ING-Chefvolkswirt warnt vor hohen Spritpreisen: Inflation in Europa könnte im Sommer knapp 4% erreichen

Kurzüberblick
Nach der vorübergehenden Waffenruhe im Iran-Konflikt erwartet Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, an den Tankstellen nur kurzfristig etwas Entlastung. Zwar dürften die Preise im Zuge der jüngsten Nachrichtenlage leicht zurückgehen – das Vorkrisenniveau sei aber nicht erreichbar, weil die Lage rund um die Sicherheitslage in der Region als zu fragil gilt.
Für Deutschland und Europa rechnet Brzeski damit, dass sich eine neue Inflationswelle bilden könnte: Im Sommer sieht er in der Spitze knapp 4% Inflation, die sich bis ins erste Quartal 2027 hineinziehen könnte. Treiber bleibt vor allem das Risiko weiterer Eskalationen sowie die weiterhin eingeschränkte Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus.
Marktanalyse & Details
Energiepfad bleibt das Hauptthema
Brzeski beschreibt die aktuelle Entspannung als vorläufig: Die Tankpreise könnten zwar zeitweise niedriger ausfallen, zugleich sei der Rückgang aber weniger eine echte Normalisierung als eine Reaktion auf sehr hohe Spitzenpreise zu Beginn der Woche. Entscheidend sei, ob sich die Transportbedingungen und die Sicherheitslage nachhaltig stabilisieren.
- Tankpreise: keine Rückkehr zum Niveau vor dem Iran-Krieg; kurzfristig leichte Entspannung, aber anhaltend erhöhtes Risiko
- Öl-Preisannahme: zum Jahresende knapp unter 90 US-Dollar je Barrel (Dated Brent)
- Route Hormus: schrittweise Öffnung über etwa 4 bis 6 Wochen; vollständige Normalisierung erst im vierten Quartal
Basisszenario vs. Worst Case
Im Basisszenario – der wahrscheinlichsten Entwicklung – ist laut ING-Ökonom bereits wieder mit einer Eskalation zu rechnen, bevor sich die Lage nach und nach beruhigt. Ein starker „Wiederanstieg“ der Energiepreise wäre dann weniger ausgeschlossen als erwartet, allerdings zeitlich verzögert.
Im Worst-Case-Szenario skizziert Brzeski dagegen erhebliche Folgewirkungen: Wenn Friedensbemühungen scheitern und es zu einer erneuten Eskalation kommt, könnten Ölpreise stark steigen und die Inflation auf 6 bis 8% klettern. Das würde nach seiner Einschätzung in eine leichte Rezession führen – mit negativer Jahresbilanz für die deutsche Konjunktur.
Konjunktur- und Inflationsausblick für Deutschland und Europa
- Inflation (Spitze): knapp 4% im Sommer
- Inflationsdauer: bis ins erste Quartal 2027
- Wachstum Deutschland: ungefähr 0,6% bis 0,7%
- Rezessionsrisiko: im Worst Case (6–8% Inflation) wahrscheinlich
Analysten-Einordnung: Für Anleger deutet der ING-Ausblick darauf hin, dass energiegetriebene Preisschocks kurzfristig zwar dämpfen können, die Inflationsrisiken aber strukturell hoch bleiben. Das ist marktseitig relevant, weil eine anhaltendere Inflation die Erwartung an den geldpolitischen Kurs der EZB beeinflussen kann: höhere Zinsniveaus stützen häufig zwar die Zinsmargen im Bankensektor, erhöhen aber zugleich die Belastung für Kreditnachfrage und können die Qualität neuer Ausleihungen verschlechtern. Besonders aufmerksam dürfte der Markt deshalb auf die Kombination aus Ölpreis-Pfad und tatsächlicher Lohn-/Dienstleistungsinflation reagieren.
Fazit & Ausblick
Die aktuell absehbare Entspannung an den Tankstellen bleibt laut ING-Chefvolkswirt fragil: Stabilisierung wird eher schrittweise erwartet, mit einer echten Beruhigung frühestens im vierten Quartal. In den kommenden Wochen dürfte der Markt daher weniger auf einzelne Meldungen, sondern vor allem auf die Entwicklung der Hormus-Transportwege sowie die nächsten Inflationsdaten achten.
Wichtig für die nächsten Schritte: weitere Signale zur Sicherheitslage in der Region, Kursentwicklung bei Öl, sowie neue Verbraucherpreis- und Inflationskernraten, die die Erwartungen an die Geldpolitik frühzeitig neu justieren können.
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