
Cancom erwartet trotz Lieferengpässen wieder Wachstum: Umsatz 2026 auf 1,75–1,85 Mrd. Euro
Kurzüberblick
Cancom bestätigt nach dem Geschäftsjahr 2025 seine erwartete Erholungstendenz und stellt für 2026 trotz Lieferengpässen und Preisdruck wieder Wachstum in Aussicht. Der IT-Dienstleister aus München veröffentlichte am 26. März 2026 seine vorläufigen Zahlen und eine konkrete Prognose für Umsatz sowie Ergebniskennziffern.
Für 2026 rechnet das Management mit Erlösen zwischen 1,75 und 1,85 Mrd. Euro und einem EBITDA von 110 bis 130 Mio. Euro. Gleichzeitig bleibt die Dividende mit 1,00 Euro je Aktie unverändert. Getrieben werden soll die Entwicklung von anhaltender Nachfrage nach IT-Infrastruktur, Digitalisierungsprojekten sowie KI-Services – bei zugleich hoher Volatilität im Komponentenmarkt.
Marktanalyse & Details
Geschäftszahlen 2025: Umsatz leicht darunter, operativer Trend verbessert sich im Schlussquartal
Im Jahr 2025 erzielte Cancom einen Konzernumsatz von 1.714,7 Mio. Euro (Vorjahr: 1.737,6 Mio. Euro). Das entspricht einem leichten Rückgang, während sich die operative Lage offenbar im zweiten Halbjahr stabilisierte.
- Q4 2025 Umsatz: 487,0 Mio. Euro (Vorjahr: 479,7 Mio. Euro)
- EBITDA 2025: 102,7 Mio. Euro (Vorjahr: 113,0 Mio. Euro)
- EBITDA Q4 2025: 38,9 Mio. Euro (Vorjahr: 46,6% mehr als im Vorjahr)
- EBITA 2025: 48,0 Mio. Euro (Vorjahr: 59,6 Mio. Euro)
Besonders relevant ist die Struktur der Ergebnisentwicklung: Das Management führt die Verbesserung im Schlussquartal unter anderem auf Einmaleffekte im Segment International (Sale-and-Leaseback) sowie Restrukturierungen und einmalige Projektaufwendungen im Segment Deutschland zurück, die sich im Ergebnis teilweise ausglichen. Für Anleger ist das ein wichtiger Hinweis darauf, dass die operative Dynamik zwar anzieht, die Vergleichbarkeit der Margen jedoch durch Sondereffekte beeinflusst sein kann.
Segmente im Blick: Deutschland schwächer, International mit spürbarem Gegenimpuls
Die Segmententwicklung verlief 2025 uneinheitlich. Im Segment Deutschland wirkten sich Kaufzurückhaltung der Kunden sowie Zurückhaltung im Mittelstand und öffentlichen Sektor spürbar aus.
- Deutschland Umsatz: 1.092,6 Mio. Euro (–3,7% im Vergleich zum Vorjahr)
- Deutschland EBITDA: 40,1 Mio. Euro (Vorjahr: 69,8 Mio. Euro)
- International Umsatz: 622,1 Mio. Euro (+3,2% im Vergleich zum Vorjahr)
- International EBITDA: 62,6 Mio. Euro (Vorjahr: 43,3 Mio. Euro)
Für die Bewertung der Gesamtentwicklung bedeutet das: Die Gruppe konnte Rückgänge in Deutschland nicht vollständig kompensieren, aber International lieferte einen deutlichen Ergebnishebel. Entscheidend wird sein, ob dieser Trend im laufenden Jahr in nachhaltige, wiederkehrende Erträge überführt wird.
Cashflow und Dividende: Puffer bleibt, Ausschüttung bleibt stabil
Finanziell unterstreicht Cancom die Stabilität der Cash-Position. Der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit lag bei 139,8 Mio. Euro (Vorjahr: 192,9 Mio. Euro), während der Zahlungsmittelbestand zum Periodenende auf 198,9 Mio. Euro zulegte (Vorjahr: 144,7 Mio. Euro).
Außerdem schlägt der Vorstand für die Hauptversammlung 2026 erneut eine unveränderte Dividende von 1,00 Euro je Aktie vor. Das sendet ein Signal, dass das Unternehmen trotz Ergebnisvolatilität an seiner stabilen Ausschüttungspolitik festhalten will.
Prognose 2026: Wachstum trotz Preisdruck und Komponentenrisiken
Cancom verknüpft seine 2026er Erwartungen mit zwei gegensätzlichen Faktoren: Einerseits bleibt die Nachfrage nach Infrastrukturlösungen, Digitalisierungs- und AI-Transformationen strukturell hoch. Andererseits rechnet das Unternehmen mit deutlichen Preiserhöhungen sowie Unsicherheiten bei der Verfügbarkeit von IT-Komponenten.
Die konkretisierte Zielspanne für 2026 lautet:
- Umsatz: 1,75 bis 1,85 Mrd. Euro
- EBITDA: 110 bis 130 Mio. Euro
- EBITA: 55 bis 75 Mio. Euro
Aus Sicht des Managements sind enge und langjährige Partnerschaften mit führenden Technologieherstellern ein Wettbewerbsvorteil, um Liefer- und Kapazitätsrisiken besser zu managen und Projekttermine zu stabilisieren.
Analysten-Einordnung
Die Kombination aus leicht rückläufigem Umsatz 2025, aber besserem operativen Momentum im Schlussquartal und einer dennoch vorsichtig optimistischen 2026er Ergebnisprognose deutet darauf hin, dass Cancom die Margendelle eher als temporär einstuft als als strukturelles Problem. Für Anleger bedeutet das: Entscheidend wird nicht nur das Erreichen der Umsatzspanne, sondern vor allem die Entwicklung von EBITDA und EBITA ohne starkes Sondereffekt-Gewicht. Gelingt es dem Unternehmen, Preiserhöhungen und Komponentenrisiken in belastbare Projektkalkulationen zu übersetzen, könnte die operative Ergebnisqualität im Jahresverlauf sichtbarer werden.
Fazit & Ausblick
Cancom setzt 2026 auf Wachstum trotz eines schwierigen Umfelds bei IT-Komponenten und Preisdruck. Der Kurs wird sich daran messen lassen, ob der erwartete Ergebnis-Korridor (EBITDA 110 bis 130 Mio. Euro) realwirtschaftlich erreicht wird und ob die Stärke im International-Segment die Schwäche in Deutschland weiter überlagern kann.
Nächster wichtiger Fixpunkt für Aktionäre ist die Hauptversammlung 2026, auf der die Dividende von 1,00 Euro je Aktie zur Entscheidung ansteht. Darüber hinaus liefern die nächsten Quartalsberichte im Verlauf 2026 die beste Grundlage, um die Tragfähigkeit der Prognose zu bewerten.
