
Amazon mit Übernahme, ASML stark, LVMH schwach & JPMorgan warnt
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” sprechen unser Goldesel Michael Flender und Daniel von Investflow über die Rallye der letzten Tage und die Berichtssaison, die nun langsam Fahrt aufnimmt. Unsere Experten blicken für euch auf die Zahlen von ASML, LVMH und JPMorgan.
Bei JPMorgan waren insbesondere die Worte von CEO Jamie Dimon spannend, der vor wirtschaftlichen Problemen aufgrund der hohen Energiepreise und der Staatsverschuldung der USA warnte.
Michael und Daniel blicken außerdem auf Amazons Übernahme in zweistelliger Milliardenhöhe, mit der Andy Jassy Starlink mehr Konkurrenz im Weltall machen möchte.
Warum LVMH wieder enttäuscht hat, welches Unternehmen Amazon übernommen hat und welche Risiken Jamie Dimon sieht, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Podcast-Episode bei Apple Podcast, Spotify oder direkt bei Youtube.
Marktlage: Tech bleibt der Taktgeber, aber die Nerven liegen blank
Die Woche begann zunächst freundlich. Gerade Softwaretitel hatten kurz den Anschein, als könnte es einen kleinen Comeback-Versuch geben. Der wurde aber ziemlich schnell wieder abgewürgt. Einzelne Aktien aus dem Cloud- und Cybersecurity-Bereich wurden regelrecht zerlegt.
Beispiele dafür gab es genug. ServiceNow geriet nach einer Abstufung deutlich unter Druck. Cloudflare verlor zweistellig, Fastly noch stärker. Auch viele andere Softwarewerte wurden wieder pauschal abverkauft. Der Auslöser dafür ist immer wieder das gleiche Thema: künstliche Intelligenz. Sobald neue Modelle, Tools oder Plattform-Funktionen angekündigt werden, wird reflexartig darüber spekuliert, welche bestehenden Softwareanbieter dadurch unter Druck geraten könnten. Besonders rund um Anthropic und neue KI-Anwendungen war diese Nervosität zuletzt wieder deutlich spürbar.
Spannend wird deshalb die Berichtssaison. Denn jetzt zeigt sich, ob Unternehmen tatsächlich schon Lizenzen kündigen, Budgets umschichten oder Softwarelösungen in größerem Stil durch eigene KI-Workflows ersetzen. Falls ja, könnte es in einigen Segmenten noch einmal ungemütlich werden. Falls nein, ist bei vielen abgestraften Werten auch ein kräftiger Rebound möglich.
Geopolitik etwas ruhiger, große Techwerte wieder gefragt
Während im Softwarebereich also weiter Unruhe herrscht, hat sich die geopolitische Lage zuletzt etwas beruhigt. Aussagen aus dem politischen Umfeld in den USA deuteten darauf hin, dass der Markt wieder stärker mit Entspannung im Nahen Osten rechnet.
Vor allem die großen Techwerte konnten davon profitieren. Meta zeigte ein starkes Comeback, Amazon lief gut, Alphabet ohnehin. Genau das treibt am Ende auch die großen US-Indizes. Erst hieß es noch, die Zeit von Big Tech sei vorbei. Davon ist aktuell wenig zu sehen.
Dazu kommen neue Infrastruktur-Deals wie etwa zwischen Broadcom und Meta. Auch hier sieht man wieder, dass der Ausbau von Rechenzentren, Netzwerken und KI-Kapazitäten mit hoher Geschwindigkeit weitergeht. Und genau an dieser Stelle wird es spannend, denn davon profitieren Unternehmen wie ASML direkt.
ASML liefert stark ab und bestätigt den Infrastrukturboom
ASML hat im ersten Quartal starke Zahlen vorgelegt. Der Umsatz lag bei 8,8 Milliarden Euro, die Bruttomarge bei 53 Prozent und der Nettogewinn bei 2,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie betrug 7,15 Euro.
