Amgen hebt Ausblick nach Q2-Überraschung: Repatha und Evenity stark, Phase-1-Abnehmkandidat stoppen
Kurzüberblick
Amgen hat nach starken Quartalszahlen den Ausblick für 2026 angehoben. Die Aktie notiert zur aktuellen Beobachtung bei 336,6 EUR und legt am Tag um +3,39% zu; seit Jahresbeginn liegt sie bei +20,84%. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz spürbar, während die Ergebniskennziffer deutlich über den Erwartungen lag.
Im Zuge der Ergebnisvorlage meldet das in Kalifornien ansässige Biotech-Unternehmen zudem strategische Schritte in seinem Fettleibigkeits-Programm: Einen frühen Abnehmkandidaten aus einer Phase-1-Studie lässt Amgen nicht weiterentwickeln. Gleichzeitig baut Amgen die Pipeline mit Blick auf spätere Studien weiter aus, etwa mit dem Gewichtsverlust-Ansatz MariTide, dessen erste breitere Phase-3-Ergebnisse für das nächste Jahr erwartet werden.
Marktanalyse & Details
Quartalszahlen: Umsatzwachstum und deutlich besseres Ergebnis
Für das zweite Quartal berichtete Amgen:
- Adjusted EPS: $6,29 (über den Erwartungen um $0,67)
- Umsatz: $10,1 Mrd. (über den Erwartungen um $680 Mio.)
- Adjusted Earnings: +4% zum Vorjahr (auf $6,29 je Aktie)
- Umsatzwachstum: +10% zum Vorjahr
Getrieben wurde das Wachstum besonders von den etablierten Wachstumssäulen: Repatha (Cholesterin/PCSK9), Evenity (Osteoporose), Therapien gegen seltene Krankheiten sowie neueren Onkologie-Ansätzen und Biosimilars. Amgen betont, dass sechs zentrale Wachstumstreiber im zweiten Quartal um +26% zulegten und knapp 70% des Produktumsatzes ausmachten.
Ausblick 2026: Prognoseband breiter und nach oben
Nach dem Ergebnis-Beat hob Amgen die Erwartungen für 2026:
- Adjusted EPS (FY 2026): $22,30 bis $23,50 (zuvor: $21,70 bis $23,10)
- Umsatz (FY 2026): $38,2 Mrd. bis $39,4 Mrd. (zuvor: $37,1 Mrd. bis $38,5 Mrd.)
Analysten-Einordnung: Das Anheben der Gewinn- und Umsatzspanne deutet darauf hin, dass Amgen die Dynamik in den Kernprodukten und den Pipeline-Fortschritt nicht nur kurzfristig, sondern auch in die zweite Jahreshälfte hinein stabilisieren kann. Für Anleger bedeutet die Kombination aus Wachstumsschub bei Repatha/Evenity und bestätigtem Guidance-Spielraum vor allem Planungssicherheit: Entscheidend wird nun, ob das Unternehmen den Marktdruck bei älteren Produkten (z. B. Prolia) über Kompensationseffekte durch neue Indikationen und seltene Erkrankungen weiterhin ausgleichen kann.
Produktmix & Wettbewerb: Repatha/Everinity stark – Prolia unter Druck
Bei ausgewählten Produkten zeigt sich ein klares Bild:
- Repatha: +37% auf $953 Mio. (besser als die Marktannahmen)
- Evenity: +38% auf $714 Mio.
- Prolia: -32% auf $759 Mio. (patentbedingter Wettbewerbsanstieg; Umsatz lag dennoch über den Erwartungen)
- Uplizna: +90% auf $335 Mio.
- Tavneos: +36% auf $150 Mio.
Wichtig: In den USA nimmt der Wettbewerb bei PCSK9-Ansätzen zu. Amgen verwies zugleich darauf, dass die Wirksamkeitsbelege für Repatha aus Sicht des Unternehmens besonders stark sind.
Pipeline-Entscheidungen: Frühen Abnehmkandidaten stoppt Amgen
Obwohl Amgen seine Gewichtsverlust-Entwicklung weiter verfolgt, stoppt das Unternehmen einen weiteren Kandidaten aus einer frühen klinischen Phase. Konkret handelt es sich um einen Abnehmansatz, der im Umfeld der Phase-1-Entwicklung nicht weiter ausgerollt wird. Parallel bleiben spätere Programme aktiv: Für MariTide nennt das Unternehmen einen weiteren Zeitplan, mit ersten Ergebnissen aus der Phase-3-Gruppe im nächsten Jahr.
Einordnung: Für den Markt ist eine solche Streichung meist zweischneidig: Einerseits wirkt sie wie ein Signal für konsequentes Ressourcen-Management, andererseits steigt die Bedeutung der verbleibenden Kandidaten. Anleger dürften daher stärker als zuvor die Progress-Meldungen und Studiendaten der nächsten Stufe in den Fokus nehmen.
Regulatorik & Rechtsrisiken: Tavneos im Fokus
Für Tavneos steht weiterhin eine regulatorische Auseinandersetzung im Raum: Das Unternehmen berichtet, dass es mit der zuständigen Behörde im Gespräch ist und eine Anhörung beantragt hat. Hintergrund sind Bedenken zur Wirksamkeitslage und zur Integrität von Studiendaten.
Gleichzeitig gibt es positive Signale an anderer Stelle: Ein EU-Gutachten (CHMP) unterstützt die Erweiterung der Repatha-Indikation für den Schutz vor Erst-Herzinfarkten und Schlaganfällen bei Hochrisikopatienten.
Cybersecurity-Update: Exfiltration gemeldet, operativ nach aktuellem Stand ohne Materialauswirkungen
Amgen meldete zudem einen Cyber-Sicherheitsvorfall in einer Cloud-Umgebung. Laut Unternehmensangaben hat der Konzern unautorisierte Aktivitäten identifiziert und eingedämmt; zudem wurde eine Exfiltration von Daten festgestellt. Trotz Einstufung als potenziell material auf Seiten der Ermittlung erwartet Amgen nach aktuellem Stand keine wesentlichen Auswirkungen auf Produkte, Produktion oder Finanzberichterstattung. Die Untersuchung bleibt jedoch offen.
Kapitalrückfluss: Dividende für Q3 2026 angekündigt
Der Verwaltungsrat hat eine Dividende von 2,52 USD je Aktie für das dritte Quartal 2026 beschlossen, Auszahlung am 11. September 2026. Zusammen mit der Guidance-Anhebung unterstreicht das eine weiterhin aktive Aktionärsorientierung.
Fazit & Ausblick
Mit der Anhebung von EPS- und Umsatzband signalisiert Amgen, dass die starken Verkäufe der Kernmedikamente nicht nur kurzfristig tragen, sondern in die Planungsperiode hineinreichen. Der Stopp eines frühen Abnehmprogramms zeigt zugleich, dass das Management Chancen konsequent gegen klinische Risiken abwägt.
Für die nächsten Kursimpulse dürfte entscheidend sein, wie sich Tavneos regulatorisch weiterentwickelt und welche Substanz MariTide in den nächsten Studienphasen liefert; die ersten breiteren Phase-3-Ergebnisse werden für das nächste Jahr erwartet.
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