60 Milliarden für Anthropic – während Microsoft bei Claude spart
Microsoft kürzt seine Claude-Ausgaben um über ein Drittel, Meta nutzt den KI-Assistenten seltener. Gleichzeitig fließen 60 Milliarden Dollar in…
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Milliarden-Finanzierung: Broadcom bereitet eine 60-Milliarden-Dollar-Finanzierung vor, damit Anthropic und weitere Unternehmen KI-Chips und Infrastruktur bezahlen können.
- Microsoft kürzt: Microsoft hat laut The Information seine geplanten jährlichen Claude-Ausgaben von mindestens 1 Milliarde US-Dollar um mehr als ein Drittel reduziert.
- Meta gibt trotzdem aus: Obwohl die internen Claude-Code-Nutzer bei Meta von rund 60.000 auf etwa 30.000 sanken, gab Meta in 28 Tagen über 105 Millionen US-Dollar dafür aus.
Microsoft und Meta drehen bei Claude herunter
Bei Microsoft hat sich die Stimmung gegenüber Claude erkennbar abgekühlt. Wie das Fachmedium The Information berichtet, hatte der Konzern ursprünglich geplant, intern mindestens 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr für Anthropics Technologie auszugeben. Diese Projektion wurde laut Bericht um mehr als ein Drittel gekürzt. Beschäftigte wurden außerdem aufgefordert, Claude seltener zu nutzen und stattdessen stärker auf Microsofts eigene Angebote sowie andere Modelle zurückzugreifen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Meta. Auch dort ist die interne Nutzung von Claude Code, der Programmierhilfe von Anthropic, rückläufig. Die Zahl der internen Nutzer sei von rund 60.000 auf etwa 30.000 gesunken, berichtet The Information. Bemerkenswert ist dabei der Geldfluss: Obwohl weniger Mitarbeiter das Tool nutzen, soll Meta innerhalb von 28 Tagen mehr als 105 Millionen US-Dollar für Claude Code ausgegeben haben. Der Rückgang der Nutzerzahlen hat die Ausgaben also offensichtlich nicht im gleichen Maß gedämpft.
Der Bericht von The Information zeichnet damit das Bild zweier Großkonzerne, die ihre Abhängigkeit von einem fremden KI-Anbieter begrenzen wollen – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem für eben diesen Anbieter Milliardenbeträge mobilisiert werden.
Gleichzeitig: 60 Milliarden Dollar für Anthropics Chip-Infrastruktur
Während Microsoft und Meta ihre interne Claude-Nutzung zurückfahren, arbeitet Broadcom an einem Finanzierungspaket von gigantischem Ausmaß. Der Chipkonzern bereitet eine Fremdfinanzierung über insgesamt 60 Milliarden US-Dollar vor, wie aus der Meldung von Yahoo Finance hervorgeht. Das Geld soll den Zugang von Anthropic und weiteren Unternehmen zu KI-Chips und der dazugehörigen Infrastruktur finanzieren.
Die Struktur des Pakets ist zweigeteilt: Eine vorrangig besicherte Tranche umfasst 42 Milliarden US-Dollar, eine nachrangige Tranche 18 Milliarden US-Dollar. An dieser nachrangigen Tranche ist Blackstone beteiligt. Der Vermögensverwalter soll 9 Milliarden US-Dollar eigenes Kapital einbringen und die übrigen 9 Milliarden US-Dollar an weitere Investoren weitergeben.
Broadcom trägt das Risiko – und bindet Anthropic an sich
Der Kern der Konstruktion ist eine Zusage von Broadcom selbst. Der Konzern hat sich verpflichtet, Anthropic bis zu 42 Milliarden US-Dollar zu leihen, damit das KI-Unternehmen seine Infrastrukturaufwendungen finanzieren kann. Broadcom gibt also nicht nur Chips, sondern auch Kredit, um seinen wichtigsten Kunden an sich zu binden.
Dieses Modell hat für beide Seiten eine klare Logik. Anthropic braucht Rechenleistung in einem Umfang, den die eigenen Mittel nicht decken würden, und kann sie so frühzeitig und langfristig sichern. Broadcom sichert sich wiederum Umsätze, die über Jahre im Voraus feststehen. Die Details der Finanzierung zeigen, wie stark der Markt darauf setzt, dass die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter steigen wird.
Wie groß ist der Widerspruch wirklich?
Auf den ersten Blick passen die beiden Meldungen nicht zusammen: Zwei der größten Technologiekonzerne nutzen Claude weniger, gleichzeitig fließen 60 Milliarden Dollar in Anthropics Chip-Versorgung. Bei genauerem Hinsehen relativiert sich der Widerspruch aber. Microsoft und Meta reduzieren ihre Ausgaben für Claude, streichen sie aber nicht. Metas mehr als 105 Millionen US-Dollar in 28 Tagen allein für Claude Code zeigen, dass auch ein gesunkener Nutzerkreis beachtliche Summen verursacht.
Dazu kommt: Microsoft und Meta sind vor allem Interpreten des eigenen Interesses. Sie haben eigene KI-Modelle im Angebot und jedes Motiv, die Abhängigkeit von einem Konkurrenten im eigenen Haus zu begrenzen. Die 60-Milliarden-Finanzierung wiederum stammt von Finanzinvestoren und Broadcom, die auf Anthropics Wachstum als Geschäft setzen. Beide Seiten folgen schlicht unterschiedlichen Rechnungen. Medienberichte und Analysteninterpretationen weisen allerdings darauf hin, dass ein dauerhaft sinkender Konsum von Microsoft und Meta den Wachstumspfad von Anthropic belasten könnte – die Finanzierungszusage allein garantiert noch keine steigende Nachfrage.
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Die Meldung berührt mehrere börsennotierte Unternehmen mit unterschiedlichen Rollen. Broadcom profitiert als Chiplieferant direkt, weil es Anthropic nicht nur beliefert, sondern über Milliardenkredite langfristig an sich bindet. Blackstone bringt 9 Milliarden US-Dollar Eigenkapital in die nachrangige Tranche ein und verdient an der Verzinsung, sofern die KI-Infrastruktur die Erwartungen erfüllt. Microsoft und Meta stehen auf der anderen Seite: Sie könnten kurzfristig Kosten sparen, langfristig aber Wettbewerb und Konzentration im KI-Markt vorantreiben.
Für Anleger ist der Kern der Geschichte weniger die Frage, wer Claude intern nutzt, sondern wer das Kapitalrisiko trägt, wenn die Nachfrage nach KI-Rechenleistung nicht im erwarteten Tempo wächst. In dieser Rechnung haben Broadcom und Blackstone derzeit deutlich mehr auf dem Spiel als Microsoft und Meta.
Diese Aktien gelten als mögliche Verlierer
Aus dem beschriebenen Anlass könnten vor allem diese Börsentitel stärker unter Druck geraten — mit unterschiedlichem Hebel.
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