Auch im Vergleich zum Vorjahr kann sich das sehen lassen. Der Umsatz stieg um 12,2 Prozent, das operative Ergebnis legte ebenfalls deutlich zu. Die Analystenschätzungen wurden damit erfüllt beziehungsweise leicht übertroffen.
Wirklich wichtig war aber nicht nur das nackte Zahlenwerk, sondern vor allem das, was zwischen den Zeilen sichtbar wurde:
- Der Auftragseingang bleibt hoch
- Die Nachfrage nach Chip-Equipment ist weiterhin stark
- Die Jahresprognose wurde bestätigt und am oberen Ende sogar optimistischer eingeordnet
Für das Gesamtjahr stellt ASML nun 36 bis 40 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht. Das ist stärker als die bisherige Spanne von 34 bis 39 Milliarden Euro. Gerade bei einem Management, das normalerweise eher konservativ kommuniziert, ist das ein gutes Zeichen.
Hinzu kommt eine Entwicklung, die langfristig besonders relevant ist: Der Umsatzmix verschiebt sich weiter weg von China und hin zu moderneren Technologien, bei denen ASML eine zentrale Rolle spielt. China war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Treiber, wird aber perspektivisch an Bedeutung verlieren. Genau das war bereits länger absehbar und ändert nichts an der langfristigen Story.
Der zentrale Punkt bleibt: Die weltweite Chipnachfrage übertrifft das Angebot, und die Kunden beschleunigen ihre Expansionspläne. Wenn der Ausbau von Rechenzentren, KI-Infrastruktur und Hochleistungs-Chips weiter so läuft, dann muss sich das bei ASML bemerkbar machen. Genau das sieht man jetzt.
Die Aktie reagierte auf die Zahlen zwar leicht negativ. Aber nach einem Anstieg von rund 40 Prozent seit Jahresbeginn und deutlich über 100 Prozent auf Jahressicht ist ein kurzes Sell the News nicht ungewöhnlich. Fundamental sah das Quartal sehr sauber aus.
LVMH enttäuscht erneut und zeigt die Schwäche im Luxussegment
Weniger erfreulich sah es bei LVMH aus. Der Luxuskonzern blieb mit seinen Zahlen erneut hinter den Erwartungen zurück. Im ersten Quartal wurden 19,1 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Der Konsens lag bei 19,6 Milliarden Euro.
Auch das organische Wachstum war schwächer als erhofft. LVMH kam hier auf 1 Prozent, während der Markt eher mit 2 Prozent gerechnet hatte. Besonders enttäuschend war erneut das Segment Mode und Lederwaren. Dort sank der organische Umsatz um 2 Prozent, obwohl eigentlich eher eine stabile bis leicht positive Entwicklung erwartet worden war.
Das ist deshalb so relevant, weil genau dieses Segment für LVMH besonders wichtig ist. Hier sitzen die starken Marken und die margenstarken Produkte.
Als Belastungsfaktor wurde unter anderem der Konflikt im Nahen Osten genannt, der das organische Quartalswachstum um rund 1 Prozentpunkt belastet haben soll. Ein kleiner Lichtblick kam aus den USA. Dort lag das organische Wachstum bei 3 Prozent und damit leicht über den Erwartungen. Das reichte aber nicht, um den Gesamteindruck zu retten.
Die Aktie reagierte zwar zunächst enttäuscht, hielt sich danach aber vergleichsweise robust. Das ist insofern interessant, dass Luxuswerte in den vergangenen Monaten ohnehin schon stark unter Druck standen. Viel Negatives scheint also bereits eingepreist zu sein.
Langfristig ändert ein schwaches Quartal nichts daran, dass LVMH qualitativ ein außergewöhnlich starkes Unternehmen ist. Kurzfristig zeigt sich aber klar: Der Konsumsektor, insbesondere im Premium- und Luxusbereich, bleibt deutlich schwieriger als Tech und Finanzwerte.
