
Ordertypen erklärt: Warum du beim Kauf und Verkauf immer eine Limit Order nutzen solltest
Du hast dein Depot eröffnet, die erste Aktie ausgesucht – und jetzt fragt dich dein Broker: Welchen Ordertyp willst du? Market Order? Limit Order? Stop Order?
Kurze Antwort: Nutze beim Kaufen und Verkaufen immer eine Limit Order. Das schützt dich vor schlechten Ausführungspreisen und spart dir bei jedem Trade bares Geld.
In diesem Artikel erklären wir dir alle wichtigen Ordertypen, zeigen dir mit einer Beispielrechnung, warum die Limit Order dein bester Freund ist – und welche typischen Anfängerfehler du vermeiden solltest. In diesem Video findest du alles auch nochmal von Matthias kompakt erklärt.
Die 5 wichtigsten Ordertypen im Überblick
Bevor wir tiefer in die Limit Order einsteigen, hier ein Überblick über alle Ordertypen, die du als Anfänger kennen solltest:
| Ordertyp | Was passiert? | Wann nutzen? |
| Market Order | Sofort kaufen/verkaufen zum nächsten verfügbaren Preis. Keine Preiskontrolle. | Nur bei sehr liquiden Aktien (Apple, SAP) wenn Tempo wichtiger als Preis. |
| Limit Order | Kaufen/verkaufen nur zu deinem Wunschpreis oder besser. Volle Preiskontrolle. | Standardmäßig immer. Besonders bei weniger liquiden Aktien und größeren Orders. |
| Stop Order | Wird zur Market Order, sobald ein bestimmter Kurs erreicht wird. Dient als Absicherung. | Verluste begrenzen (Stop Loss) oder Ausbrüche handeln (Stop Buy). |
| Stop-Limit | Wie Stop Order, aber wird zur Limit Order statt Market. Mehr Kontrolle. | Stop Loss mit Preisgarantie. Nachteil: kann unausgeführt bleiben. |
| Trailing Stop | Stop-Kurs zieht automatisch mit Kurs nach oben mit. Fällt der Kurs, bleibt der Stop. | Gewinne laufen lassen und trotzdem absichern. |
Was ist eine Limit Order? Einfach erklärt
Eine Limit Order ist ein Kauf- oder Verkaufsauftrag mit Preisgrenze. Du sagst deinem Broker: „Kauf diese Aktie, aber zahle maximal 100 Euro“ oder „Verkauf diese Aktie, aber mindestens für 100 Euro.“
Limit Order beim Kauf (Buy Limit)
Du legst einen Höchstpreis fest. Deine Order wird nur ausgeführt, wenn der Kurs bei deinem Limit oder darunter liegt.
Beispiel: Aktueller Kurs Siemens: 195,50 EUR. Kauflimit: 195,00 EUR. Die Order wird erst ausgeführt, wenn jemand für 195,00 EUR oder weniger verkauft.
Limit Order beim Verkauf (Sell Limit)
Du legst einen Mindestpreis fest. Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Kurs bei deinem Limit oder darüber liegt.
Beispiel: Du hast Siemens und willst mind. 200 EUR beim Verkauf erzielen. Verkaufslimit: 200,00 EUR. Erst wenn der Kurs 200 EUR erreicht, wird verkauft.
Market Order vs. Limit Order: Warum der Unterschied bares Geld kostet
Die Market Order klingt bequem: Kaufen und sofort bekommen. Aber genau da liegt das Problem.
| Market Order | Limit Order |
| „Kauf sofort, egal zu welchem Preis“ | „Kauf nur, wenn der Preis stimmt“ |
| Du akzeptierst den nächsten verfügbaren Preis | Du bestimmst Maximalpreis (Kauf) oder Mindestpreis (Verkauf) |
| Gefährlich bei niedrigem Volumen oder News | Schützt vor Slippage (Kursschwankungen) und schlechten Ausführungen |
| Garantiert Ausführung, nicht den Preis | Garantiert den Preis, nicht die Ausführung |
Beispielrechnung: So viel kostet dich eine Market Order wirklich
Szenario: Du willst 50 Aktien einer mittelgroßen deutschen Aktie kaufen. Aktueller Kurs: 42,00 EUR.
Beim Kauf: Spread + Slippage
| Market Order | Limit Order | |
| Angezeigter Kurs (Bid) | 42,00 € | 42,00 € |
| Tatsächlicher Kaufkurs | 42,35 € (Spread+Slippage) | 42,10 € (dein Limit) |
| Kosten für 50 Aktien | 2.117,50 € | 2.105,00 € |
| Unterschied | 12,50 € gespart |
12,50 EUR Ersparnis klingt jetzt erstmal nicht viel. Bedenke aber bei diesem Beispiel, dass viele unerfahrene Trader pro Jahr ohne Probleme eine mittlere zweistellige Anzahl an Trades pro Jahr umsetzen.
Ersparnis pro Trade × 20 Trades/Jahr = 250 EUR.
Über 10 Jahre mit Zinseszins würde das eine Ersparnis von über 3.500 EUR bedeuten – nur weil du konsequent Limit Orders nutzt.
Beim Verkauf: Noch wichtiger!
Beim Verkauf verhinderst du, dass du in einer hektischen Marktphase zu Ausverkaufspreisen verkaufst.
| Verkaufsszenario | Market Order | Limit Order |
| Aktie fällt nach News | ||
| Angezeigter Kurs | 38,50 € | 38,50 € |
| Tatsächlicher Verkaufskurs | 37,80 € (Panik-Spread) | 38,30 € (dein Limit) |
| Erlös für 50 Aktien | 1.890 € | 1.915 € |
| Unterschied | 25 € mehr erlöst |
Fazit: Limit Orders sparen dir bei jedem Trade Geld – beim Kauf und beim Verkauf. Je weniger liquide die Aktie und je größer deine Order, desto größer die Ersparnis.
