Coinbase-Aktie unter Druck: Barclays stuft COIN auf Underweight und senkt Kursziel auf 140 US-Dollar

Kurzüberblick
Barclays hat Coinbase Global (COIN) am 8. April 2026 von „Equal Weight“ auf „Underweight“ abgewertet und das Kursziel auf 140 US-Dollar von zuvor 148 US-Dollar gesenkt. Auslöser ist nach Einschätzung der Bank eine erneut schwache Entwicklung der Handelsvolumina im 1. Quartal, die sich nach Barclays ohne politische und makroökonomische Entlastung auch in das 2. Quartal hinein fortsetzen dürfte.
Im Fokus steht dabei vor allem der Rückgang beim Spot-Handel – insbesondere im Retail-Segment – was das Ergebnisbild belasten könnte. Coinbase schloss am Vortag bei 175,18 US-Dollar. Die kurzfristige Skepsis trifft sich zudem zeitlich mit regulatorischen Fortschritten: Anfang April erhielt Coinbase eine bedingte Genehmigung der US-Notenbankaufsicht OCC für die Gründung einer Trust-Charter.
Marktanalyse & Details
Handelsvolumina als Kernrisiko für das Ergebnis
Barclays argumentiert, dass sich der Abwärtstrend bei Aktivität und Durchsatz fortsetze: trotz möglicher Ansätze einer Erholung im Februar sei das March- bzw. Frühquartalbild weiterhin schwach gewesen. Besonders entscheidend ist dabei, dass das durchschnittliche Tagesvolumen (ADV) im Monatsverlauf laut Bank auf das niedrigste Niveau seit September 2024 gefallen sei.
- Umsatzhebel: Weniger Spot-Trading-Volumen bedeutet typischerweise weniger Gebühreneinnahmen
- Retail-Dynamik: Barclays verweist auf schwächere Retail-Ströme als zentralen Treiber
- Ausblick: Ohne „CLARITY act“ oder makrogetriebene Gegenbewegung bleibt der Volumenpfad gedämpft
EBITDA-Schätzungen: 24% unter dem Marktkonsens
In der Modellaktualisierung sieht Barclays die angepassten EBITDA-Erwartungen für Coinbase rund 24% unter dem Street-Niveau. Begründet wird dies vor allem durch den geringeren Beitrag aus dem Spot-Handel, wobei die Bank davon ausgeht, dass der Marktkonsens verfügbare Marktdaten noch nicht vollständig einpreist.
Für Anleger bedeutet das: Selbst wenn Coinbase strategisch Fortschritte macht, entscheidet im nächsten Schritt die operative Umsetzungsfähigkeit – also ob sich Volumen und Ertragsmix wieder stabilisieren. Andernfalls kann die Ergebniswirkung stärker ausfallen als von Teilen des Marktes erwartet.
Regulatorischer Rückenwind: bedingte OCC-Trust-Charter
Parallel zur datengetriebenen Volumendiskussion erhielt Coinbase am 2. April eine bedingte Genehmigung der OCC, um eine „Coinbase National Trust Company“ zu gründen. Wichtig: Coinbase soll dabei keine klassische Geschäftsbank werden, keine Retail-Einlagen entgegennehmen und keine Geschäfte auf Basis von Fractional Reserve Banking betreiben. Der Charter-Zweck zielt auf mehrheitliche, bundesweite Aufsicht für die Verwahr- und Marktinfrastruktur.
Damit verschiebt sich der strategische Fokus: kurzfristig steht das Trading-Volumen im Vordergrund, mittelfristig könnte die regulatorische Klarheit die Basis für zusätzliche Produkte im Umfeld von Verwahrung und Zahlungsdiensten liefern.
Analysten-Einordnung: Dass Barclays trotz regulatorischer Fortschritte die Aktie auf „Underweight“ setzt, deutet darauf hin, dass die Bank das Timing der operativen Ergebnisentlastung als unsicher bewertet. Die OCC-Entwicklung kann zwar die Fundamentaldiskussion langfristig stützen, doch für die nächsten Quartale bleibt entscheidend, ob Coinbase genug Volumenstabilität und einen besseren Ertragsmix zurückgewinnt. Für Anleger bedeutet diese Kombination aus kurzfristigem Gegenwind und potenziellem Strukturvorteil: Das Chance-Risiko-Profil hängt stark davon ab, wie stark der Volumenrückgang in das Ergebnis durchschlägt und ob der Markt seine Erwartungen zeitnah anpasst.
Fazit & Ausblick
Der Rating-Schritt von Barclays unterstreicht die erhöhte Sensibilität der Coinbase-Bewertung gegenüber Trading-Volumina. Bei der anstehenden Quartalsberichterstattung dürfte daher besonders zählen, ob sich Spot-Aktivität und Retail-Nachfrage messbar stabilisieren und wie sich das auf die Profitabilität auswirkt. Gleichzeitig bleibt die regulatorische Agenda um die OCC-Trust-Charter ein wichtiger mittel- bis langfristiger Baustein für das Geschäftsmodell rund um Verwahrung und Infrastruktur.
