Kurs
Matthias v.M. in Goldesel Akademie
06.08.2026 21:20

CRV berechnen: Chance-Risiko-Verhältnis
Drei Kurse, eine Division, fertig: Kaum eine Kennzahl im Trading ist so schnell berechnet wie das Chance-Risiko-Verhältnis, und kaum eine wird trotzdem so oft falsch benutzt. Dieser Zusatzartikel liefert dir das komplette Handwerkszeug: die Formel, durchgerechnete Beispiele, die Break-even-Tabelle und eine Anleitung für deinen eigenen Rechner.
Wenn du das CRV berechnen kannst, bevor du auf Kaufen klickst, hast du den meisten Anfängern bereits den entscheidenden Schritt voraus. Denn die Rechnung zwingt dich, alle drei Marken eines Trades festzulegen: Einstieg, Stop-Loss und Kursziel. Wer eine davon nicht benennen kann, hat keinen Trade, sondern eine Hoffnung.
Dieser Artikel zeigt dir: Die CRV-Formel und ihre Bestandteile, drei komplett durchgerechnete Beispiele inklusive eines Trades, den du besser auslässt, die Break-even-Tabelle für jede Trefferquote, den Bau eines eigenen CRV-Rechners in zwei Minuten und die typischen Rechenfehler.
Die CRV-Formel
Das Chance-Risiko-Verhältnis vergleicht zwei Distanzen im Chart. Die Chance ist der Abstand vom Einstieg zum Kursziel, das Risiko der Abstand vom Einstieg zum Stop-Loss. Daraus ergibt sich die CRV-Formel für Long-Trades:
CRV = (Kursziel − Einstieg) ÷ (Einstieg − Stop-Loss)
Das Ergebnis liest du als Verhältnis: Ein Wert von 2 entspricht einem CRV von 2:1, du riskierst also 1 EUR für 2 EUR mögliche Chance. Manche Trader und Plattformen schreiben dasselbe Verhältnis andersherum als Risk Reward Ratio von 1:2, gemeint ist exakt das Gleiche. Für Short-Trades drehst du die Formel einfach um: Chance ist dann Einstieg minus Kursziel, Risiko ist Stop-Loss minus Einstieg.
Wichtig: In die Formel gehören realistische Marken aus dem Chart. Der Stop sitzt dort, wo deine Handelsidee widerlegt wäre, das Ziel an der nächsten relevanten Widerstandszone. Wie du diese Marken findest, war Thema der Hauptlektion, hier geht es um die saubere Rechnung damit.
CRV-Berechnung Schritt für Schritt: drei Beispiele
Beispiel 1: der Standard-Trade. Du planst einen Einstieg bei 50 EUR, dein Stop liegt am Tief des Rücksetzers bei 47 EUR, dein Ziel am letzten Hoch bei 56 EUR. Die CRV-Berechnung: Chance = 56 − 50 = 6 EUR. Risiko = 50 − 47 = 3 EUR. CRV = 6 ÷ 3 = 2, also 2:1. Der Trade erfüllt die Mindestanforderung und darf gehandelt werden.
Beispiel 2: der Breakout. Eine Aktie bricht aus einer Range zwischen 45 und 50 EUR aus. Einstieg bei 50 EUR, Stop zurück in der Range bei 48 EUR, Ziel per Range-Projektion bei 55 EUR. Chance = 5 EUR, Risiko = 2 EUR, CRV = 2,5:1. Ein überdurchschnittlich gutes Verhältnis, weil der enge Stop das Risiko klein hält.
Beispiel 3: der Trade, den du auslässt. Einstieg bei 100 EUR, der nächste sinnvolle Stop liegt erst bei 90 EUR unter einer weit entfernten Unterstützung, das realistische Ziel am Widerstand bei 105 EUR. Chance = 5 EUR, Risiko = 10 EUR, CRV = 0,5:1. Du würdest 1 EUR riskieren, um 50 Cent zu gewinnen, und bräuchtest dafür eine Trefferquote von über 66 %. Genau für diese Erkenntnis rechnest du das CRV vor jedem Trade: Manche Setups sehen im Chart gut aus und sind mathematisch trotzdem unbrauchbar.
