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Lars Weigand in Börsennews

04.02.2026 18:35

Blogartikelbild Blanke Panik am Markt: Warum Paypal, Novo Nordisk, AMD und Co. fallen

Blanke Panik am Markt: Warum Paypal, Novo Nordisk, AMD und Co. fallen

In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” unseres Goldesels Michael Flender und Daniel von Investflow sprechen unsere beiden Experten über die aktuelle Lage am Markt und die massiven Abverkäufe nach den Quartalszahlen von PayPal, Novo Nordisk, AMD und S&P Global.

Außerdem geht es um die Quartalszahlen von Palantir und weitere Abverkäufe bei den Aktien von Wolters Kluwer und Nintendo.

Warum nahezu jede Aktie, die Quartalszahlen gemeldet hatte, massiv abverkauft wurde, weshalb Palantir der einzige Lichtblick war und was es sonst am Markt neues gab, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe bei Apple PodcastSpotify oder direkt bei Youtube.

Kurzüberblick: Was ist passiert?

Der Markt hat innerhalb kürzester Zeit eine klare Zweiteilung gezeigt: klassische Software- und KI-Hype-Titel wurden brutal abverkauft, während defensive Dividendenschwergewichte und Maschinenbauer sich vergleichsweise stabil behaupteten.

  • Tech- und Software-Aktien wurden massiv abgestoßen; viele Softwarewerte sind weiter zweistellig im Minus.
  • PayPal enttäuschte auf mehreren Ebenen: Guidance gesenkt, operative Kennzahlen verschlechtern sich, CEO ersetzt.
  • Novo Nordisk überraschte negativ bei der Umsatz- und Margenprojektion für 2026 trotz Wegovy-Erfolg.
  • AMD lieferte starke Quartalszahlen, doch die Aktie fiel trotzdem – es fehlte die erhoffte starke Guidance.
  • S&P Global fiel überraschend; die Ankündigung eines Rebrandings/Spin-offs der Mobility-Sparte wurde negativ interpretiert.
  • Palantir dagegen glänzte mit extrem starkem Wachstum – ein Gegenpol zur Software-Dynastie.

Warum diese Zweiteilung?

Der Markt fährt aktuell zwei Narrative gleichzeitig:

  1. KI-Hype und Software-Euphorie: Sehr hohe Bewertungen hatten viele Softwarefirmen und KI-Profiteure bereits dicht an optimistische Erwartungen herangeführt. Kleine Störsignale reichen jetzt aus, um Vertrauen zu zerstören.
  2. Defensive Werte und Cashflow-Stories: Konsumwerte mit stabilen Umsätzen, Dividendenzahler und industrielle Maschinenbauer halten sich deutlich besser – sie sind weniger abhängig von hohen Wachstumsannahmen.

PayPal: Verkauf im Langfristdepot

Aktienverlinkung: US70450Y1038

PayPal war für viele lange Zeit ein Zünglein an der Waage im Digital-Payment-Sektor. Die jüngsten Kennzahlen und Management-Entscheidungen sind aber so negativ, dass Michael seine Position im Langfristdepot verkauft Hat. Wichtige Punkte:

  • Guidance 2026: Das Unternehmen gab eine Prognose mit Single-Digit-Wachstum ab – deutlich zu niedrig für ein Unternehmen, das zuletzt als Wachstumsgeschichte gesehen wurde.
  • Take-Rate: Die Total Take Rate ist weiter gefallen – aktuell bei 1,83 % (Vorjahr 1,91 %). Das bedeutet niedrigere Margen pro Transaktion.
  • Transaktionen pro aktivem Account: Rückgang um 5 % – weniger Aktivität je Nutzer ist ein echtes strukturelles Problem.
  • Managementwechsel: Der CEO musste gehen. Solche Wechsel in kritischen Phasen werden vom Markt oft als Zeichen tiefer liegender Probleme gedeutet.

PayPal hatte in der Vergangenheit große Aktienrückkäufe durchgeführt, aber Rückkäufe helfen nicht, wenn das Geschäftsvolumen schrumpft. Bei sinkenden Margen und rückläufiger Aktivität ist die Bewertungsfrage fundamental: ein niedriges KGV ist wertlos, wenn das Geschäft schrumpft. Deshalb hat Michael seine Position verkauft.

Was sollte man jetzt tun?

  • Überprüfen, ob das Geschäftsmodell noch nachhaltig ist oder ob struktureller Marktanteilsverlust vorliegt.
  • Auf Management-Kommunikation achten: Gibt es eine klare Strategie zur Reaktivierung des Geschäfts?
  • Als Anleger: Kapital vernünftig umschichten. Wenn Vertrauen weg ist, bleibt Kapital gebunden.

Novo Nordisk: Massive Verfehlung

Aktienverlinkung: US6701002056

Die Geschichte von Novo Nordisk ist besonders bitter: die neue Abnehmpille (Wegovy) bringt initiale Begeisterung, doch das klassische Geschäft steht unter massivem Preisdruck. Die Guidance für 2026 wurde mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang von 5 bis 13 % kommuniziert. Das ist deutlich negativer als viele Marktteilnehmer erwartet hatten.

