EVN startet Großbatteriespeicher in Nordmazedonien: Ausbauziel 300 MW bis 2030 im Fokus
Kurzüberblick
Die EVN AG treibt ihre Batteriespeicherstrategie voran und hat in Nordmazedonien das landesweit größte System für Batteriespeicher in Betrieb genommen. Im Projekt Probishtip wurde eine Leistung von 10 MW mit einer Speicherkapazität von 20 MWh gestartet; eine nächste Ausbaustufe soll die Kapazität auf 40 MWh erhöhen.
Parallel setzt der Konzern in Niederösterreich auf den Aufbau weiterer Großspeicher: In Probishtip sowie in den Projekten Theiß und Dürnrohr entsteht schrittweise die Grundlage, um bis 2030 die Speicherkapazitäten deutlich auszubauen. Für Anleger bleibt vor allem entscheidend, wie stark EVN die Flexibilitäts-Erlöse im Day-Ahead- und Intraday-Markt in ein nachhaltiges Geschäftsmodell übersetzen kann. Die EVN-Aktie notiert aktuell bei 29,45 EUR (Tagesveränderung: -0,34%, YTD: +8,67%).
Marktanalyse & Details
Großspeicher-Projekte und Ausbaupfad
- Probishtip (Nordmazedonien): Inbetriebnahme mit 10 MW und 20 MWh; Ausbauoption auf 40 MWh.
- Theiß (Niederösterreich): Investition von 46 Mio. EUR für 70 MW und 140 MWh, geplanter Betriebsstart im 3. Quartal 2027.
- Dürnrohr (Kraftwerksstandort): zusätzlich 16 MW Batteriespeicherkapazität.
- Aktuelle Großbatteriekapazität: einschließlich Probishtip beläuft sich die Kapazität auf 22 MW.
- Ziel 2030: Ausbau auf 300 MW, davon rund 200 MW an bestehenden Kraftwerksstandorten bzw. in Verbindung mit Photovoltaik- und Windparks in Niederösterreich.
Vom Lastmanagement zur neuen Einnahmequelle
EVN positioniert die Großbatterien als zentrale Bausteine, um die Stromversorgung bei zunehmender Einspeisung aus Wind und Solar stabiler und planbarer zu machen. Durch die Speicherung sollen Lastspitzen geglättet und Erzeugungsspitzen aus erneuerbaren Energien absorbiert werden.
Technisch setzt der Konzern auf Batteriespeicher mit einer Speicherfähigkeit von je nach Standort für zwei bis vier Stunden. Daraus leitet EVN ein Tages-Ausgleichspotenzial ab, das nach eigenen Angaben bis zu 120.000 Haushalte erreichen kann. Operativ will der Konzern die dadurch entstehenden Überschüsse am Day-Ahead- oder Intraday-Strommarkt verwerten.
Zusätzlich unterstreicht EVN die Skalierbarkeit: Die Flexibilitäts-Software für das Management der Einspeisungen wurde konzernintern entwickelt und geht auf das übernommene Start-up CyberGrid zurück. Die Batterien werden laut Konzept in bestehende Kraftwerksstandorte und Netzanbindungen eingebettet und sollen dort zu multifunktionalen Drehscheiben werden.
Analysten-Einordnung
Dies deutet darauf hin, dass EVN die Wertschöpfungskette im Flexibilitätsmarkt stärker nach vorn verlagern will: Nicht nur Strom erzeugen, sondern auch systemrelevante Flexibilität monetarisieren. Der Markt für Batteriespeicher gilt global als Wachstumsfeld; EVN verweist auf eine potenziell stark steigende BESS-Leistung (von 52 GW auf 664 GW bis 2045) und auf zweistellige jährliche Wachstumsraten.
Für Anleger ist dabei entscheidend, ob die Projekte nicht nur technisch termingerecht umgesetzt werden, sondern auch wirtschaftlich tragen: Erlöse im Day-Ahead- und Intraday-Handel hängen stark von Preisvolatilität, Rahmenbedingungen für Netzanschluss und dem tatsächlichen Abruf der Flexibilität ab. Gelingt EVN die saubere Integration in bestehende Standorte und kann die Software-/Betriebssteuerung die Vermarktung effizient machen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass aus den Investitionen ein wiederholbares Ertragsmodell entsteht. Umgekehrt bleiben bei der Skalierung Risiken rund um Baufortschritt, Regulatorik und Margenentwicklung relevant.
Fazit & Ausblick
Mit Probishtip startet EVN einen sichtbaren Schritt in Richtung seines 2030-Ziels von 300 MW Batteriespeicherkapazität. Kurzfristig stehen für die weitere Bewertung insbesondere die geplanten Ausbauschritte in Probishtip sowie der Betriebsstart des Großprojekts Theiß im 3. Quartal 2027 im Fokus. Für den Markt dürfte entscheidend werden, wie klar EVN die Speicher als eigenständiges, wirtschaftlich attraktives Geschäftsmodell ausformuliert und belegt.
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