Weniger Autos, mehr Gewinn: Porsches neuer Plan für 2035
Porsche AG senkt die Gewinnschwelle auf unter 200.000 Autos, streicht Kosten und setzt auf Modelle für 330.000 Euro. Was das für die Holding-Aktie…
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Porsche-Strategie: Porsche AG hat am 7. Oktober 2026 in Weissach die Strategie „Sportwagenschmiede 2035“ vorgestellt, mit der Gewinnschwelle bei unter 200.000 Fahrzeugen.
- Kosten und Preise: Materialkosten sollen um 10 Prozent sinken, Produktionslöhne um 30 Prozent; die teuersten 10.000 Autos sollen künftig durchschnittlich über 330.000 Euro kosten.
- Rechtskraft für Porsche SE: Der BGH hat die Beschwerden von 40 Klägern mit 5,4 Milliarden Euro Forderungen zurückgewiesen und das Musterverfahren zur VW-Übernahme rechtskräftig beendet.
Porsche AG stellt „Sportwagenschmiede 2035“ vor
Porsche AG hat am 7. Oktober 2026 auf einem Capital Markets Day in Weissach die neue Strategie „Sportwagenschmiede 2035“ vorgestellt. Der Kern: weniger Volumen, weniger Kosten und ein Produktportfolio, das deutlich höherpreisig ist als bisher. Die Gewinnschwelle soll künftig bei weniger als 200.000 verkauften Fahrzeugen liegen. Zuletzt war ein großer Teil des Konzerns auf eine Produktion von 350.000 Autos ausgelegt.
Der Handlungsdruck ist real. 2025 sank das Ergebnis nach Steuern um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro, unter anderem wegen Kosten für die Verlängerung der Verbrenner-Produktion. Die neue Strategie reagiert auch auf die schwächere Nachfrage in China, die gedrückten Verkäufe von Elektroautos und US-Zölle. Details zur Strategie fasst der Porsche Newsroom zusammen.
Die geplanten Kostensenkungen im Detail
Die Einsparpläne greifen an mehreren Stellen. Laut manager magazin sollen die Entwicklungskosten für künftige Modellreihen um bis zu 20 Prozent sinken, die Personalkosten in der Fertigung mittelfristig um bis zu 30 Prozent. Die Verkaufs- und Vertriebskosten sollen um 20 Prozent zurückgehen, die Materialkosten um 10 Prozent.
Auch beim Personal ist ein deutlicher Abbau geplant. Die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich soll mittelfristig um 25 Prozent schrumpfen, strategisch sogar um 30 Prozent. Ein bereits vereinbartes Programm sieht den Abbau von weiteren 5.000 Stellen in der Region Stuttgart bis 2035 vor; betriebsbedingte Kündigungen sind im Gegenzug bis Ende 2035 ausgeschlossen. Für die Standorte Zuffenhausen und Weissach sind bis 2035 Investitionen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro vorgesehen.
Höhere Preise als zweiter Hebel
Parallel zum Kostenabbau will Porsche nach oben ausrichten. Der Anteil besonders teurer Fahrzeuge soll bis 2030 von etwa einem Drittel auf nahezu die Hälfte steigen. Laut manager magazin soll der durchschnittliche Verkaufspreis der 10.000 teuersten Modelle von 270.000 auf mehr als 330.000 Euro klettern.
Das Portfolio dafür ist skizziert: Laut Reuters plant Porsche ein größeres und teureres SUV oberhalb des Cayenne sowie einen zweisitzigen Supersportwagen oberhalb des 911. Bis 2030 soll zudem mindestens ein markenprägendes neues Produkt pro Jahr eingeführt werden. Mittelfristig hält das Unternehmen weiterhin eine operative Gewinnmarge von 10 bis 15 Prozent für erreichbar.
Was die Strategie für die Porsche-SE-Aktie bedeutet
Für Anleger der Porsche Automobil Holding SE (ISIN DE000PAH0038) ist die Einordnung wichtig: Die operativen Maßnahmen laufen bei der Porsche AG. Der Gewinnbeitrag der Holding hängt mittelbar von der Entwicklung des Volkswagen-Konzerns und der Bewertung der Beteiligungen ab, nicht unmittelbar von den Einsparungen in Weissach und Zuffenhausen.
Eine niedrigere Gewinnschwelle unter 200.000 Fahrzeugen wäre für den Konzern ein Puffer, wenn die Absatzmengen weiter sinken. Zugleich ist der Umbau anspruchsvoll: Weniger Volumen begrenzt die üblichen Größenvorteile der Autoindustrie, und die Kalkulation hängt stärker an der Nachfrage nach sehr teuren Modellen.
Milliardenschweres Musterverfahren ist beendet
Eine Altlast ist Anfang der Woche weggefallen. Der Bundesgerichtshof wies am 30. September 2026 die Rechtsbeschwerden gegen den Musterentscheid des Oberlandesgerichts Celle im Verfahren zur VW-Übernahme durch Porsche zurück. Das Gericht bestätigte damit, dass die Kapitalmarktmitteilungen der Porsche SE aus dem Jahr 2008 nicht grob unrichtig und nicht sittenwidrig waren. Die Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs dokumentiert den Beschluss.
In dem Musterverfahren hatten 40 Kläger, überwiegend US-amerikanische Hedgefonds, Schadenersatzforderungen von insgesamt 5,4 Milliarden Euro gegen die Porsche Automobil Holding SE geltend gemacht. Mit dem BGH-Beschluss ist das Musterverfahren rechtskräftig beendet; die Entscheidung ist für sechs ausgesetzte Ausgangsverfahren bindend. Für die Holding entfällt damit eine langjährige Rechtsunsicherheit.
Die Porsche SE kann sich damit auf die operative Strategie ihrer Beteiligungen konzentrieren. Ob die geplanten Kostensenkungen und hochpreisigen Modelle die erhofften Margen bringen, zeigt sich in den kommenden Quartals- und Jahreszahlen.
Quellen & weiterführende Berichte