
Video-Ident, Juniordepot, Depotwechsel: Die Depoteröffnung im Detail
Wie eine Depoteröffnung grob abläuft, zeigen wir im Kurs-Hauptartikel zu Schritt 3. Diese Anleitung zum Depot eröffnen geht ins Detail: der Video-Ident-Termin Schritt für Schritt, Sonderfälle wie Juniordepot und Depotübertrag und die häufigsten Fragen kompakt an einem Ort.
Die drei zentralen Begriffe auf einen Blick
Wenn dir „Broker“, „Depot“ und „Verrechnungskonto“ beim Antrag begegnen, so hängen sie zusammen:
- Broker ist der Anbieter, bei dem du dein Depot führst. Trade Republic, Scalable Capital, ING oder comdirect zum Beispiel. Er stellt dir die App bereit und leitet deine Orders an die Börse.
- Depot ist dein Konto für Wertpapiere. Kaufst du eine Aktie, landet sie dort.
- Verrechnungskonto ist das Bankkonto, das zum Depot gehört. Hier liegt dein Cash, bevor du investierst, und hier landen Verkaufserlöse und Dividenden. Bei Neobrokern ist es automatisch Teil des Pakets, bei Direktbanken meist ein verknüpftes Tagesgeldkonto.
Alle drei richtest du im selben Eröffnungsprozess ein, du musst nichts getrennt beantragen.
Die Checkliste zum Mitnehmen
Alles, was du für die Eröffnung zur Hand haben solltest, auf einen Blick. Leg dir die Dinge vor dem Start zurecht:
- Personalausweis oder Reisepass für die Legitimation
- Steuer-ID (11-stellig), zu finden auf deiner Lohnabrechnung, im Steuerbescheid oder auf der Rückseite der Gesundheitskarte
- Smartphone mit Kamera für das Video-Ident-Verfahren
- IBAN deines Girokontos als Referenzkonto für Einzahlungen
- E-Mail-Adresse und Handynummer für Login und SMS-Verifizierung
- 15 bis 20 Minuten Zeit am Stück, der Prozess lässt sich schlecht unterbrechen
Video-Ident bei der Depoteröffnung: So läuft der Termin ab
Video-Ident ist für viele Einsteiger der einschüchterndste Teil der Depoteröffnung. Dabei ist der Ablauf überall gleich und in 5 bis 10 Minuten erledigt.
1. Termin starten. Du klickst in der App auf „Video-Ident starten“ und wirst in eine Warteschlange eingereiht. Wartezeit meist unter zwei Minuten. Die meisten Anbieter haben das Verfahren zwischen 7 und 22 Uhr verfügbar, viele auch am Wochenende.
2. Mitarbeiter meldet sich. Du bekommst einen Videoanruf von einem Mitarbeiter eines Ident-Dienstleisters (IDnow, WebID, Postident oder ähnlich). Er stellt sich vor, erklärt den Ablauf und prüft deine Verbindung und Beleuchtung.
3. Ausweis zeigen. Du hältst deinen Personalausweis vor die Kamera. Vorder- und Rückseite. Der Mitarbeiter prüft die Sicherheitsmerkmale: Hologramm, mikroskopische Schrift und das kippende Farbelement.
4. Gesichtsabgleich. Du hältst den Ausweis neben dein Gesicht. Der Mitarbeiter gleicht Foto und Person ab.
5. TAN bestätigen. Du bekommst per SMS einen Code, den du in der App eingibst. Damit ist der Vorgang abgeschlossen.
6. Freischaltung. Der Anruf endet und deine Identifizierung ist bestätigt. Bei den meisten Neobrokern ist dein Depot innerhalb einer Stunde nutzbar.
Wenn Video-Ident für dich nicht funktioniert, etwa weil du kein Smartphone mit Kamera hast, nutzt du alternativ das PostIdent-Verfahren. Du gehst mit deinem Ausweis in eine Postfiliale, die Identifizierung dauert dort zehn Minuten und die Freischaltung beim Broker erfolgt ein bis drei Werktage später.