BlackRock wächst weiter stark und profitiert von guten Märkten
Sehr stark waren dagegen die Zahlen von BlackRock. Der Vermögensverwalter konnte erneut ein überzeugendes Quartal abliefern und unterstreicht damit, dass es dem Kapitalmarktumfeld insgesamt nicht schlecht geht.
Die wichtigsten Kennzahlen:
- Total Net Inflows: 130 Milliarden US-Dollar
- Assets under Management: 13,9 Billionen US-Dollar
- Durchschnittlich verwaltetes Vermögen: über 14,2 Billionen US-Dollar
- Umsatzwachstum: 27 Prozent auf 6,7 Milliarden US-Dollar
- Operating Income: plus 66 Prozent
- Net Income: plus 46 Prozent auf 2,2 Milliarden US-Dollar
Das ist nicht einfach nur solide, das ist stark. Vor allem der Sprung bei den Mittelzuflüssen im Vergleich zum Vorjahr ist bemerkenswert. Damals lag dieser Wert noch bei 84 Milliarden US-Dollar.
Interessant ist dabei auch, dass verschiedene Produktbereiche gut liefen. Sowohl ETFs als auch aktive Strategien und Zuflüsse im Bereich Private Markets wurden positiv hervorgehoben. Gerade Letzteres ist relevant, weil BlackRock in diesem Bereich zuletzt stärker unter Beobachtung stand.
Trotz der Diskussionen rund um Private Markets und mögliche Mittelabflüsse zeigt das operative Geschäft bislang keine echte Schwäche. Im Gegenteil: BlackRock liefert und bleibt langfristig hervorragend positioniert.
Wenn man verstehen will, wie es dem Markt insgesamt geht, lohnt sich ein Blick auf Vermögensverwalter fast immer. Und der Blick auf BlackRock sagt aktuell ziemlich klar: Das Kapital ist da, die Zuflüsse sind da, und große Teile des Finanzsystems funktionieren weiterhin sehr ordentlich.
JPMorgan überzeugt operativ, Jamie Dimon bleibt trotzdem vorsichtig
Auch JPMorgan hat ein starkes Quartal gemeldet. Für das erste Quartal stand ein Gewinn von 16,5 Milliarden US-Dollar in den Büchern. Das entspricht 5,94 US-Dollar je Aktie. Im Vorjahr waren es 14,6 Milliarden US-Dollar, und die Analysten hatten nur mit 5,45 US-Dollar je Aktie gerechnet.
Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf knapp 50 Milliarden US-Dollar und lag damit ebenfalls über den Erwartungen.
Besonders stark war diesmal das Privatkundengeschäft. Vor allem bei Kartendienstleistungen und Autokrediten gab es Wachstum. Die Erlöse in diesem Bereich stiegen um 13 Prozent. Ein wesentlicher Treiber waren höhere Kreditkartensalden der Kunden.
Das ist typisch USA. Kreditkarten sind dort ein massives Geschäft, und die Banken verdienen sehr gut daran. Genau deshalb gibt es auch immer wieder politische Diskussionen über mögliche Eingriffe oder Deckelungen.
Mindestens genauso wichtig wie die Zahlen selbst sind bei JPMorgan aber die Aussagen von CEO Jamie Dimon. Und die fallen wie so oft differenziert aus. Operativ läuft es gut, die US-Wirtschaft ist seiner Einschätzung nach in weiten Teilen weiterhin in ordentlicher Verfassung. Gleichzeitig sieht er aber mehrere Risiken:
- hohe Energiepreise
- geopolitische Spannungen
- ein hohes US-Haushaltsdefizit
- erhöhte Vermögenspreise
Gerade dieser Mix ist entscheidend. Die Gegenwart sieht besser aus, als viele vor einigen Monaten befürchtet hatten. Aber die Risikofaktoren sind nicht verschwunden. Wer nur auf die starken Quartalszahlen schaut und daraus völlige Entwarnung ableitet, macht es sich zu leicht.