Break-even: Welche Trefferquote dein CRV verlangt
Aus dem CRV folgt direkt, wie oft du mindestens richtig liegen musst, um auf null zu kommen. Die Formel: benötigte Trefferquote = 1 ÷ (1 + CRV). Damit du nicht rechnen musst, hier die Übersicht:
| CRV | Break-even-Trefferquote | Einordnung |
|---|---|---|
| 0,5:1 | 66,7 % | Für Einsteiger praktisch unerreichbar |
| 1:1 | 50 % | Jeder zweite Trade muss sitzen |
| 1,5:1 | 40 % | Machbar, aber wenig Puffer |
| 2:1 | 33,3 % | Faustregel: 4 von 10 Treffern reichen für Gewinn |
| 2,5:1 | 28,6 % | Komfortable Fehlerquote erlaubt |
| 3:1 | 25 % | Jeder vierte Treffer genügt |
Die Tabelle ist dein Realitätscheck in beide Richtungen. Sie zeigt, warum ein Mindest-CRV von 2:1 so viel Druck aus dem Trading nimmt, und sie entlarvt zugleich die Grenzen: Ein CRV von 3:1 nützt nichts, wenn das Ziel so weit weg liegt, dass es fast nie erreicht wird. Die Trefferquote und das CRV hängen zusammen, wer das eine hochschraubt, drückt meist das andere.
CRV-Rechner: In zwei Minuten selbst gebaut
Einen CRV-Rechner brauchst du nicht zu kaufen, du baust ihn dir in Excel oder Google Sheets schneller selbst, als du einen herunterlädst. Lege vier Eingabezellen an: Kontogröße, Einstieg, Stop-Loss und Kursziel. Darunter berechnen drei Formeln alles Wichtige.
Das CRV: =(Kursziel−Einstieg)/(Einstieg−Stop). Das Risiko pro Aktie: =Einstieg−Stop. Und gleich die passende Positionsgröße nach der 1-%-Regel dazu: =ABRUNDEN((Kontogröße*0,01)/(Einstieg−Stop);0). Mit bedingter Formatierung färbst du die CRV-Zelle rot, wenn der Wert unter 2 liegt, und hast damit deine persönliche Handelsampel: Vor jedem Trade drei Kurse eintragen, und das Sheet sagt dir, ob der Trade die Mindestanforderung erfüllt und wie viele Aktien du kaufen darfst.
Alternativ zeigen viele Broker und Chartplattformen das Verhältnis direkt an, etwa über Positions-Tools, bei denen du Einstieg, Stop und Ziel im Chart ziehst. Das ist bequem, ersetzt aber nicht das Verständnis der Rechnung dahinter, denn die Tools übernehmen jede unrealistische Zielmarke ungefragt.
Typische Fehler bei der CRV-Berechnung
Vier Fehler tauchen bei der CRV-Berechnung immer wieder auf. Der erste ist das bereits erwähnte Schönrechnen über Fantasieziele. Der zweite ist das Ignorieren der Kosten: Ordergebühren und Spread verschieben das reale Verhältnis, was vor allem bei kleinen Positionen ins Gewicht fällt. Wer mit 200 EUR Positionen handelt und pro Runde 2 EUR Gebühren zahlt, gibt bereits 1 % der Position an Kosten ab, bevor der Kurs sich bewegt hat.
Der dritte Fehler ist das nachträgliche Anpassen: Der Kurs nähert sich dem Stop, und plötzlich wird die Rechnung „aktualisiert“, der Stop wandert tiefer, das CRV des ursprünglichen Plans existiert nicht mehr. Die Berechnung gilt nur, wenn die Marken auch eingehalten werden. Und der vierte Fehler ist das isolierte Starren auf die Kennzahl: Ein CRV von 2:1 macht einen Trade handelbar, aber nicht automatisch gut. Setup-Qualität, Marktumfeld und Trefferquote gehören immer dazu.
