV-Wachstum gegenüber den Vorjahresquartalen. Ab dem 4. Quartal 2021 flachte das Wachstum rasant ab und erreichte im Bereich von 11 % im Vergleich zum Vorjahresquartal einen bisher konstanten Wert (Quelle: Investor Overview Q3 2022, www.investors.shopify.com).

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Der Anteil von E-Commerce am Einzelhandel hat durch die Corona-Pandemie einen massiven Schub bekommen (Quelle: U.S. Census Bureau, www.census.gov)

Shopify versucht die Kosten einzufangen

Nachdem Shopify über viele Jahre hinweg in Wachstum investiert hat und unprofitabel oder gerade am Rande der Profitabilität gearbeitet hatte, wurden durch das Wachstum der Pandemie erstmals massive Gewinne eingefahren. Von einem operativen Verlust von 1,12 USD / Aktie im 3. Quartal 2019 wurde im 3. Quartal 2021 ein Gewinn von 2,58 USD / je Aktie verbucht. Ein Jahr später wurde aus dem Gewinn wieder ein Verlust von 2,24 USD / Aktie. Der deutschstämmige CEO und Gründer Tobias Lütke gab zu, dass er auch nach der Pandemie mit einem dauerhaft hohen Wachstum im E-Commerce gerechnet hatte – eine Fehleinschätzung. Um die laufenden Kosten zu senken, sah sich der CEO Mitte 2022 gezwungen rund 1.000 Mitarbeiter bzw. 10 % der Belegschaft zu entlassen (Quelle: www.businessinsider.de).

Auch im Goldesel Trading-Hauptkanal wurde der Aufschwung von Shopify gestern erwähnt.

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Shopify wurde gestern auch auf dem Discord-Server von Goldesel-Premium besprochen

Tradingszenario zu Shopify

Im November 2021 markierte Shopify das bisherige ATH bei etwa 175 USD. Danach ging es bis Juni 2022 um über 83 % auf ca. 30 USD bergab. Nachdem die Aktie dann für zwei Monate im Bereich zwischen 30 USD und 43 USD seitwärts gelaufen war, sackte der Kurs noch einmal bis Mitte Oktober 2022 zum bisherigen Verlaufstief auf 23,6 USD ab. Seitdem bewegte sich der Kurs erneut bis in den Widerstandsbereich bei 43 USD, was einem Plus von knapp 84 % innerhalb von zwei Monaten entspricht. An diesem Widerstandsbereich ist der Kurs erneut abgeprallt, lief aber nach einem Zwischentief bei 32,3 USD wieder an den Widerstandsbereich bei rund 43 USD heran. Mit dem gestrigen (23. Januar 2023) Schlusskurs von 44,5 USD konnte dieser Widerstandsbereich sogar überschritten werden. Insgesamt wirkt das Chartbild sehr bullish. Der Ausbruch über den Widerstand wurde von einem kleineren Runaway Gap begleitet und steigende Volumina sprechen ebenfalls für Stärke. Zusätzlich hat sich mit dem Kreuzen der 50- und 200-Tagelinie nach oben ein sogenanntes „Golden Cross“ gebildet, was ebenfalls als bullish gewertet werden kann.

Der Artikel ist keine Aufforderung zum Kauf und/oder Verkauf der Aktie. Es handelt sich hierbei um eine journalistische Arbeit. Der Autor hält zum aktuellen Zeitpunkt keine Position in der Aktie.

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Der aktuelle Ausbruchsversuch von Shopify wirkt sehr bullish
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