Salesforce und Nvidia stellen Koa vor: CRM-Reasoning-Modell soll Agentforce stärken
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Das Wichtigste in Kürze
- Salesforce und Nvidia haben auf der Dreamforce 2026 Koa vorgestellt, ein CRM-Reasoning-Modell für die Agentforce-Plattform.
- Koa basiert auf Nvidia Nemotron und wurde mit rund 27 Jahren CRM-Wissen ohne Kundendaten trainiert.
- Pilotprojekte starten bereits; die allgemeine Verfügbarkeit in den USA ist für den Winter 2026 geplant.
- Agentforce erzielte laut Analysten mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar jährlich wiederkehrenden Umsatz, während die Salesforce-Aktie bei 222,50 Euro leicht unter Druck blieb.
Marktanalyse & Details
Koa soll komplexe Agentforce-Aufgaben lösen
Salesforce und Nvidia wollen mit Koa die Fähigkeiten autonomer KI-Agenten im Kundenmanagement ausbauen. Das Modell soll komplexe, mehrstufige Abläufe nachvollziehen, geeignete Werkzeuge auswählen und Aufgaben innerhalb von Agentforce ausführen können. Salesforce bezeichnet Koa als sein erstes CRM-Reasoning-Modell.
Die technische Basis bildet Nvidia Nemotron. Trainiert wurde Koa nach Unternehmensangaben mit rund 27 Jahren CRM-Wissen, jedoch ohne Kundendaten. Damit zielt Salesforce auf eine Kombination aus domänenspezifischem Verständnis, Datenschutz und kontrollierbarer Nutzung in Unternehmensprozessen. Zusätzlich wollen beide Unternehmen Nvidia-Technologie in Missionforce integrieren, das sich an Behörden sowie regulierte Branchen richtet.
Agentforce gewinnt an Umsatz, aber die Vergleichbarkeit sinkt
Die Marktdiskussion dreht sich zunehmend darum, ob Salesforce seine KI-Produkte nicht nur technisch, sondern auch dauerhaft monetarisieren kann. Analysten zufolge lag der annualisierte wiederkehrende Umsatz von Agentforce zuletzt bei mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar und damit 240 Prozent über dem Vorjahreswert. Rund 2.000 zahlende Kunden nutzten Agentforce demnach bereits produktiv, 70 Prozent mehr als im Vorquartal.
- Etwa die Hälfte der Buchungen entfiel laut Analysten auf Kunden, die Flex Credits nachkauften.
- Nur rund 5 Prozent der Vertriebs- und Service-Wissensarbeiter nutzen derzeit höherpreisige Editionen.
- Diese Premium-Angebote liegen etwa 60 bis 80 Prozent über dem Preis der Standardversionen.
- Die Definition des Agentforce-Umsatzes wurde um Produkte wie Slackbot und Headless 360 erweitert.
Der letzte Punkt erschwert direkte Wachstumsvergleiche. Ein Teil der Dynamik kann aus einer breiteren Abgrenzung der Kennzahl stammen, nicht ausschließlich aus neu gewonnenen Kunden oder zusätzlichen Agentforce-Einsätzen.
Breites KI-Ökosystem als strategischer Hebel
Parallel zu Koa baut Salesforce sein Netzwerk mit führenden KI-Anbietern aus. Google nennt Salesforce als Partner für Gemini 3.8 Live und Gemini 3.8 Live Extended Thinking. Die Modelle sollen unter anderem sprachbasierte Agenten, visuelle Einordnung und mehrstufige Aufgabenbearbeitung verbessern. Für Salesforce ist diese Zusammenarbeit strategisch relevant, weil Kundendaten, Geschäftslogik und Workflows auch außerhalb der klassischen Salesforce-Oberfläche zugänglich werden können.
Der Ansatz birgt allerdings einen Zielkonflikt: Je stärker Kunden externe KI-Oberflächen nutzen, desto weniger Kontrolle besitzt Salesforce über die zentrale Benutzeroberfläche. Gleichzeitig kann die Verknüpfung mit leistungsfähigen Modellen den Wert der in Salesforce gespeicherten Daten und Prozesse erhöhen.
Wall Street bleibt beim Wachstum gespalten
Die Einschätzungen der Analysten gehen vor der Dreamforce-Konferenz auseinander. Stifel bestätigte die Kaufempfehlung und hob das Kursziel auf 275 US-Dollar an. Die Bank sieht in der Headless-Strategie sowie in neuen Preis- und Paketmodellen einen möglichen Treiber für ein zweistelliges Abonnementwachstum im Geschäftsjahr 2028.
Morgan Stanley blieb dagegen bei einer neutralen Einstufung mit einem Kursziel von 235 US-Dollar. Die Analysten verlangen weitere Belege dafür, dass die jüngste Dynamik auf einer nachhaltigen Verbesserung der Fundamentaldaten beruht und nicht vor allem auf einer Eindeckung von Leerverkaufspositionen. Salesforce dürfte zudem an seinem langfristigen Umsatzziel von 63 Mrd. US-Dollar für das Geschäftsjahr 2030 festhalten. Am oberen Ende der Prognose für das Geschäftsjahr 2027 entspräche dies einem jährlichen Wachstum von rund 10,7 Prozent.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Koa für Salesforce zunächst weniger als eigenständiger Umsatzbringer, sondern als Beweis für die technologische Tiefe der Agentforce-Plattform wichtig ist. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass künftig vor allem drei Fragen zählen: Steigt der Verbrauch von Agentforce und Flex Credits nachhaltig, gelingt der Übergang von Pilotprojekten in die breite Produktion, und kann Salesforce dafür einen dauerhaften Preisaufschlag durchsetzen? Die hohe Wachstumsrate beim Agentforce-Umsatz ist ermutigend, die ausgeweitete Definition der Kennzahl und der hohe Anteil von Nachkäufen machen die Qualität des Wachstums jedoch genauer prüfungsbedürftig.
Die Salesforce-Aktie notierte am 15. September 2026 um 21:03 Uhr bei 222,50 Euro. Auf Tagesbasis lag sie 0,69 Prozent im Minus, seit Jahresbeginn betrug die Performance minus 1,74 Prozent. Die Kursentwicklung liefert damit bislang keinen eindeutigen Beleg für eine neue Neubewertung allein aufgrund der KI-Ankündigungen.
Fazit & Ausblick
Der nächste wichtige Prüfstein ist die Investor- und Analystenveranstaltung am 16. September im Rahmen der Dreamforce, die bis zum 17. September läuft. Im Mittelpunkt stehen voraussichtlich die Monetarisierung der Headless-Strategie, die Entwicklung des Agentforce-Umsatzes und erste Hinweise auf das Wachstum im Geschäftsjahr 2028. Koa könnte Salesforce technologisch stärken; für eine nachhaltige Aufwertung der Aktie müssen daraus jedoch messbare Umsätze, höhere Kundenbindung und belastbare Margen entstehen.
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