Zalando nach Q2-Zahlen schwächer: Net Income sinkt, B2B-Gewinn steigt – Jahresprognose enger gefasst
Kurzüberblick
Zalando hat am 4. August 2026 seine Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt und dabei sowohl Wachstumsimpulse als auch einen Gewinnrückgang sichtbar gemacht. Während Group GMV und die operative Ergebnisbasis deutlich zulegten, fiel der ausgewiesene Net Income im Vergleich zum Vorjahr niedriger aus. Gleichzeitig hat der Mode-Onlinehändler die Erwartungen für 2026 präzisiert: Beim Umsatz- und GMV-Wachstum peilt das Unternehmen nun die untere Hälfte der zuvor kommunizierten Spanne an.
An der Börse zeigte sich die Zurückhaltung unmittelbar: Die Zalando-Aktie notierte zuletzt bei 26,39 Euro und damit 9,62% schwächer am Handelstag, während sie seit Jahresbeginn 4,68% im Plus lag. Der Markt richtet den Blick damit besonders auf die Qualität der Ergebnisentwicklung sowie auf die Frage, ob die Integration von About You und die Kostenlage das Nettoergebnis weiter belasten oder mittelfristig in höhere Ergebniskonsistenz überführen.
Marktanalyse & Details
Q2-Ertragslage: Operatives Wachstum trotz niedrigeren Net Income
Im zweiten Quartal wuchs Zalando sichtbar auf der operativen Ebene:
- Group GMV stieg um 20,7% auf 4,915 Mrd. Euro
- Group Revenue legte um 20,8% auf 3,424 Mrd. Euro zu
- Adjusted EBIT stieg um 10% auf 205 Mio. Euro
Der ausgewiesene Net Income lag bei 73,8 Mio. Euro nach 96,6 Mio. Euro im Vorjahr und damit unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig erklärt das Unternehmen die Ergebnissteigerung operativ vor allem durch Synergien aus der About-You-Übernahme (Synergiebeitrag über 10 Mio. Euro) sowie durch eine verbesserten Ergebnis-Mix.
Ausblick 2026: Spannenniveau nach unten, EBIT-Korridor enger
Zalando hält beim Wachstum zwar am Grundkurs fest, verändert aber die Erwartungshaltung:
- GMV- und Revenue-Wachstum: nun untere Hälfte der zuvor kommunizierten Spanne von 12% bis 17% (berichtsbasiert)
- Adjusted EBIT: Guidance 680 bis 720 Mio. Euro nach zuvor 660 bis 740 Mio. Euro
Analysten-Einordnung: Die Kombination aus engerer EBIT-Spanne und zugleich zurückgenommener Umsatz-/GMV-Dynamik deutet darauf hin, dass Zalando kurzfristig stärker auf planbare Profitabilität als auf maximale Wachstumsraten setzt. Für Anleger ist das vor allem dann positiv, wenn sich die höhere operative Ertragskraft in ein stabileres Nettoergebnis übersetzt. Der gesunkene Net Income zeigt jedoch, dass der Ergebnishebel noch nicht vollständig bis zur untersten Linie durchschlägt – hier dürfte die weitere Entwicklung in den nächsten Quartalen über die Bewertungsfantasie entscheiden.
B2C & Partnergeschäft: Kundenbasis wächst, Retail-Media liefert Rückenwind
Auf der Konsumentenseite stützte die Multi-App-Strategie die Entwicklung:
- Active customers (letzte 12 Monate) stiegen auf 62,5 Mio., plus 18,3%
- B2C Revenue stieg auf 3,099 Mrd. Euro
- Retail-Media-Umsatz nahm um 39,5% zu (YoY)
Wichtig für die Profit-Story: Das Partnergeschäft gewann weiter an Gewicht. Im zweiten Quartal lag es bei 36,9% des stand-alone B2C-GMV und bei 31,9% auf Gruppenebene (inklusive About You). Das unterstreicht den strukturellen Shift hin zu einem stärker margengetriebenen, kapitalärmeren Modell.
B2B: ZEOS und SCAYLE treiben Marge deutlich hoch
Besonders stark fiel die B2B-Performance aus:
- B2B Revenue stieg um 27,6% auf 334,7 Mio. Euro
- B2B Adjusted EBIT erhöhte sich auf 40,7 Mio. Euro nach 11,4 Mio. Euro im Vorjahr
- B2B-Marge kletterte auf 12,2% nach 4,3%
Das Unternehmen verweist auf Effizienzgewinne aus Skalierung bei ZEOS Fulfilment sowie auf höhermargige SCAYLE-Softwareumsätze. Außerdem wächst das Enterprise-Geschäft: Kooperationen wie die geplante Marks-&-Spencer-Rollout-Aktivierung (für 22 Märkte) sowie NEXT-Integration in der ABOUT-YOU-Plattform werden als wichtige Wachstumstreiber genannt.
KI als Effizienz- und Wachstumshebel: SCAYLE STUDIOS skaliert
Zalando beschleunigt seine KI-Aktivitäten gezielt in Richtung skalierbarer Erlöse. Besonders sichtbar wird das bei SCAYLE STUDIOS, einer KI-gestützten Content-Plattform:
- Innerhalb von 2,5 Monaten Nutzung durch über 100 Live-Brands
- Content-Produktion von Wochen auf Minuten reduziert (Zeitersparnis über 95%)
- Kosten für Content-Erstellung um rund 90% gesenkt
Auch die Kundeninteraktion wird über KI weiterentwickelt: Der Zalando Assistant verzeichnete zwischen Januar und Juni einen 63%-Anstieg bei hochwertigen Interaktionen. Für Anleger ist das relevant, weil KI hier nicht nur als Forschungsprojekt, sondern als messbarer Hebel für Time-to-Market und Effizienz dargestellt wird.
Finanz- und Working-Capital-Lage: Investitionen laufen, Kapitalbindung bleibt ein Thema
Jenseits der Ergebniskennzahlen bleibt die Kapitalbindung ein wichtiger Kontextfaktor. Zalando meldete im Quartal Net working capital von -494,0 Mio. Euro (Vorjahr: -107,9 Mio. Euro) sowie Capital expenditure von -54,7 Mio. Euro. Das bedeutet: Selbst bei operativer Stärke sollten Investoren besonders darauf achten, wie schnell und nachhaltig die Liquiditätswirkung aus Wachstum und Marge in der Bilanz ankommt.
Fazit & Ausblick
Die Q2-Zahlen zeigen Zalando als operativ leistungsfähiger: GMV und Revenue steigen kräftig, das Adjusted EBIT wächst und B2B baut seine Marge deutlich aus. Die Zurückhaltung am Aktienkurs und der gesunkene Net Income sprechen jedoch dafür, dass die Entwicklung bis zur Nettoebene noch nicht vollständig mit dem operativen Trend Schritt hält.
Nächster wichtiger Termin: Zalando legt die Ergebnisse zum dritten Quartal 2026 am 3. November 2026 vor. Bis dahin dürfte der Fokus vor allem auf der weiteren B2B-Margenentwicklung, der Umsetzung der About-You-Synergien und der Frage liegen, ob die präzisierte EBIT-Guidance im Jahresverlauf durch ein stabileres Nettoergebnis untermauert wird.
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