
Knaus Tabbert auf Margenkurs: 2026-Ziel 5–7% EBITDA-Marge, Analysten senken Kursziel auf 23 €
Kurzüberblick
Die Knaus Tabbert AG hat am 31. März 2026 den Geschäftsbericht 2025 veröffentlicht und zugleich die quantitativen Erwartungen für das laufende Jahr 2026 konkretisiert. Der Konzernumsatz fiel 2025 auf 1.002,1 Mio. EUR (minus 7,4% im Vergleich zum Vorjahr), während die bereinigte EBITDA-Marge mit 2,7% unter dem avisierten Zielkorridor blieb. Als zentraler Belastungsfaktor erwiesen sich erneut Engpässe bei Fiat-Chassis, die Produktionsplanung und Produktmix im Schlussquartal spürbar störten.
Für 2026 setzt das Management auf einen klaren Prioritätenwechsel: Profitabilität vor Volumen. Der Vorstand erwartet einen Konzernumsatz von rund 950 Mio. EUR und eine bereinigte EBITDA-Marge von 5,0% bis 7,0%. Parallel dazu wurde das Research-Update im Umfeld der Zahlen mit einem bekräftigten Kauf-Votum begleitet, allerdings mit gesenktem Kursziel auf 23,00 EUR (zuvor 28,00 EUR).
Marktanalyse & Details
Operativer Reset 2025: Neuausrichtung zielt auf Marge
2025 stand bei Knaus Tabbert im Zeichen eines operativen Neuanlaufs: Der Konzern hat die zuvor konkretisierte Guidance beim Umsatz zwar punktgenau erreicht, musste jedoch den Rückgang gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Gleichzeitig zeigt die bereinigte EBITDA-Marge von 2,7%, dass die Kosten- und Ergebnishebel trotz Anpassungen im Marktumfeld noch nicht voll gegriffen haben.
- Umsatz 2025: 1.002,1 Mio. EUR (−7,4% yoy)
- Bereinigte EBITDA-Marge: 2,7% (unter Zielkorridor)
- Q4-Treiber: erneute Chassis-Engpässe belasten Planung und Produktmix
Das Management adressiert die Abhängigkeit von komplexen Zuliefer- und Logistikketten mit einer strukturellen Maßnahme: Künftige Konzentration auf vier Chassis-Lieferanten, um Prozesse in Beschaffung und Fertigung zu stabilisieren und die operative Variabilität zu erhöhen.
Segmententwicklung: Premium stabilisiert, Luxus bleibt kostenintensiv
Die Segmentzahlen zeigen eine differenzierte Wirkung der Maßnahmen. Im Premiumbereich führte Lagerdruck im Handel zusammen mit einer bewussten Produktionsdrosselung zu einem Umsatzrückgang von 9,5% (yoy). Gleichzeitig gelang es, die Profitabilität durch erste Sparmaßnahmen zumindest zu stabilisieren.
Im Luxussegment (MORELO) wuchs der Umsatz leicht um 5,1% yoy, allerdings sank das EBITDA überproportional auf 8,0 Mio. EUR. Dies deutet darauf hin, dass Preiswettbewerb und gestiegene Herstellkosten die Ergebnisqualität dort stärker belasteten als der Mengenimpuls.
Bilanz & Cashflow: Working Capital sinkt, Free Cashflow stützt
Besonders positiv fällt der Bilanz- und Liquiditätsausblick auf. Der Abbau des Net Working Capital um über 32% trug wesentlich zu einem starken Free Cashflow in Höhe von 46,1 Mio. EUR bei. Das ist aus Investorensicht relevant, weil Liquidität in der aktuellen Marktphase die wichtigste „Brücke“ für weitere Restrukturierungsschritte ist.
Gleichzeitig wird die finanzielle Ausgangslage durch die Ergebnisentwicklung belastet: Die Eigenkapitalquote sank infolge eines Jahresfehlbetrags von fast 37 Mio. EUR auf 14,9%. Für Anleger ist das ein klares Signal, dass das aktuelle Ergebnisprofil eng mit der künftigen Cash- und Margendynamik verknüpft bleibt.
Ausblick 2026: Profitabilität vor Volumen – dafür braucht es stabile Lieferketten
Der 2026er-Ausblick ist bewusst vorsichtig auf die Qualität der Margen ausgerichtet. Knaus Tabbert geht von rund 950 Mio. EUR Umsatz aus und peilt eine bereinigte EBITDA-Marge von 5,0% bis 7,0% an. Der Kern der Strategie: margenschwache Aufträge sollen vermieden werden, um Kosten- und Ergebnishebel konsequent wirken zu lassen.
Stützende Maßnahmen wurden bereits beschlossen und umfassen u. a.:
- Produktionsverlagerung einzelner Baureihen
- Overhead-Reduzierung durch organisatorische Anpassungen
- Produktivitätssteigerungen
- Anpassungen bei Tarifen und Prämien im Personalbereich
- Einsparungen bei sonstigen betrieblichen Aufwendungen
Erwähnenswert ist auch der Personalabbau um 16,4%, der die Kostenbasis kurzfristig stärker verändern kann als nur über indirekte Effekte im Umsatzmix.
Analysten-Einordnung: Die Senkung des Kursziels auf 23,00 EUR trotz bekräftigtem Kauf-Votum deutet darauf hin, dass die erwartete Margenerholung im laufenden Jahr stärker vom Gelingen der strukturellen Maßnahmen sowie von einer stabileren Chassis-Versorgung abhängt. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung: Das Chance-Risiko-Profil wird vor allem dann attraktiver, wenn die Marge tatsächlich in den Zielkorridor zurückkehrt und der Free-Cashflow-Impuls nachhaltig bleibt. Bleiben die Lieferketten dagegen angespannt oder verzögert sich die Umsetzung, besteht das Risiko, dass die Zielspanne eher am unteren Rand erreicht wird.
Fazit & Ausblick
Mit dem „Übergangsjahr“ 2025 hat Knaus Tabbert Vorräte reduziert und die Cash-Position gestärkt, um für 2026 den Fokus auf Profitabilität umzusetzen. Der wichtigste praktische Prüfstein ist nun die Stabilisierung der Chassis-Zulieferung sowie die konsequente Umsetzung der beschlossenen Kosten- und Produktionsmaßnahmen.
Für die nächsten Schritte dürfte der Markt insbesondere auf die Quartalsberichte 2026 achten: Wie schnell verbessert sich die bereinigte EBITDA-Marge in Richtung 5% bis 7% und bleibt der Cashflow-Mechanismus (Working Capital/Free Cashflow) tragfähig?