Depotübertrag: So wechselst du dein Depot später
Du musst dich bei deinem ersten Depot nicht für immer entscheiden. Wenn du später feststellst, dass ein anderer Broker bessere Konditionen bietet, oder dir Erbschaft, Schenkung oder Mitarbeiteraktien aus einem alten Bestand zufallen, kannst du dein Depot jederzeit wechseln. Das nennt sich Depotübertrag und ist seit 2009 gesetzlich kostenlos.
So läuft es ab: Du eröffnest beim neuen Broker ein Depot wie gewohnt und stellst dort einen Übertragungsantrag mit den zu übertragenden Wertpapieren. Der alte Broker prüft und überträgt. Dauer: ein bis vier Wochen, in dieser Zeit kannst du die übertragenen Aktien nicht handeln. Mit übertragen werden alle Wertpapiere inklusive Anschaffungsdaten, also Kaufkurs und Kaufdatum jeder Position. Diese Daten sind entscheidend für deine Steuer: Ohne sie geht das Finanzamt vom Wert null aus und du würdest den vollen Verkaufserlös versteuern. Bei seriösen deutschen Brokern laufen die Daten automatisch mit, bei Auslandsbrokern oder Alt-Beständen kann es sein, dass du sie selbst nachweisen musst.
Was nicht mit übertragen wird: Cash auf dem alten Verrechnungskonto und in vielen Fällen Bruchstücke aus ETF-Sparplänen. Hat dein Sparplan zum Beispiel 12,375 Anteile angesammelt, wandern die ganzen 12 ins neue Depot, die 0,375 werden vom alten Broker zum aktuellen Kurs verkauft und gutgeschrieben. Das ist meistens harmlos, kann aber kleine Steuerwirkungen haben. Cash überweist du nach abgeschlossenem Wechsel selbst auf das neue Verrechnungskonto.
Juniordepot: Depot für dein Kind eröffnen
Ein Juniordepot ist ein Depot, das im Namen eines Minderjährigen läuft. Eigentümer ist rechtlich das Kind, verwaltet wird das Depot bis zur Volljährigkeit von den Eltern. Beliebt ist es vor allem zum langfristigen Vermögensaufbau über monatliche ETF-Sparpläne. Bei 18 Jahren Anlagehorizont ergibt selbst eine kleine Sparrate über die Zeit ein erstaunliches Vermögen.
Bei der Eröffnung müssen in der Regel beide Erziehungsberechtigten zustimmen, bei alleinigem Sorgerecht reicht ein Elternteil. Großeltern, Onkel oder Tanten können kein Juniordepot stellvertretend eröffnen, sie können aber durch Geldgeschenke zum Vermögensaufbau beitragen. Du brauchst zusätzlich zum eigenen Ausweis die Geburtsurkunde des Kindes oder den Kinderausweis. Bei Neobrokern wie Scalable Capital oder ING ist das Juniordepot online möglich, andere Anbieter verlangen die Eröffnung per Post.
Der eigentliche Reiz liegt in der Steuer. Dein Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr und einen eigenen Grundfreibetrag (für 2026 rund 12.000 Euro). Solange das Kind keine anderen Einkünfte hat, sind Kapitalerträge bis etwa 13.000 Euro pro Jahr komplett steuerfrei. Damit der Broker gar keine Abgeltungssteuer einbehält, beantragst du beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) und reichst sie beim Broker ein.
Mit dem 18. Geburtstag wird das Kind voll geschäftsfähig. Eltern verlieren ab diesem Zeitpunkt das Verwaltungsrecht. Das gesamte Depot inklusive aller Wertpapiere geht in die alleinige Verfügung des nun volljährigen Kontoinhabers. Für viele Eltern ist das eine Vertrauensfrage. Vorbeugen kannst du nur indirekt, etwa durch frühzeitige Aufklärung oder einen Teil des Vermögensaufbaus außerhalb des Juniordepots.