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Amazon übernimmt Globalstar
Wenn es um Zukunftsprojekte geht, gehört Amazon ohnehin zu den spannendsten Aktien am Markt. Und die jüngste Übernahme zeigt einmal mehr, dass der Konzern nicht nur auf das Kerngeschäft setzt, sondern aktiv neue Felder besetzen will.
Amazon will Globalstar übernehmen. Das Volumen liegt bei rund 11 Milliarden US-Dollar. Für sich genommen ist das eine große Übernahme. Im Kontext der inzwischen angekündigten Investitionssummen von weit über 100 Milliarden US-Dollar wirkt sie an der Börse aber fast schon erstaunlich entspannt aufgenommen.
Strategisch ist der Schritt hochinteressant. Amazon will sein Satellitenprojekt massiv beschleunigen und sich im Weltraumsegment als ernstzunehmender Konkurrent von Starlink positionieren. Über die Transaktion erhält Amazon Zugriff auf Frequenzspektrum und bestehende Infrastruktur von Globalstar.
Besonders spannend ist dabei der Bereich Direct to Device. Gemeint ist die direkte Kommunikation zwischen Satelliten und herkömmlichen Smartphones oder anderer Hardware. Genau hier steckt enormes Potenzial.
Noch interessanter wird es durch die Verbindung zu Apple. Globalstar war bislang exklusiver Partner für die Notruf-Satellitenfunktion des iPhones. Im Zuge der Übernahme wurde eine neue Vereinbarung zwischen Amazon und Apple getroffen. Künftig soll Amazon Leo Satellitendienste für iPhones und Apple Watches bereitstellen, etwa bei Notruf-SOS-Funktionen.
Das ist aus mehreren Gründen stark:
- Amazon kommt direkt in ein riesiges Geräte-Ökosystem
- das Geschäftsfeld Satellitendienste gewinnt massiv an Relevanz
- Amazon baut sich ein Gegengewicht zu Starlink auf
Der Wettlauf ist zwar noch deutlich zugunsten von Starlink entschieden. Dort sind bereits mehr als 10.000 Satelliten im Orbit, dazu kommen Millionen Nutzer. Amazon steht mit seinem Projekt noch wesentlich früher in der Entwicklung und liegt aktuell bei rund 200 Satelliten. Der kommerzielle Start ist für Sommer 2026 geplant.
Aber genau deshalb ist die Übernahme wichtig. Sie hilft, schneller aufzuholen, Infrastruktur zu sichern und Partnerschaften zu festigen. Außerdem hat Amazon ohnehin mehrere heiße Eisen gleichzeitig im Feuer:
- AWS und KI-Infrastruktur
- schnellere Logistik und Same-Day-Delivery
- Robotik im Lager
- Satelliteninternet und Weltrauminfrastruktur
Genau diese Kombination macht die Aktie so spannend. Nicht alles wird sofort in den Zahlen sichtbar, aber strategisch baut Amazon an mehreren großen Zukunftsmärkten parallel.
Fazit: Infrastruktur gewinnt, Luxus schwächelt, Zukunftsthemen bleiben bei Amazon und ASML besonders spannend
Der aktuelle Nachrichtenfluss zeigt ziemlich klar, wohin der Markt gerade blickt. Alles, was mit Infrastruktur, Rechenleistung, Halbleitern und Kapitalmarktaktivität zu tun hat, läuft robust bis sehr stark. ASML ist dafür eines der besten Beispiele. BlackRock und JPMorgan zeigen zusätzlich, dass das Finanzsystem operativ weiter gut funktioniert.
Auf der anderen Seite bleibt der Konsumsektor selektiv schwierig. LVMH steht exemplarisch für die Probleme im Luxussegment, wo Wachstum derzeit nicht mehr selbstverständlich ist.
Amazon investiert weiter aggressiv in seine Zukunft, diesmal über eine Milliardenübernahme im Satellitenbereich. Kurzfristig mögen solche Schritte teuer wirken. Langfristig sind genau das oft die Entscheidungen, mit denen sich die nächsten großen Wachstumstreiber aufbauen lassen.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: ServiceNow.

