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Lars Weigand in Börsennews

22.01.2026 07:52

Blogartikelbild Märkte weiter unter Druck; Netflix-Zahlen stark, Aktie schwach & OpenAI in Not

Märkte weiter unter Druck; Netflix-Zahlen stark, Aktie schwach & OpenAI in Not

In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” unseres Goldesels Michael Flender und Daniel von Investflow sprechen unsere beiden Experten über den letzten Ausweg von OpenAI, denn Sam Altman hatte immer Abstand von Werbung in der ChatGPT-Suche genommen – bis jetzt. In diesem Zusammenhang wird auch auf den Konkurrenten Gemini von Alphabet Bezug genommen.

Außerdem geht es um die Zahlen von Netflix und die aktuellen Entwicklungen im Streit um Grönland, die sich in diesem schnelllebigen Umfeld natürlich seit Aufnahme des Podcasts schon wieder verändert haben.

Warum Netflix nach guten Zahlen trotzdem schwach war, weshalb OpenAI jetzt doch auf Werbung setzen muss und was es sonst so neues an den Märkten gab, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Episode auf Apple PodcastSpotify oder direkt bei Youtube.

Makro- und Sentiment-Übersicht: Warum die Märkte nervös sind

Gegenwärtig sorgen zwei große Themen für Unsicherheit:

  • Geopolitische Risikoereignisse und rhetorische Eskalationen, die politische Gegenmaßnahmen und Handelsstreitigkeiten auslösen könnten.
  • Steigende Anleiherenditen – insbesondere in Japan, aber auch Bewegungen bei US-Treasuries –, die Refinanzierungskosten nach oben treiben und wachstumsorientierte, hochbewertete Werte besonders treffen.

Anleihemärkte als unterschätzter Stressfaktor

Ein Aspekt, der oft zu wenig im Fokus steht: die Entwicklung bei langfristigen Staatsanleihen. Japanische 40-jährige Renditen sind in kurzer Zeit deutlich gestiegen (Niveaus um 4 % wurden erreicht), ein ungewöhnlicher Sprung nach Jahren sehr niedriger Renditen. Wenn Länder oder große Investoren anfangen, ihre Positionen in US-Staatsanleihen zu überdenken, kann das die globalen Renditen treiben – mit erheblichen Auswirkungen auf Aktienbewertungen, Kreditkosten und Währungsbewegungen. Dänemark hat beispielsweise angekündigt, im Streit um Grönland US-Staatsanleihen auf den Markt zu werfen.

Mittlerweile gab es eine Einigung im Streit um Grönland zwischen der Nato/Dänemark und den USA. Die USA bekommen wohl Zugang zu den seltenen Erden in Grönland und in diesem Zusammenhang sind sämtliche Zölle vom Tisch. Die Märkte reagierten am gestrigen Mittwoch, den 21. Januar, mit einer Erleichterungsrallye.

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OpenAI: Werbung als Notlösung

OpenAI kündigt eine Testphase für Werbung im Chat an, denn das Unternehmen steht unter enormem Druck, Einnahmequellen zu skalieren. Folgende Eckpunkte sind relevant:

  • Geplante Tests starten offenbar Anfang Februar und sollen sich zunächst auf Ad-Impressions statt Klicks stützen.
  • Kundenkreise wurden offenbar gebeten, sich für Werbebudgets zu verpflichten – Budgets unter einer Million Euro sind Teil der Testgruppen.
  • OpenAI peilt aggressive Wachstumsziele an: Der CFO nennt Zielgrößen im Bereich von 20 Milliarden USD Jahresumsatz für 2025 (gegenüber 6 Mrd. und 3 Mrd. in den Vorjahren).

Warum Sam Altmann jetzt doch auf Werbung setzt

Abonnentenmodelle für Privatnutzer lassen sich nur begrenzt skalieren. Werbung bietet eine schnellere, breitere Monetarisierung von Millionen von Nutzern. Das Risiko: Überdosis an Werbung kann Nutzer verärgern, die Nutzung reduzieren oder Kunden zu Konkurrenten wie Gemini drängen, die ohnehin weniger Probleme mit der Finanzierung haben.

Gemini vs. ChatGPT: Das Wettrennen um die KI-Herrschaft

Aktienverlinkung: US02079K3059

Die Dynamik im KI-Bereich hat sich verschärft. Gemini (Alphabet) hat zuletzt deutlich an Schwung gewonnen:

  • Gemini verbessert sich stark in Geschwindigkeit und Qualität; erste Nutzererfahrungen sind positiv.
  • Alphabet hat hardwareseitige und infrastrukturelle Vorteile: eigene TPUs, Integration in Android und breite Cloud-Penetration.
  • Siri soll künftig teilweise auf Gemini-Technologie basieren – ein Hinweis auf tiefere operative Integration in Apples Ökosystem.
  • Gemini Enterprise wird mit Millionen von Abonnenten angegeben (Zahlen wie 8 Millionen werden genannt), und die API-Nutzung ist massiv gestiegen.

Im Gegensatz dazu leidet OpenAI unter Performance-Problemen (gelegentlich langsame Antwortzeiten) und starkem Wettbewerb. Alphabet kann Synergien besser heben. Die Daten aus der Suche, eine breite Nutzerbasis auf Android und die eigene Hardware/Cloud bieten Skalenvorteile.

Netflix: Starke Zahlen, höhere Ausgaben, sinkender Kurs

Aktienverlinkung: US64110L1061

Die Quartalszahlen von Netflix zeigen operativ eine solide Entwicklung, doch der Kurs reagierte negativ. Die Kerndaten:

  • Umsatz: 12,05 Milliarden USD (leicht besser als Konsens).
  • Jahreswachstum: rund 17,6 % YoY.
  • Operatives Ergebnis: circa 3 Milliarden USD; operative Marge stieg auf rund 24,5 % gegenüber 22,2 % im Vorjahr.
  • Abonnenten: etwa 325 Millionen Nutzer (hier wird weiter auf das Ziel von einer Milliarde Nutzer verwiesen).

Warum die Aktie trotzdem schwach war

Die kurzfristige Enttäuschung lag in der Guidance. Netflix kündigt höhere Ausgaben in den kommenden Quartalen an – sowohl wegen des angestrebten Übernahmevorhabens als auch für gesteigerte Investitionen in Content. Gleichzeitig werden geplante Aktienrückkäufe ausgesetzt, da die Mittel für die Übernahme von Warner Bros. Discovery vorgesehen sind.

Für Anleger heißt das: Operativ ist Netflix stark, die Margen verbessern sich, Wachstum ist vorhanden. Kurzfristig drücken aber Unsicherheit über Finanzierung, erhöhte Content-Ausgaben und das Aussetzen von Aktienrückkäufen auf die Bewertung.

Produktstrategien

  • Netflix testet vertikale Formate (Portrait-Modus) für Mobile und will gegen TikTok und Reels antreten.
  • Sport-Events und Pay-per-View-Formate sind ein weiteres Feld für Monetarisierung (z. B. Boxkämpfe), obwohl Live-Streaming teils instabil war.

Fazit zu Netflix: Langfristig bleibt die das Unternehmen stark – Nutzerbasis und Margenentwicklung sind positiv. Kurzfristig ist Geduld gefragt, bis die Auswirkungen der Übernahme-Strategie und höheren Content-Ausgaben geklärt sind.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: Netflix.

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