
Lisas Top Turnaround-Kandidat, Blick ins Depot, Anthropic und Software-Aktien
Daniel ist weiterhin im Urlaub, weshalb unser Goldesel Michael diesmal Lisa Gering von Stock3 zu Gast hat. Es geht um den Top Turnaound-Kandidaten von Lisa und ihre weiteren Depotpositionen.
Darüber hinaus geht es um den Widerstand von Anthropic gegen die US-Regierung, um Software und Tech-Aktien im Allgemeinen und viele weitere Themen.
Welche Aktie jetzt vor dem großen Turnaround stehen könnte, was Anthropic und die US-Regierung für Probleme miteinander haben und was es sonst noch Neues an den Märkten gibt, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe bei Apple Podcast, Spotify oder direkt bei Youtube.
1. Kurzer Marktüberblick: Mehrere Baustellen, trotzdem Robustheit
Aktuell trifft eine Vielzahl von Belastungsfaktoren gleichzeitig auf die Märkte. Dazu gehören:
- Geopolitische Spannungen (z. B. Entwicklungen im Iran-Konflikt) mit Auswirkungen auf Ölpreise und Lieferketten.
- Hohe Zinsen und steigende Anleiherenditen, die Wachstumswerte unter Druck setzen.
- Diskussionen um KI und Automatisierung, die strukturelle Veränderungen in Arbeitsmärkten und Unternehmensstrukturen andeuten.
- Regionale Einbrüche in wichtigen Branchen, etwa der Automobilmarkt in China.
Trotz dieser Themen zeigt der Markt eine gewisse Resilienz: Erholungen bei einzelnen Softwaretiteln, anhaltende Beschäftigungszahlen in den USA und starke Quartalszahlen bei einigen Halbleiterunternehmen sind Indizien, dass nicht alles in eine Richtung läuft. Für Anleger heißt das: hoher Informationsbedarf und selektive Chancenjagd.
Update: Die Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag waren deutlich unter den Erwartungen, was den Markt wieder unter Druck setzte. Übergeordnet bleibt die Volatilität deutlich erhöht.
2. Anthropic vs. US-Regierung und die Folgen
Die Debatte um KI ist in eine neue Phase eingetreten — sie ist nicht mehr nur technologisch, sondern auch politisch und sicherheitspolitisch. Ein zentraler Punkt: die Einstufung von KI-Firmen als mögliche Sicherheitsrisiken in der Lieferkette.
Kürzlich hat die US-Regierung Anthropic auf eine Supply-Chain-Risiko-Liste gesetzt. Das ist bemerkenswert, weil es das erste Mal ist, dass ein US-Unternehmen derart behandelt wurde. Worum geht es konkret?
- Die Regierung möchte uneingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten ihrer KI-Systeme ohne vertragliche Einschränkungen, etwa für geheimdienstliche oder militärische Anwendungen.
- Anthropic hat sich dagegen positioniert: Einschränkungen bei Massenüberwachung von Bürgern und bei der Entwicklung vollständig autonomer Waffensysteme sind Kernpunkte ihrer Haltung.
- Im Gegensatz dazu hat OpenAI engeren Kontakt und Abkommen mit der Regierung — das hat politische Debatten ausgelöst.
Folgen für den Markt und Anleger:
- Solche Maßnahmen können kurzfristig Nutzerströme, Downloads und Umsätze verändern. Anthropic verzeichnete beispielsweise starke Zuwächse bei Downloads nach der Kontroverse.
- Ein regulatorischer Konflikt erhöht Unsicherheit und könnte Kosten für rechtliche Auseinandersetzungen und Compliance bedeuten.
- Langfristig bleibt KI ein Wachstumsmarkt, aber mit erhöhtem politischem Risiko. Anleger sollten Geschäftsmodelle, Abhängigkeiten von Großkunden (z. B. Regierungen) und die rechtliche Ausgangslage im Blick behalten.
3. Halbleiter, Exportkontrollen und nationale Interessen
Rechenleistung ist zum strategischen Gut geworden. Die USA prüfen Maßnahmen, die den weltweiten Versand moderner KI-Chips einschränken sollen — mit dem Ziel, den Zugang zu Hochleistungschips zu kontrollieren. Das hätte direkte Folgen:
- Chiphersteller wie Nvidia, Broadcom oder Marvel müssten ihre Lieferketten neu strukturieren.
- Restriktionen könnten zu regionalen Engpässen und verschobenen Margen führen und damit kurzfristig Volatilität bei Halbleiteraktien auslösen.
- Langfristig profitieren Unternehmen, die Zugang zu modernster Fertigung behalten, während andere Marktanteile verlieren.
Für Investoren heißt das: Aufmerksamkeit bei Nachrichten über Exportkontrollen und die jeweiligen Kundenbasen der Chiphersteller. Unternehmen mit globaler Fertigung und diversifizierten Kundennetzwerken sind meist robuster.
