GPU-Boom: Wie IREN Hardware fast komplett über Kunden finanziert
IREN legt seine Finanzierung offen: Kundenanzahlungen und Kredite decken die GPU-Kosten komplett ab. Kapazitäten für 2026 sind ausverkauft.
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Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Hohe Kundenanzahlungen: Kunden-Vorauszahlungen decken bei IREN 45 % bis 55 % der GPU-Anschaffungskosten direkt ab.
- Besicherte Kredite: Zusammen mit vertragsgebundenen Krediten finanziert IREN bis zu 100 % der Server-Hardware fremd.
- Volle Auslastung: Die Kapazitäten für 2026 sind bei mehr als verdoppelten Preisen weitgehend ausverkauft.
Vorauszahlungen tragen bis zu 55 Prozent der Hardware-Kosten
Der Ausbau moderner Rechenzentren für künstliche Intelligenz bindet enorme Summen an Kapital. Der Neocloud- und Infrastrukturanbieter IREN Ltd. hat nun offengelegt, wie das Unternehmen die teure Anschaffung von Grafikprozessoren (GPUs) in der Praxis finanziert. Im Mittelpunkt stehen mehrjährige Abnahmeverträge nach dem Take-or-pay-Prinzip, bei denen Kunden bereits vor der Inbetriebnahme erhebliche Summen bereitstellen.
Wie das Management auf X ausführte, decken Kunden-Vorauszahlungen bei den jüngsten Dreijahresverträgen bereits 45 % bis 55 % der gesamten Investitionsausgaben (Capex) für die jeweiligen GPUs ab. Kunden zahlen diesen Teil im Voraus, um sich knappe Rechenleistung für ihre Modelle verbindlich zu sichern.
Durch dieses Modell muss das Unternehmen die Beschaffung der Prozessoren nicht vollständig vorfinanzieren. Stattdessen sinkt der eigene Kapitalbedarf für die reine Rechenleistung drastisch, noch bevor der eigentliche Betrieb der Server beginnt.
Fremdkapital schließt die Finanzierungslücke bei Microsoft und Co.
Den verbleibenden Teil der Anschaffungskosten deckt IREN über projektbezogene Fremdkapitalfazilitäten ab, die direkt durch die vertraglich gebundenen GPUs besichert sind. Die konkreten Zinskonditionen hängen dabei stark von der Bonität des jeweiligen Abnehmers ab.
Für einen Vertrag mit Microsoft sicherte sich IREN beispielsweise eine Kreditfazilität mit A-Rating zu einem Zinssatz von rund 6 %. Zusammen mit den Vorauszahlungen des Tech-Konzerns wurden so 96 % des gesamten GPU-Capex finanziert. Bei einem Vertragspartner ohne Investment-Grade-Rating am Standort Mackenzie griff IREN auf eine feste Finanzierung zu 9 % Zinsen zurück. In Kombination mit den Vorauszahlungen dieses Kunden wurden sogar mehr als 100 % der Anschaffungskosten für die Server abgedeckt.
Signing deals isn’t the bottleneck in this market, bringing GPUs online is, and that’s our focus.
Co-CEO von IREN Ltd.
Die Amortisationszeit auf den jüngsten Dreijahresverträgen beziffert das Unternehmen auf etwa zwei Jahre. Durch die rasche Rückzahlung haben höhere Kreditzinsen oder breitere Spreads laut Management nur geringen Einfluss auf die Rentabilität der Verträge.
Eigene Rechenzentren bisher ohne Schulden finanziert
IREN unterscheidet strikt zwischen der Anschaffung der GPUs und der eigentlichen Gebäudeinfrastruktur. Die Rechenzentren, in denen die Hardware läuft, befinden sich im Eigentum des Unternehmens. Der Bau dieser Anlagen wurde bislang vollständig aus vorhandenen Barmitteln finanziert, ohne dass Schulden auf den Immobilien lasten.
Sobald diese Standorte mit den vertraglich gebundenen Kunden ans Netz gehen, können sie nach Unternehmensangaben künftig eigenständig Fremdkapital tragen. Dies eröffnet Spielraum für weitere Bauvorhaben, während die Hardware selbst durch die Kundenverträge refinanziert ist. Ausführliche Angaben zur Standortstruktur stellt IREN auch auf iren.com bereit.
Dieser Ansatz grenzt das Risiko ab: Sollten einzelne Verträge nach drei Jahren auslaufen, bleibt die Infrastruktur schuldenfrei im Besitz des Unternehmens, während die Anschaffung der Prozessoren bereits amortisiert ist.
Kapazitäten für 2026 ausverkauft bei verdoppelten Preisen
Die Nachfrage nach hochleistungsfähigen Rechenkapazitäten bleibt der begrenzende Faktor. Für das Jahr 2026 sind die Kapazitäten von IREN weitgehend ausverkauft. Bemerkenswert ist dabei das Preisniveau: Die jüngsten Dreijahresverträge schloss das Unternehmen zu mehr als dem doppelten Preis des Vorjahres ab.
Laut Angaben des Managements übersteigt auch die Nachfrage nach Kapazitäten für das Jahr 2027 das potenzielle Angebot bereits um ein Vielfaches. In sämtlichen Verhandlungen bilden Vorauszahlungen der Kunden die zentrale Bedingung. Erste Gespräche für Zuteilungen im Jahr 2028 laufen bereits.
Während sich Branchenberichten zufolge die Fertigstellung neuer Rechenzentren bei vielen Wettbewerbern verzögert, konzentriert sich IREN darauf, bestehende Bauten termingerecht mit Hardware auszustatten. Für Anleger verdeutlicht der Einblick, dass das Wachstum im KI-Infrastruktursektor derzeit nicht am Zugang zu billigem Eigenkapital scheitert, sondern an der operativen Fähigkeit, Rechenleistung rechtzeitig bereitzustellen.
Quellen & weiterführende Berichte