16,8 Milliarden Dollar Quartalsumsatz: Anthropic vor Rekord-IPO
Anthropic steigert den Umsatz auf 16,8 Milliarden Dollar und wirtschaftet profitabel. Vor dem Börsengang wächst jedoch der Druck durch Konkurrenten.
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Umsatzsprung auf 16,8 Milliarden: Anthropic steigerte den Quartalsumsatz um knapp 50 Prozent und erzielte eine bereinigte operative Marge von 11 Prozent.
- Börsengang im November: Das Unternehmen wird privat mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet und strebt für November den Sprung an die Börse an.
- Wachsender Margendruck: Hohe Infrastrukturpläne von über 500 Milliarden US-Dollar und Preissenkungen im Wettbewerb mit OpenAI belasten die künftigen Ertragsaussichten.
Sprung auf 16,8 Milliarden US-Dollar vor dem Börsengang
Der KI-Entwickler Anthropic bereitet sich auf seinen Gang an die Börse vor und legte vor Investoren in San Francisco aktuelle Geschäftszahlen vor. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um fast 50 Prozent auf 16,8 Milliarden US-Dollar. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen 11,5 Milliarden US-Dollar erlöst, nach rund 4,8 Milliarden US-Dollar in den ersten drei Monaten des Jahres. Trotz dieser Steigerung verlangsamte sich das relative Wachstumstempo im Vergleich zum Jahresauftakt, als sich die Erlöse zwischenzeitlich mehr als verdoppelten.
Aktuell wird das Unternehmen in privaten Finanzierungsrunden mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet. Der Schritt an die Börse ist bereits für November 2026 geplant. Sollte die Platzierung zu dieser Bewertung gelingen, könnte es der bislang historisch wertvollste Börsengang werden. Laut einem Bericht der Financial Times erwirtschaftete das Unternehmen zum zweiten Mal in Folge ein bereinigtes operatives Ergebnis. Die bereinigte operative Marge lag bei 11 Prozent, wobei aktienbasierte Vergütungen in dieser Kennzahl nicht berücksichtigt sind. Zudem meldete die Führungsebene einen positiven Cashflow.
Umsatzprognosen und das Vorgehen gegen Destillation
Die Schätzungen zur langfristigen Erlöskraft fielen in den vergangenen Monaten auseinander. Nach Berechnungen des Analysehauses SemiAnalysis steigt der annualisierte Umsatz von Anthropic auf Basis der Zahlen des dritten Quartals auf rund 74 Milliarden US-Dollar. Ende Juli lag diese Kennzahl noch bei 65 Milliarden US-Dollar. Im Sommer hatten einige Investoren für das Gesamtjahresende noch einen annualisierten Wert von weit über 100 Milliarden US-Dollar prognostiziert.
Anthropic befindet sich nun in einem Zweikampf, im Gegensatz zum Ein-Pferde-Rennen in der ersten Jahreshälfte … die Erwartungen der Investoren waren bis heute gesunken.
Joey Brookhart, SemiAnalysis
Ein Grund für den Gegenwind liegt in veränderten Einnahmequellen. Anthropic schränkte im dritten Quartal die sogenannte Modell-Destillation deutlich ein. Dabei trainieren andere KI-Entwickler eigene Modelle anhand der Ausgaben fortschrittlicher Systeme. Zuvor machte diese Praxis 5 bis 7 Prozent des Gesamtumsatzes von Anthropic aus. Parallel dazu verschärfte sich der Wettbewerb, da OpenAI nach neuen Modellveröffentlichungen im Sommer wieder aufholte und beide Anbieter ihre Preise senkten, um Anteile gegen günstigere Systeme zu verteidigen.
Risikofaktoren im S-1-Dokument und geplante Investitionen
Die Unterlagen für den geplanten Börsengang enthalten ungewöhnlich detaillierte Abschnitte zur Risikolage. In einem frühen Entwurf des S-1-Registrierungsdokuments, den ausgewählte Investoren einsehen konnten, entfiel fast ein Drittel des gesamten Textes auf Risikofaktoren. Darin ging das Unternehmen auf unvorhersehbares und potenziell bösartiges Modellverhalten ein. Sicherheitsfragen nahmen auch bei der Präsentation vor den Geldgebern breiten Raum ein, da Vorfälle rund um Modellmanipulationen und Fehlverhalten die Bewertung technologischer Systeme zuletzt verkomplizierten.
Für die kommenden zehn Jahre plant Anthropic nach vorliegenden Angaben Investitionen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar. Diese Mittel sollen in Serverinfrastruktur, Rechenleistung und biomedizinische Forschung fließen. Ob dieses Volumen in voller Höhe realisiert werden kann, hängt maßgeblich von den Finanzierungsbedingungen und dem Zinsumfeld ab. Vorstandschef Dario Amodei und Finanzvorstand Krishna Rao wiesen die Geldgeber darauf hin, dass die aktuellen operativen Margen durch solch kapitalintensive Ausgaben künftig wieder unter Druck geraten können.
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