LVMH Aktie: Krawalle und Plünderungen in Paris treffen Luxusbranche zur Unzeit
Erst schwache Geschäfte in China, jetzt verwüstete Boutiquen in Frankreich: Für LVMH kommt neuer Ärger hinzu. Das Risiko reicht über gestohlene Taschen hinaus.
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Belastung für die LVMH-Aktie: Bei den Unruhen in Frankreich wurden auch Geschäfte von Luxusmarken angegriffen. Eine konkrete Schadenssumme für LVMH liegt bislang nicht vor.
- Schwaches Modegeschäft: Der Umsatz mit Mode und Lederwaren sank im dritten Quartal organisch um 5 %. Vor allem die Nachfrage in China belastete.
- Mehr als Sachschäden: Längere Schließungen und ausbleibende Besucher könnten das Geschäft zusätzlich beeinträchtigen.
Eingeschlagene Schaufenster, geplünderte Boutiquen und Händler, die ihre Ware in Sicherheit bringen: Nach den Ausschreitungen vom 17. und 18. Oktober müssen sich Luxusmarken in Frankreich um ihre Geschäfte und Mitarbeiter kümmern. Unter anderem waren Standorte von Louis Vuitton, Dior und Celine betroffen. Für die LVMH-Aktie kommt die Nachricht nach enttäuschenden Quartalszahlen. Gerade das wichtige Modegeschäft hätte eine ruhigere Phase gebraucht.
Nicht jede angegriffene Boutique wurde leergeräumt
Wie unterschiedlich die Schäden ausfallen, zeigt ein Bericht der Financial Times: An der Pariser Place Vendôme versuchten Angreifer, mit einer Absperrung die Fenster einer Louis-Vuitton-Boutique einzuschlagen. Die Scheiben hielten. Andere Geschäfte hatten weniger Glück.
Die genannten Tausenden betroffenen Betriebe verteilen sich auf den französischen Einzelhandel insgesamt. Daraus lässt sich keine Schadenssumme für LVMH, Hermès oder Kering ableiten. Ebenso wenig ist bislang bekannt, welchen Anteil ihrer jeweiligen Verluste Versicherungen übernehmen.
Neben Reparaturen und gestohlener Ware kostet auch die Vorsorge Geld. Händler verstärken den Schutz ihrer Geschäfte, verlagern Personal oder schließen vorübergehend. Vogue Business berichtet, dass sich Unternehmen auf weitere Proteste vorbereiten.
Die LVMH-Aktie kämpft bereits mit der China-Schwäche
Die Unruhen treffen den Konzern in einer schwierigen Geschäftsphase. Im dritten Quartal erzielte LVMH 18,5 Milliarden EUR Umsatz, organisch ein Plus von 1 %. Bei Mode und Lederwaren gingen die Erlöse dagegen um 5 % zurück.
Diese Sparte vereint Marken wie Louis Vuitton und Dior. Mit rund 8,25 Milliarden EUR lieferte sie knapp 45 % des Quartalsumsatzes. Ihre Schwäche lässt sich deshalb nicht einfach durch bessere Geschäfte in kleineren Bereichen ausgleichen.
Zur verhaltenen Nachfrage in China kam im Sommer Gegenwind für Louis Vuitton nach einem Markenrechtsstreit mit Molly Tea. Den gesamten Umsatzrückgang allein mit diesem Boykott zu erklären, wäre allerdings zu weitgehend. Mehr zur Entwicklung und den anschließenden Kurszielsenkungen findet ihr in unserer Einordnung der jüngsten LVMH-Zahlen.
Frankreich braucht jetzt Kunden statt weiterer Schließtage
Europa war zuletzt keineswegs durchgehend ein Schwachpunkt: LVMH berichtete für das dritte Quartal ausdrücklich von einer guten Entwicklung in Europa, den USA und Japan. Längere Störungen in Frankreich könnten damit einen Markt belasten, der das schwächere China-Geschäft bislang teilweise abfederte.
Wie viel Umsatz tatsächlich verloren geht, hängt auch vom Verhalten der Kunden ab. Manche Käufe werden später nachgeholt oder in eine andere Filiale verlagert. Andere fallen aus. Gerade bei Touristen lässt sich ein abgesagter Einkaufsbummel nicht beliebig verschieben.
Am 22. Oktober stellt Hermès seine Quartalsumsätze vor. Die Zahlen selbst betreffen die Zeit vor den Ausschreitungen. Aussagen des Managements könnten aber erste Hinweise darauf geben, wie die Branche die jüngsten Ereignisse und das laufende Geschäft einschätzt.
Quellen & weiterführende Berichte