4. Arbeitsmarkt, Stellenabbau und das Jevons-Paradoxon
Weltweit melden Konzerne Entlassungen oder Umstrukturierungen — zuletzt Meldungen von Block und Oracle. Diese stehen häufig im Zusammenhang mit Kostenoptimierung und KI-Investitionen. Zwei wichtige Gedanken dazu:
1) Kurzfristige Effizienz vs. langfristige Nachfrage: Wenn Firmen massiv Mitarbeiter abbauen, steigen kurzfristig Margen. Langfristig sinkt aber die Kaufkraft, wenn Massenarbeitslosigkeit entsteht — das trifft den Konsum.
2) Das Jevons-Paradoxon: Technologische Effizienzsteigerung kann die Nachfrage nach Fachkräften nicht zwangsläufig reduzieren. Bei Software und IT hat man beobachtet, dass Produktivitätsgewinne oft zu mehr Projekten, mehr Anwendungen und damit zu mehr Jobangeboten führen, nicht zu weniger.
Beispiel: Während Tools Entwicklern viel Arbeit abnehmen können, steigt gleichzeitig die Nachfrage nach neuen Softwarelösungen, weshalb Stellenausschreibungen für Entwickler nicht zwangsläufig fallen.
5. Software-Aktien: Comeback, Short-Squeeze-Ängste und Disruptionssorgen
Softwarewerte haben in den letzten Wochen starke Schwankungen gezeigt. Einige Gründe:
- Erholung: Nach starken Abschlägen gab es kurze Erholungen bei ServiceNow, Booking und anderen — teilweise zweistellig vom Tief.
- Disruptionsängste: Pläne, KI direkt in Apps zu integrieren (z. B. Shopping-Features in Chat-Apps), hätten Plattformen wie Booking oder Food-Delivery-Anbieter massiv getroffen.
- Teilweise Rückzieher großer Plattformen von aggressiven Integrationsplänen. Das mildert Disruptionsängste und lässt betroffene Aktien kurzfristig steigen.
6. Turnaround-Kandidat: The Trade Desk
The Trade Desk (TTD) ist aktuell ein spannendes Beispiel für einen potentiellen Turnaround:
- Die Aktie hat ihren Allzeithochs stark nachgegeben — bei vielen Anlegern besteht Pessimismus.
- CEO Jeff Green tätigte kürzlich einen sehr großen Insiderkauf (mehrere Millionen Aktien). Ein Kauf dieser Größenordnung signalisiert Vertrauen des Managements in die Zukunft des Unternehmens.
- Zusätzlich kursieren Berichte über Gespräche zwischen The Trade Desk und OpenAI als potentieller Partner, um Werbung und Auktionen in KI-Anwendungen zu integrieren — das wäre ein mögliches Wachstumsfeld.
- Q4 zeigte noch Wachstum, auch wenn Margen- und Ergebniszahlen enttäuschten. Ein Buyback-Programm gibt zusätzlich Rückendeckung.
„Wenn das Management investiert, ist es ein wichtiges Signal.“
7. BYD und der chinesische Automarkt: Vorsicht bei Hype-Aktien
BYD war lange ein Liebling unter Privatanlegern — jetzt gibt es Warnzeichen. Im Februar sanken die Auslieferungen signifikant (Rückgang von 41% Year-over-Year in einem Monat). Gründe und Kontext:
- China erlebt starken Wettbewerb im EV-Segment; Preise und Fördermechanismen haben sich verändert.
- BYD versucht verstärkt zu exportieren, sieht sich aber mit globaler Konkurrenz und lokalen Sondereffekten konfrontiert.
- Trotz Rückschlägen bleibt BYD technologisch interessant (Berichte über extrem schnelle Ladevorgänge dank neuer Batterien), aber der Markt ist unübersichtlich.
Investoren sollten bei Hype-Titeln besonders kritisch auf Absatztrends, Margen, Preispolitik und Förderungen achten. Ein gutes Produkt allein reicht nicht, wenn Nachfrage und Marktstruktur schnell kippen.
8. Praktische Checkliste für Anleger in dieser Phase
In einem volatilen Umfeld mit geopolitischen und technologischen Umbrüchen helfen klare Regeln. Hier eine kompakte Checkliste:
- Bewertung prüfen: Ist der Kursrückgang fundamental gerechtfertigt oder übertrieben?
- Management-Signale beachten: Insiderkäufe sind positives Signal, große Verkäufe sollten untersucht werden.
- Geschäftsmodell auf KI-Abhängigkeit prüfen: Wer generiert echten Mehrwert durch KI, wer wird substituiert?
- Cash-Position sichern: Liquidität für Nachkäufe in der Hand behalten.
- Diversifizieren: Regionale und sektorale Diversifikation mindert Spezialrisiken (z. B. China, Halbleiter).
- Stresstest: Wie reagiert das Geschäftsmodell bei Szenarien wie Exportkontrollen, verschärfter Regulierung oder stark sinkender Nachfrage?
- Zeithorizont definieren: Langfristiger Investor vs. Trader — Anlagehorizont entscheidet über Reaktion auf Volatilität.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.
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