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Sebastian Paufler in Börsennews

15.02.2023 14:07

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Palantir: Gelingt der Turnaround durch den AI-Hype?

Palantir ist wahrscheinlich eines der umstrittensten Unternehmen der letzten Jahre. Manche Anlager halten das Geschäftsmodell für undurchschaubar und zwielichtig, andere sehen in Palantir eines der vielversprechendsten Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI, engl. AI). Nicht zuletzt haben auch die Fonds der “Tech-Investoren” Cathie Wood und Frank Thelen einen Hype um Palantir ausgelöst. Zwei Jahre nach einem ersten Aufschwung stand die Aktie fast 90 % unter ihrem ehemaligen ATH. Die nun veröffentlichten Ergebnisse in Verbindung mit dem aktuellen Hype um das Thema AI könnten eine Trendwende auslösen – der Chart sieht vielversprechend aus.

Aktienverlinkung: US69608A1088

Künstliche Intelligenz ist das Geschäftsmodell von Palantir

Palantir Technologies wurde 2003 von einer Gruppe von Unternehmern, darunter Peter Thiel, Alex Karp, Nathan Gettings, Joe Lonsdale und Stephen Cohen, gegründet. Der Name des Unternehmens bezieht sich auf die magischen sehenden Steine aus der Filmreihe Herr der Ringe. Palantir hat eine Reihe von Softwareprodukten entwickelt, die zum Sammeln, Integrieren und Analysieren von Daten aus verschiedenen Quellen verwendet werden.

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Palantir Gotham und Foundry sind die Hauptprodukte des Unternehmens (Quelle: Presentation Q4 2021, www.investors.palantir.com)

Das Hauptprodukt des Unternehmens ist Palantir Gotham, eine Plattform für Datenintegration und -analyse, die von Regierungsbehörden, Finanzunternehmen und anderen Organisationen genutzt wird. Palantir Gotham umfasst eine Reihe von Tools und Funktionen, mit denen die Benutzer Daten untersuchen und analysieren, Visualisierungen erstellen und benutzerdefinierte Anwendungen und Arbeitsabläufe entwickeln können. Aufgrund der Zielgruppe ist über Gotham relativ wenig bekannt.

Zusätzlich bietet das Unternehmen auch Palantir Foundry an. Dies ist eine Plattform für Datenintegration und -analyse, die für den Einsatz in Unternehmen konzipiert ist. Palantir Foundry ist eine Cloud-basierte Plattform, die es ermöglicht, Daten aus einer Vielzahl von Quellen zu integrieren, zu verwalten und zu analysieren. Dies können strukturierte Datenquellen wie Datenbanken sein, aber auch unstrukturierte Datenquellen wie E-Mails und unterschiedliche Dokumente. Palantir Foundry ist als flexible Plattform gedacht, die auf die spezifischen Bedürfnisse jedes Unternehmens zugeschnitten und in einer Vielzahl von Branchen eingesetzt werden kann.

Die Endprodukte Apollo und Metropolis unterscheiden sich etwas von den vorherigen. Diese beiden Softwarepakete bieten spezialisierte Dienste für bestimmte Anwendungsfälle. Palantir Apollo wurde entwickelt, um das Lieferkettenmanagement und die Logistik zu unterstützen. Palantir Metropolis ist eine Plattform für die Datenanalyse in der Finanzbranche.

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Darum könnte Palantir von dem AI-Hype profitieren

Im Jahr 2017 schrieb Kiran Bhageshpur, einer der Gründer des SaaS-Start-ups Igneous, im Economist “The world’s most valuable resource is no longer oil, but data”. Daten waren noch nie so viel Wert wie heutzutage. Täglich werden unzählige Terabytes an verschiedenen Daten generiert, welche ohne eine zielgerichtete Auswertung für den einzelnen nutzlos sind. Genau hier kommt Palantir ins Spiel.