Wann ist eine Market Order trotzdem okay?
| Market Order okay, wenn… | Limit Order Pflicht, wenn… |
| Sehr liquide Aktie mit Spread < 0,05 % | Small Caps, Nebenwerte, wenig Volumen |
| Kleine Order unter 500 € | Größere Order ab 1.000 € |
| Kernhandelszeit (9:30–17:00 XETRA) | Vor 9:00 / nach 17:30 Uhr |
| Ruhiger Markt ohne News | Earnings, Crash, Breaking News |
Limit Order richtig setzen: Schritt für Schritt
Beim Kauf: Limit knapp über dem Ask
Faustregel: Kauflimit 0,1–0,5 % über dem aktuellen Ask-Kurs. So wirst du fast genauso schnell ausgeführt, behältst aber die Kontrolle.
Praxisbeispiel: Der Ask-Preis liegt bei 100,10 EUR, dann stellst du dein Limit zum Beispiel auf 100,30 EUR. Liegt der Ask bei 100,10 EUR, wirst du sofort zu 100,10 ausgeführt und damit besser als dein Limit.
Beim Verkauf: Limit knapp unter dem Bid
Faustregel: Verkaufslimit 0,1–0,3 % unter dem aktuellen Bid. So verkaufst du sicher, aber nicht zu absurden Preisen.
Praxisbeispiel: Der Bid-Preis liegt bei 99,90 EUR, dann stellst du dein Limit zum Beispiel auf 99,70 EUR. Liegt der Bid bei 99,90 EUR, wirst du sofort zu 99,90 EUR ausgeführt.
5 typische Anfängerfehler bei Limit Orders
| Nr. | Fehler | Was passiert & Fix |
| 1 | Limit zu eng | Kauflimit exakt 100,00 €, Ask bei 100,05. Order wird nie ausgeführt, Aktie steigt ohne dich. Lösung: 0,1–0,5 % Puffer einbauen. |
| 2 | Limit vergessen | Kauflimit 95 € (Aktie bei 100). Wochen später: Crash auf 95, vergessene Order greift. Lösung: Gültigkeit auf tagesgleich, offene Orders prüfen. |
| 3 | Market vorbörslich | 7 Uhr Market Order. Bei Eröffnung 9 Uhr: +3 % durch Overnight-Gap. Du kaufst viel zu teuer. Lösung: Vorbörslich immer mit Limit handeln. |
| 4 | Zu lange Gültigkeit | Broker setzt auf Monatsende. Marktlage ändert sich. Lösung: Gültigkeit bewusst wählen, tagesgleich reicht meist. |
| 5 | Spread ignoriert | Limit gesetzt ohne Spread zu kennen. Bei 2 % Spread bringt 0,1 % Limit nichts. Fix: Spread vorher prüfen, Limit daran anpassen. |
Ordertypen Cheat Sheet: Welchen Ordertyp wann?
| Situation | Ordertyp | Warum? |
| Aktie kaufen (normal) | Limit Order | Preiskontrolle, Spread-Schutz |
| Aktie verkaufen (normal) | Limit Order | Mindestpreis garantiert |
| Verlust begrenzen | Stop Loss | Auto-Verkauf bei Kursverfall |
| Gewinne absichern | Trailing Stop | Stop zieht mit Kurs nach oben |
| Ausbruch handeln | Stop Buy + Limit | Kaufen wenn Widerstand bricht |
| Mega-liquide, schnell | Market (Ausnahme!) | Nur Apple/SAP-Level |
Schau dir jetzt gerne nochmal die weitere Artikel zum absoluten Basiswissen über die Börse an:
- Die Börse einfach erklärt: So funktioniert der Aktienmarkt
- Wie funktioniert die Börse? Angebot, Nachfrage und Kurse einfach erklärt
- Was ist eine Aktie? Eigentumsanteile, Rechte und Risiken erklärt
Zusammenfassung: Ordertypen und Limit Order
- Es gibt 5 wichtige Ordertypen: Market, Limit, Stop, Stop-Limit und Trailing Stop.
- Die Limit Order sollte dein Standard-Ordertyp sein – beim Kauf und beim Verkauf.
- Market Orders kosten dich bei jedem Trade Geld durch Spread und Slippage.
- Kauflimit: 0,1–0,5 % über Ask. Verkaufslimit: 0,1–0,3 % unter Bid.
- Über ein Jahr summiert sich die Ersparnis auf Hunderte Euro.
- Häufigster Fehler: Limit zu eng – so bleibt die Order offen. Baue immer einen Puffer ein.
- Vorbörslich und bei volatilen Märkten sind Limit Orders absolute Pflicht.
Die am häufigste genutzten Orderarten sind Market, Limit, Stop, Stop-Limit und Trailing Stop.
Mit einer Limit Order hast du immer die volle Preiskontrolle. Du kaufst nur zu den Preisen, die du für eine Aktie zahlen möchtest und verkaufst auch nur zu deinem gewünschten Ertrag.
Mit der Stop Order kannst du Positionen gegen weiteren Verlust absichern. Du gibst damit den Auftrag eine Aktie zu verkaufen, sobald ein gewisses Preisniveau unterschritten wird. Nutze am besten eine Stop-Limit Order, um die Preiskontrolle zu erhöhen.