FAQ: Die häufigsten Fragen zur Depoteröffnung
Bei Neobrokern und den meisten Direktbanken: Nein. Die Eröffnung ist kostenlos, die Depotführung ebenfalls. Kosten entstehen erst beim Handel, also durch Ordergebühren. Filialbanken verlangen dagegen oft eine jährliche Depotführungsgebühr.
Ja, es gibt keine gesetzliche Beschränkung. Steuerlich wird jedes Depot getrennt abgerechnet, was die Steuererklärung etwas komplizierter macht. Für den Anfang reicht ein Depot. Später kannst du jederzeit ein zweites ergänzen, zum Beispiel wenn ein anderer Broker bessere Konditionen für Sparpläne bietet.
Nein. Studenten, Auszubildende, Rentner, Arbeitslose und Selbstständige können alle ein Depot eröffnen. Der Broker fragt bei der Wertpapierprüfung nach Einkommen und Vermögen, aber es gibt keine Mindestgrenze.
Ja, das geht. Bei den meisten Direktbanken (DKB, ING, Comdirect) heißt das Gemeinschaftsdepot oder Joint Account. Beide Inhaber müssen sich legitimieren und sind gleichberechtigt verfügungsberechtigt. Bei Neobrokern ist die Auswahl aktuell begrenzt, Trade Republic und Scalable Capital bieten zum Beispiel keines an. Bedenke auch die steuerliche Seite: Beide Inhaber werden dem Finanzamt gemeldet und teilen sich Sparerpauschbetrag und Verluste, was bei unterschiedlichem Einkommen nicht immer optimal ist.
Nein. Der Broker meldet alle relevanten Daten automatisch und stellt dir jährlich eine Steuerbescheinigung aus. Du gibst Kapitalerträge in der Steuererklärung nur an, wenn du etwas zurückbekommen willst oder Verluste und Gewinne zwischen mehreren Depots verrechnen lassen möchtest.
Ablehnungen sind selten, aber möglich. Häufige Gründe sind eine negative Schufa-Auskunft, unvollständige oder widersprüchliche Angaben oder ein abgelehntes Video-Ident. Der Broker nennt den Grund oft nicht im Detail. Du kannst aber bei der Schufa eine kostenlose Selbstauskunft anfordern und so Fehler erkennen. Wenn der Antrag aus Compliance-Gründen abgelehnt wurde, hilft oft ein Wechsel zu einem anderen Broker. Trade Republic, Scalable Capital, ING und finanzen.net Zero haben unterschiedliche Prüfprozesse.
Nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Vollgeschäftsfähig bist du erst mit 18, davor brauchst du für einen Depotvertrag die Unterschrift deiner Eltern. Viele Neobroker akzeptieren diese Konstellation gar nicht und verlangen das reguläre Juniordepot auf den Namen des Minderjährigen mit Verwaltung durch die Eltern.
Der Mitarbeiter bricht den Anruf ab, wenn die Bildqualität zu schlecht ist, das Licht nicht ausreicht oder dein Ausweis nicht eindeutig erkennbar ist. Du kannst den Termin sofort neu starten. Meist klappt der zweite Versuch mit etwas besserer Beleuchtung. Wenn es wiederholt scheitert, wechsle auf das PostIdent-Verfahren in einer Postfiliale.
Zusammenfassung
✅ Leg alle Unterlagen vor dem Start zurecht. Die Steuer-ID findest du am schnellsten auf deiner Lohnabrechnung.
✅ Video-Ident dauert 5 bis 10 Minuten und ist bei den meisten Anbietern zwischen 7 und 22 Uhr verfügbar.
✅ Gute Beleuchtung und eine ruhige Umgebung erhöhen die Chance, dass der Video-Ident beim ersten Versuch klappt.
✅ Mehrere Depots sind erlaubt, aber für den Anfang reicht eins.