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Die Software von Palantir basiert auf Artificial Intelligence (AI) mit Machine Learning und NLP (Quelle: Presentation Q4 2022, www.investors.palantir.com)

Die Softwareprodukte von Palantir basieren im Kern auf Machine Learning und Natural Language Processing (NLP). Die Machine Learning-Algorithmen ermöglichen es der Software, aus riesigen Datenmengen zu lernen und sich im Laufe der Zeit zu verbessern, sodass sie immer subtilere Muster und Erkenntnisse erkennen kann. Natural Language Processing wird beispielsweise genutzt, um unstrukturierte Daten wie Text zu analysieren. In den letzten Jahren hat Palantir auch stark in die Entwicklung seiner KI-Fähigkeiten investiert, z. B. durch die Übernahme von Unternehmen, die sich auf die Verarbeitung natürlicher Sprache und Computer Vision spezialisiert haben.

Im Conference Call zu den Geschäftszahlen 2022 ging der CEO Alex Karp natürlich auch auf das Thema AI ein:

[…] Gotham is today the AI-driven operating system for defense. Recent events have already proven the superiority of Gotham and AI-driven target detection and development. In 2023, we are focused on the continued development of Gotham against both targeting and fires across all domains from space to mud. […] This is a world that is dangerous that needs AI-driven and, in general, software-driven weaponry. And no other company in the world has been focused on this for the last 20 years than we are. And we are also on these programs. […]

Alex Karp, CEO von Palantir im Conference Call zu den Geschäftszahlen 2022

Karp verdeutlicht, dass Gotham vor allem im Licht der jüngsten Ereignisse im Ukraine-Krieg seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt habe. Somit profitiert Palantir nicht nur von den täglich wachsenden Datenmengen, sondern zählt wahrscheinlich auch zu den “Profiteuren” der weltweiten Konflikte, wie dem Krieg in der Ukraine, den Spannungen zwischen China und den USA oder dem anhaltenden Konflikt zwischen Israel und Palästina.

Starkes Wachstum, geringe Schulden, aber…

Palantir unterteilt seine Umsätze in die Segmente Government (Regierungen, Militär und Geheimdienste) und Commercial (kommerzielle Nutzung durch Unternehmen). Das Segment Government macht mit rund 56 % den größeren Anteil des Umsatzes aus. Im Segment Commercial werden die anderen 44 % erwirtschaftet. Der Gesamtumsatz von Palantir wächst enorm. Während im Fiskaljahr 2018 ein Umsatz von 595 Millionen USD erzielt wurde, lag dieser im abgelaufenen Fiskaljahr 2022 bei 1,9 Milliarden USD. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von 34 % (CAGR). Das Segment Government wächst mit 43 % pro Jahr deutlich stärker als das Segment Commercial mit 25 % pro Jahr.

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Der Umsatz bei Palantir ist den letzten Jahren mit 33 % pro Jahr gewachsen (eigene Darstellung)

Die Anzahl der Nutzer wächst seit vielen Jahren kontinuierlich, wobei vor allem die Anzahl der kommerziellen Nutzer steigt. Zwischen Ende 2020 und Ende 2022 wurde die Anzahl der Nutzer im Segment Government von 90 auf 107 gesteigert. Im gleichen Zeitraum wuchs die Anzahl der kommerziellen Nutzer von 49 auf 260, was einer CAGR von 33 % entspricht. Die Bruttomarge bei Palantir ist mit rund 80 % in einer soliden Größenordnung. Die operative Marge und die Nettomarge waren bisher immer negativ, mit einer starken Tendenz zur Profitabilität.