Wichtige Faktoren:

  • Preiskampf: Medikamente werden in den USA zunehmend reguliert; Preiszugeständnisse und Preisobergrenzen belasten das Ergebnis.
  • Volumeneffekt: Die starke Nachfrage nach Wegovy kann das Minus im Stammgeschäft nicht vollständig kompensieren.
  • Aktienrückkauf & Dividende: Novo kündigte ein Rückkaufprogramm (bis zu 15 Mrd. DKK) und eine Dividende an, doch das half den Kursen nicht.

Novo ist nicht mehr die klare Wachstumsstory allein aufgrund von Wegovy. Wer langfristig investiert ist, kann die Aktie halten, wer kurzfristig Rendite erwartet, sollte vorsichtig sein. Michael und Daniel bleiben investiert, sehen aber keine schnelle Trendwende.

AMD: Gute Zahlen, schlechte Stimmung

Aktienverlinkung: US0079031078

AMD lieferte operativ ein solides Quartal:

  • Umsatz: 10,3 Mrd. USD vs. Konsens 9,7 Mrd. USD – ein klarer Beat.
  • EPS: 1,53 USD vs. erwartet 1,32 USD – eine deutliche Outperformance.
  • Rechenzentren: Wachstum um fast 40 % – weiter der Kerntreiber.

Trotzdem fiel die Aktie nach der Veröffentlichung – warum?

  • Die Guidance war nicht in dem Maße expansiv, wie sich der Markt das erhofft hatte.
  • Ein Teil der erwarteten Umsätze (rund 100 Mio. USD) wird durch China-Aktivitäten erklärt; bereinigt lag man an der unteren Kante der Markterwartungen.
  • Generelle Schwäche im KI- und Softwaresektor belastet die Stimmung auch bei Halbleiter-Profiteuren.

Operativ ist AMD stark. Der Rücksetzer auf die Stimmung am Gesamtmarkt zurückzuführen. Für Langfristanleger mit Überzeugung in die AI-/Rechenzentrumsthematik bleibt AMD weiterhin interessant; Trader sollten Volatilität einplanen.

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S&P Global: Rebranding löst Panik aus

Aktienverlinkung: US78409V1044

S&P Global verlor rund 10 % – überraschend, weil die Nachricht (Rebranding und Absicht zur Abspaltung der Mobility-Sparte) per se nicht dramatisch wirkte. Warum dann die scharfe Reaktion?

  • Der Markt war generell in einem Abwärtsstrudel; selbst neutrale oder erwartete News werden dann überproportional abgestraft.
  • Teilweise Unsicherheit über Bewertung und Zukunft der abgespaltenen Sparte.
  • Viele Investoren nutzen Marktstress, um Rebalancing vorzunehmen – das erhöht die Verkäufe.

Die Lehre: In schwachen Märkten reagieren Anleger empfindlich auf jede Veränderung, auch wenn die Informationen isoliert gesehen nicht gravierend sind.

Palantir: Der Lichtblick

Aktienverlinkung: US69608A1088

Als Kontrastprogramm zu den Abverkäufen glänzte Palantir. Die Zahlen waren beeindruckend:

  • Umsatzwachstum von rund 70 % im Jahresvergleich.
  • Commercial Revenue wuchs um 137 % – starke Nachfrage aus dem kommerziellen Segment.
  • Rule of 40 liegt bei 127 % – das ist herausragend und zeigt, wie profitabel Wachstum und Margen zusammenwirken können.

Palantir ist aktuell eines der Unternehmen, das den Markt beeindruckt, weil Wachstum und Profitabilität hier gleichzeitig stattfinden, gegen die Schwäche im Nasdaq konnte sich jedoch auch Palantir bei der weiterhin hohen Bewertung nicht wehren.

Weitere Nachrichten: Pepsico, Nintendo, Wolters Kluwer

Pepsico

Aktienverlinkung: US7134481081

Pepsico absolvierte ein solides Quartal: Umsatzanstieg, leicht über den Erwartungen liegender bereinigter Gewinn je Aktie und ein deutliches Wachstum des Nettoeinkommens. Die Aktie reagierte positiv. Das erinnert daran, dass defensive Konsumwerte in schwachen Phasen oft die Stabilitätsanker des Depots sind.

Nintendo

Aktienverlinkung: JP3756600007

Nintendo wurde von Sorgen um Speicherknappheit getroffen – das kann Margen und Lieferfähigkeit der neuen Konsole beeinträchtigen. Hardware-Engpässe sind echte Risikoquelle, weil sie Timing und Absatzvolumen stark beeinflussen.

Wolters Kluwer

Aktienverlinkung: NL0000395903

Wolters Kluwer sank deutlich, nachdem neue KI-Tools angekündigt wurden, die juristische Workflows automatisieren können. Der Markt interpretiert solche Entwicklungen als potentielles Risiko für spezialisierte Anbieter. Die Geschwindigkeit, mit der Geschäftsmodelle durch KI in Frage gestellt werden, ist aktuell beängstigend schnell.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

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