Warum das CRV zusammen mit Trefferquote und Positionsgröße über deinen Trading-Erfolg entscheidet, liest du in der Hauptlektion Einstieg, Ausstieg, CRV: Die drei Säulen.
Alle Lektionen und Strategien des Kurses findest du auf der Übersichtsseite Trading-Strategien.
Zusammenfassung: CRV berechnen
✅ Die CRV-Formel für Long-Trades lautet: (Kursziel − Einstieg) ÷ (Einstieg − Stop-Loss). Für Shorts wird sie gespiegelt.
✅ Ein Ergebnis von 2 bedeutet ein CRV von 2:1: 1 EUR Risiko steht 2 EUR Chance gegenüber. Die Schreibweise Risk Reward Ratio 1:2 meint dasselbe.
✅ Die Break-even-Trefferquote ergibt sich aus 1 ÷ (1 + CRV): Bei 2:1 reichen 33,3 % Treffer, bei 0,5:1 bräuchtest du unrealistische 66,7 %.
✅ Trades mit einem CRV unter 2:1 lässt du als Einsteiger aus, egal wie gut das Setup aussieht. Die Rechnung entscheidet, nicht das Gefühl.
✅ Ein eigener CRV-Rechner ist in Excel oder Google Sheets mit drei Formeln gebaut und liefert CRV und 1-%-Positionsgröße auf einen Blick.
✅ Die häufigsten Fehler sind geschönte Fantasieziele, ignorierte Gebühren, nachträglich verschobene Stops und der Blick aufs CRV ohne Trefferquote.
✅ In die Formel gehören Marken aus dem Chart: erst Stop und Ziel objektiv ableiten, dann rechnen, niemals umgekehrt.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Die Autoren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren nicht investiert.
Häufige Fragen
Wie berechne ich das CRV?
Mit der Formel CRV = (Kursziel − Einstieg) ÷ (Einstieg − Stop-Loss). Beispiel: Einstieg 50 EUR, Stop 47 EUR, Ziel 56 EUR ergibt 6 ÷ 3 = 2, also ein CRV von 2:1. Du riskierst 1 EUR für 2 EUR mögliche Chance.
Was bedeutet ein CRV von 2:1?
Dein möglicher Gewinn ist doppelt so groß wie dein einkalkulierter Verlust. Damit bist du bereits profitabel, wenn nur 4 von 10 Trades aufgehen, die Break-even-Trefferquote liegt bei 33,3 %.
Wie berechne ich das CRV bei Short-Trades?
Spiegelverkehrt: Die Chance ist Einstieg minus Kursziel, das Risiko ist Stop-Loss minus Einstieg. Bei einem Short-Einstieg zu 50 EUR mit Stop bei 52 EUR und Ziel bei 44 EUR ergibt das 6 ÷ 2 = 3, also ein CRV von 3:1.
Welche Trefferquote brauche ich bei welchem CRV?
Die Break-even-Formel lautet 1 ÷ (1 + CRV). Bei 1:1 brauchst du 50 % Treffer, bei 2:1 nur 33,3 %, bei 3:1 reichen 25 %. Alles über dieser Schwelle ist Gewinn, alles darunter Verlust.
Gibt es einen guten CRV-Rechner?
Am flexibelsten ist ein selbst gebautes Sheet mit den Formeln aus diesem Artikel, das dir CRV und Positionsgröße gleichzeitig liefert. Viele Broker und Chartplattformen bieten zusätzlich Positions-Tools, bei denen du die drei Marken direkt im Chart ziehst.
Reicht ein gutes CRV allein für profitables Trading?
Nein. Das CRV sagt nur, ob sich ein Trade rechnerisch lohnen kann, nicht wie wahrscheinlich der Erfolg ist. Erst zusammen mit einer realistischen Trefferquote, sauberem Risikomanagement und einem getesteten Setup entsteht eine profitable Strategie.