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Die operative Marge und die Nettomarge suchen den Weg aus dem negativen Bereich (eigene Darstellung)

In einem Forbes-Artikel aus dem Jahr 2022 wird noch darauf hingewiesen, dass Palantir in der 18-jährigen Firmengeschichte noch nie profitabel war. Zumindest auf Quartalsbasis ist dies nun Geschichte: Im vergangenen Q4 2022 konnte Palantir einen Gewinn je Aktie von 0,01 USD (GAAP) verbuchen. Auf das Gesamtjahr 2022 bezogen wurde dennoch ein Verlust von 0,18 USD je Aktie ausgewiesen. Die Barmittel in der Bilanz übersteigen mit rund 2,6 Milliarden USD die Schulden um ein Vielfaches.

Äußert fraglich aus Anlagersicht scheint das Vergütungsmodell der Angestellten zu sein. Dieses besteht zu einem gewissen Anteil aus stock-based compensation. Der Sachverhalt ist für ein junges Unternehmen nicht untypisch, wird bei Palantir aber in einem auffällig hohen Maß angewendet. Palantir hat zwar enorme Umsatzzuwächse, ist operativ aber unprofitabel. Würde man die stock-based compensation herausrechnen, würde Palantir schon seit 2020 einen operativen Gewinn einfahren. Die Zahl der ausgegebenen Aktien wächst sogar stärker als der Umsatz, nämlich mit rund 40 % pro Jahr (CAGR). Dies führt dazu, dass trotz der stark steigenden Umsätze, der Umsatz je Aktie von 1,09 USD im Jahr 2018 auf 0,92 USD je Aktie im Jahr 2022 fiel.

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Die stock-based compensations der Mitarbeiter haben einen hohen Anteil am negativen operativen Ergebnis (eigene Darstellung)

Tradingsszenario zu Palantir

Nach dem IPO von Palantir im September 2020 bei 10 USD schoss der Kurs bis Anfang 2021 auf das bisherige ATH von etwa 45 USD hoch. Im September 2021 ging der Kurs in eine starke Abwärtsbewegung über. Im Juni 2022 wurde ein Unterstützungsbereich bei rund 6,5 – 6,7 USD gebildet, welcher im Dezember, bis zum Verlaufstief bei rund 6,0 USD, kurzzeitig nach unten durchbrochen wurde. Vom Verlaufstief hat sich der Kurs wieder über den Unterstützungsbereich bei 6,5 – 6,7 USD gekämpft. Infolge der letzten Quartalszahlen konnte der Kurs einen Widerstand bei 9,0 USD überwinden, wodurch der Abwärtstrend zumindest kurzfristig auf neutral gestellt wurde. Über dem Kurs liegt nun der nächste Widerstand bei ca. 11,6 USD. Das Überschreiten dieses Widerstandes würde den Trend auch mittelfristig aufwärts richten. Wenn die Unterstützung bei etwa 9,0 USD nicht hält, ist der nächste Auffangbereich um 7,6 USD zu verorten.

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Der Chart von Palantir sieht aktuell vielversprechend aus

Fazit: Vorreiter im Bereich des Machine Learning

Palantir ist eines der bekanntesten Unternehmen im Bereich KI/AI und gilt für einige als Vorreiter im Bereich des Machine Learning bzw. der Datenanalyse. Die Geschäfte sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits überzeugt das Unternehmen durch ein hohes Umsatzwachstum und steigende Margen. Zudem wurde nach 18 Jahren mit Verlusten im letzten Quartal erstmals ein Gewinn eingefahren. Allerdings ist vor allem das wachstumsstarke Segment Government für viele Analysten und Anleger ein rotes Tuch. Der hohe Anteil an bestehenden und potenziellen Regierungsverträgen machen das Geschäftsmodell stellenweise unvorhersehbar und intransparent. Für Anleger, die trotzdem Vertrauen in das Geschäft von Palantir haben, könnte das aktuelle Chartbild einen guten Einstiegszeitpunkt bieten.

Wer sich mehr Wissen zum aktuellen Hype-Thema KI/AI aneignen will, der sollte unbedingt unseren aktuellen Artikel zu diesem Thema lesen.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist im besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

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