
Oracle Zahlen, Nvidia rasiert Software & Deutsche Autobauer am Ende?
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” sprechen unser Goldesels Michael Flender und Daniel von Investflow über Daniels Urlaub in Dubai, während im Iran der Krieg ausgebrochen ist.
Darüber hinaus geht es um die Zahlen von Oracle, Rheinmetall und die letzten Ergebnisse der deutschen Autobauer, welche die Frage aufwerfen, ob die deutsche Automobilindustrie nun wirklich am Ende ist.
Ob die deutsche Automobilindustrie vor dem Ende steht, warum Oracle nun den Turnaround einleiten könnte und wie die Zahlen von Rheinmetall ausgefallen sind, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe bei Apple Podcast, Spotify oder direkt bei Youtube.
1. Öl, Iran und die ständige Volatilität
Die jüngsten Ereignisse im Iran haben den Ölmarkt zu teils absurden Bewegungen getrieben: Intraday‑Spikes von 25–30 Prozent, gefolgt von schnellen Rückläufen. Solche Ausschläge sind weniger ein Ausdruck fundamentaler Angebotsänderungen als Reaktion auf Unsicherheit und Nachrichtenlage.
Das Ergebnis an den Börsen: hohe Korrelation mit Energiepreisen und schnelle Risikoaversion. Der DAX reagierte unmittelbar (z. B. -3,5 % an einem Tag) – was einmal mehr zeigt, wie sensibel Märkte auf geopolitische Schocks reagieren.
- Was zu beachten ist: Volatilität bleibt. Kurzfristige Handelsmöglichkeiten gibt es, aber der Informationsfluss ist oft lückenhaft (Fehlmeldungen, gelöschte Tweets etc.).
- Folgen für Anleger: Vorsicht bei Hebelprodukten; Absicherung sinnvoll, wenn Portfolios stark zyklisch und ölsensitiv sind.
2. Oracle: Starke Zahlen und ein positives Signal für KI‑Infrastruktur
Oracle überraschte positiv: Cloudumsatz +44 %, Infrastruktur mit KI +84 %. Der Quartalsumsatz lag bei rund 17,2 Mrd. USD (Erwartung 16,9 Mrd.), der bereinigte Gewinn je Aktie bei ~1,79 USD (Erwartung 1,70 USD). Wichtig: Die Umsatzprognose für das Jahr wurde von ca. 86,6 Mrd. auf 90 Mrd. USD angehoben.
Managementkommentare sind genauso wichtig wie Zahlen: Keine neuen Schulden, hoher Auftragsbestand (RPOs gestiegen) und die klare Positionierung, dass Kernsysteme (Systems of Record) nicht einfach von Nischen‑KI‑Tools ersetzt werden. Oracle investiert in KI‑Programmier‑Tools und sieht diese Instrumente als Produktivitätshebel, nicht als existenzielle Bedrohung.
- Takeaway: Oracle zeigt, dass KI‑Infrastruktur weiterhin Nachfrage erzeugt. Für Anleger ein Argument, Infrastruktur‑Playbooks ernst zu nehmen.
- Risiko: Hohe Investitionen drücken Cashflow; Verschuldung bleibt ein Thema, das beobachtet werden muss.
3. Nvidia startet KI‑Agenten‑Plattform – Softwaresektor unter Druck
Nvidia kündigte „NemoClaw“ an – eine Plattform für KI‑Agenten mit Open‑Source‑Ansatz und strategischen Partnern (Salesforce, Adobe, Google, Cisco, CrowdStrike). Die Nachricht führte zu Gewinnmitnahmen im Softwaresektor.
Warum das relevant ist: Nvidia erweitert sein Geschäftsmodell von Chips hin zu Software‑Infrastruktur. Kapital fließt teils weg aus traditionellen Software‑Wetten und hin zu Unternehmen, die KI‑Infrastruktur liefern oder orchestrieren.
- Konsequenz: Kurzfristige Rotation zwischen Software und Hardware; mittelfristig stärkt eine integrierte Plattform (Hardware + Software) die Marktstellung von Nvidia.
- Für Anleger: Differenzieren: reine Applikationsanbieter vs. Infrastrukturlieferanten.
4. Deutsche Autobauer: Profitabilität unter Druck
Die Zahlen der Branche sind ernüchternd. Porsche meldete einen Gewinnrückgang von bis zu 98 % und eine operative Marge nahe 0,3 %. VW verlor rund 44 % des Nettogewinns (von 12,4 auf 6,9 Mrd. EUR) – das schlechteste Ergebnis seit dem Dieselskandal. Der Konzern plant in Deutschland bis 2030 rund 50.000 Stellen abzubauen (zuvor geplant 35.000).
Hauptgründe für den Druck:
- Hohe Umbaukosten in Richtung Elektrifizierung und Produktionsverlagerung
- Wettbewerb aus China und sinkende Renditen in Kernsegmenten
- Handelsrisiken (US‑Zölle) und schwächere Nachfrage in Europa
Die Branche reagiert mit Spar‑ und Restrukturierungsprogrammen. Kurzfristig bleibt die Lage schwierig; eine schnelle Trendwende ist nicht in Sicht.
5. Kindergarten bei Novo Nordisk & Hims
Das Hin und Her zwischen Novo Nordisk und Hims führte zu massiven Kurssprüngen bei Hims (zeitweise +40–50 %). Solche Nachrichten spiegeln eher Unsicherheit und Marktanomalien als nachhaltige Wertschöpfung wider.
Mein Fazit: Solche Publicity‑Deals sind oft Ausdruck operativer Schwäche beider Seiten. Für langfristig orientierte Anleger ist Vorsicht geboten.
6. Rheinmetall: Solide, aber bereits eingepreist
Rheinmetall liefert erwartungskonforme Zahlen: Umsatzprognose 14–14,5 Mrd. EUR, operative Marge nahe 19 % (erwartet 19,6 %), Auftragsbestand deutlich erhöht auf rund 63,8 Mrd. EUR (Vorjahr 46,9 Mrd.). Die Aktie reagierte kaum – vieles ist bereits im Kurs enthalten.
Für Anleger: Wachstum und Backlog sind stark, aber die Bewertung spiegelt die Erwartungen an künftige Rüstungsausgaben wider. Rücksetzer können Einstiegsgelegenheiten bieten, falls sich das Risiko‑/Ertragsprofil verbessert.
7. BioNTech: Gründer verlassen das Management
Die Nachricht, dass Ugur Sahin und Özlem Türeci BioNTech verlassen, um ein neues Unternehmen zu gründen, hat die Aktie hart getroffen (zeitweise -20 %). Die Gründer kündigen an, Beteiligungen zu behalten, doch Unsicherheit über die Führungsphase und die Pipeline bleibt.
Wer langfristig auf BioNTech setzt, sollte die Pipeline‑Fortschritte und die firmeninterne Nachfolge beobachten. Kurzfristig war ein Teilverkauf für mich persönlich die richtige Entscheidung, da diese Nachricht Verunsicherung schafft.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: Oracle.
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